Wie der Garten dem Klimawandel trotzt

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Trittsteine statt kompletter Versiegelung oder auch Laubbäume, die Schatten werfen - dies sind nur einige Beispiele, wie ein naturnah angelegter Garten dem Klimawandel leichter trotzt.
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Mit wenigen Mitteln können Hobbygärtner viel erreichen und Lebensraum für viele Arten schaffen.

Aalen

Neuartige Schädlinge, die kaum mehr aufzuhalten sind. Starkregen, extreme Hitze oder Trockenheit – der Klimawandel ist nicht mehr zu leugnen. Die Fachberaterin Obst- und Gartenbau des Ostalbkreises, Christiane Karger, zeigt in ihren Workshops stets anschauliche Beispiele, wie er unseren Hausgärten zusetzt: „Frostrisse und sommerliche Hitzeschäden nehmen zu. Die Erde trocknet aus, kann die Wassermassen bei Starkregen nicht aufnehmen. In den Städten ist die Kanalisation dann überlastet, es kommt zu Überschwemmungen.“

Dabei ist Karger überzeugt: Jede und jeder kann gegensteuern. Ihre Tipps, wie Hausgärten dem Klimawandel trotzen:

Grund und Boden: „So wenig Flächen wie möglich versiegeln. Der Boden darunter ist solchen Fällen tot“, sagt Karger. Sie rät: Wege im Garten, zum Beispiel zum Sitzplatz, versickerungsaktiv gestalten. Das bedeutet: Trittsteine oder Platten mit offenen Fugen verwenden, statt komplett zu pflastern. Karger: „Das schon auch den Geldbeutel.“ 

Kleinklima verbessern: Wer sich bei Hitze im Garten aufhält, sucht Schatten nicht von ungefähr am liebsten unter Laubbäumen.  „Sie beschatten nicht nur, sondern senken die Umgebungstemperatur auch durch Verdunstungskälte“, erläutert die Gartenbaufachberaterin.

Fassaden begrünen: Kletterpflanzen wie Efeu & Co. am Haus sind nicht nur natürliche Wärmedämmung, sondern sorgen auch für Temperaturausgleich und sind zusätzlicher Lebensraum für viele Arten. Doch Vorsicht: „Manche sogenannte Selbstklimmer können die Fassade auf Dauer beschädigen“, warnt Karger. Efeu beispielsweise krieche auch in allerfeinste Risse in der Wand, Wilder Wein ruiniere mit seinen Saugnäpfen unter Umständen den Putz. Als Alternative rät die Fachfrau zu sogenannten Schlingern oder Rankern wie Geißblatt, Clematis, Glyzinie, Kletterrose, Hopfen oder Echten Wein. Sie brauchen ein Gerüst, wenn sie prächtig gedeihen sollen. Zunehmend bieten Gartencenter auch innovative Systeme zur Wandbegrünung an. Auch Dachbegrünung  kann sich lohnen: So kann ein Quadratmeter Dachgrün 80 Liter Wasser zurückhalten und 800 Gramm CO2 speichern.

Kiesbeete richtig anlegen: keinesfalls mit Folie, sondern aufgefüllt mit magerem, sandigen Substrat. Bepflanzen mit trockenheitsverträglichen Blütenstauden.

Zierpflanzen: Gedrungener Wuchs, verdickte Blätter mit wenig Fläche - Pflanzen aus dem natürlichen Lebensbereich Steingarten/Alpinum/Freifläche kommen mit Hitze und Trockenheit besser klar als andere. „Eine Wachsschicht auf den Blättern oder Behaarung reduziert die Verdunstung“, beschreibt Christiane Karger. Für sonnig-trockene Standorte empfiehlt sie Zwergwermut, Perlkörbchen, Nelken, Lavendel, Currykraut, Ölweide oder Weidenblättrige Birne.

Nutzgarten: Die Tipps der Gartenbaufachberaterin: Boden nur lockern statt umgraben. Mulchen – also den Boden bedecken mit organischen Materialien wie Rinde, Stroh, Grasschnitt, Kräutern oder Stauden. Das fördert das Bodenleben. Und: richtig düngen; um den optimalen Nährstoffbedarf zu ermitteln, am besten alle vier, fünf Jahre eine Bodenprobe untersuchen lassen.

Info: Deutschlandweit werden täglich 52 Hektar Fläche versiegelt. Das entspricht 72 Fußballfeldern.

„Jede kleine Insel zählt.“

Christiane Karger, Fachberaterin Obst- und Gartenbau

Teilnehmer gesucht: Mitmachaktion „Natur sucht Platz im Garten“

Aalen. Ein neuer, mehrteiliger Workshop soll Gartenbesitzern Anregungen vermitteln, wie sie ihren Garten naturnah gestalten: konkret, vor Ort, gemeinsam mit anderen. An insgesamt sechs bis acht Terminen lernen die Teilnehmer verschiedene Gärten kennen, in denen sich Vögel, Insekten und andere Lebewesen wohlfühlen und die das Herz der Gartenbesitzer ganzjährig erfreuen. Gemeinsam werden einige der im Losverfahren ausgewählten Gärten der Workshop-Teilnehmer besucht. An Ort und Stelle wird dann besprochen, wie die Flächen mit einfachen Mitteln naturnaher gestaltet werden können. Erster Termin ist Mittwoch, 18. Mai, 18 Uhr, in Neresheim-Elchingen. Weiter geht es am Montag, 30. Mai, 18 Uhr, in Hüttlingen. Im Juni steht dann eine Gartenbesichtigung in Essingen an.

„Helfen Sie mit, hier im Ostalbkreis einen wichtigen Beitrag zu Artenerhalt, biologischer Vielfalt, Abwechslungsreichtum und Klimaschutz zu leisten! Jede kleine Maßnahme zählt“, wirbt die Kreis-Gartenbaufachberaterin Christiane Karger. Veranstalter des Workshops sind das Landratsamt und der Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine.

Anmeldung: bei Helga Kucher (rh.kucher@web.de)  oder bei Christiane Karger (christiane.karger@ostalbkreis.de), Tel. (07961)  90593631. Die Kosten für den gesamten Workshop liegen bei 60 bis 80 Euro.

Hübsch anzusehen ist Efeu, das an der Fassade hochrankt. Doch Vorsicht: Es windet sich auch an unerwünschte Stellen und dringt in jede Ritze.
Laubbäume senken die Umgebungstemperatur durch Verdunstungskälte. Ihr Farbspiel ist im Herbst eine Pracht.

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