Der Beirat

Wie barrierefrei wird das Stadtoval?

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An der Fußgängerampel vom Rötenberg zum Stadtoval sind sie schon verlegt: Speziell strukturierte weiße Platten, die es Blinden erleichtern, mit einem Stock den Boden zu ertasten. Sie helfen damit bei der Orientierung.
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Besondere Materialien und Leitstreifen sollen es Menschen mit Handicap leichter machen, sich im neuen Stadtviertel zu bewegen. Wie das im Beirat für Menschen mit Behinderung ankommt.

Aalen

Das Stadtoval soll auch für Menschen mit Handicap so gut wie möglich zugänglich, also begeh- und befahrbar sein. In diesem Herbst wird gepflastert, asphaltiert und die sogenannte grüne Mitte angelegt. Ein spezielles Leitsystem soll Sehbehinderten und Blinden Orientierung geben. Maximilian Stechele, Architekt des Münchner Landschaftsarchitekturbüros Lohrer.Hochrein stellte dem Beirat für Menschen mit Behinderung am Donnerstagabend Einzelheiten vor.

Die Planer des Münchner Büros gestalten nicht nur die sogenannte Grüne Mitte, sondern auch den Vorplatz auf der östlichen Seite des Kubaa (Georg-Elser-Platz) sowie den Eingangsbereich zur Düsseldorfer Straße/Ecke DRK-Gebäude.

Architekt Stechele kündigte einen weiteren Fußgängerüberweg vom Stadtoval über die Düsseldorfer Straße an: in Höhe der Einmündung Eisenbahnstraße. Vom Stadtoval her wird er über eine Rampe zu erreichen sein. Die werde neun Prozent Steigung haben, was der Topographie geschuldet und nicht anders zu lösen sei, so Stechele.


Leitlinien: Das Stadtoval-Gelände soll laut Stechele, wo immer möglich, barrierefrei gestaltet werden: durch leicht begeh- und befahrbare Bodenbeläge und möglichst minimale Schwellen. Kontraste bei den Materialien, aber auch Mauern oder Kanten sollen Orientierung bieten. In Gefahrenzonen gibt es ein besonderes Leitsystem auf dem Boden durch Kontraststreifen und strukturierte weiße Platten, die mit einem Blindenstock ertastet werden können (sogenannte taktile Platten).

Bodenbeläge: Neben Asphalt gibt es ein Pflasterband – unter anderem an der Promenade längs der Grünen Mitte. Stufen, Bordsteine und Kanten werden aus hellgrauem, glattem Beton hergestellt. Stechele: „Wo Stufen nötig sind, werden sie einen dunkelgrauen Kontraststreifen bekommen. Und überall, wo wir Stufen verwenden, gibt es alternativ auch einen Weg, der befahren werden kann.“ Die Leitkante, die bereits entlang der Kubaa-Fassade verlegt ist, wird in Richtung Hotel weitergeführt.

Dass die Bordsteine drei Zentimeter hohe Kanten haben, ärgert Beiratsmitglied Kerstin Abele: „Das ist für Rollstuhlfahrer definitiv zu hoch.“ Stechele betonte, dies sei ein Kompromiss zwischen den Bedürfnissen von Blinden und Rollstuhlfahrern.

Die Grüne Mitte: Eine Promenade mit Bäumen und einem tiefergelegten Wasserbecken, das vom Hirschbach gespeist wird, soll Aufenthaltsqualität schaffen. Auf Nachfrage aus dem Beirat goss Stechele allerdings Wasser in den Wein: Rollstuhlfahrer werden nicht direkt ans Wasser hinunter fahren können. Der Uferstreifen sei zu schmal, um eine Rampe anzulegen.

Beiratsmitglied Ulrike Weber fürchtet „eine Hindernisrallye gerade für Behinderte und Sehbehinderte“ auf der Promenade, wenn dort auch Radfahrer unterwegs seien. Stechele versuchte zu beruhigen: Auf beiden Seiten der Düsseldorfer Straße werde es künftig einen Fahrradstreifen geben, das mache „den Umweg übers Stadtoval unattraktiv“.

Gerd Widmann aus dem Beirat plädiert dafür, als Leitstreifen für Blinde im gesamten Stadtoval spezielle Platten zu verlegen. Ein Pflasterband sei eine Notlösung, wer als Blinder nicht hochkonzentriert laufe, verliere leicht die Orientierung.

Kerstin Abele regt an, speziell an seniorengerechte Bänke zu denken und auf Rollstuhlfahrer-Parkplätzen keine Rasengittersteine zu verlegen. Beides nehme man auf, so Architekt Stechele.

Berthold Starz, Abteilungsleiter Liegenschaften, bei der Stadt, erläuterte, man stelle jetzt das Ausschreibungsverzeichnis fertig. Baubeginn soll im November sein.

In Gefahrenbereichen braucht es ein dezidiertes Leitsystem.“

Maximilian Stechele, Architekt

Der Beirat für Menschen mit Behinderung

Der Beirat für Menschen mit Behinderung in Aalen ist ein ehrenamtliches und unabhängiges Gremium. Er vertritt die Interessen und Belange von Menschen mit Behinderung gegenüber der Stadtverwaltung, ihren Dienststellen, Einrichtungen und Betrieben.

Der Beirat berät den Gemeinderat, seine Ausschüsse und die Verwaltung in allen Angelegenheiten, die Menschen mit Behinderung betreffen. Im Fokus stehen Selbstbestimmung und Eigenständigkeit bei der Teilhabe dieser Bevölkerungsgruppe am öffentlichen Leben.

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