Wie der Lockdown-Light in Aalen wirkt

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Der "Wellenbrecher-Lockdown" soll die Infektionsdynamik stoppen. Was das für die Einzelhändler, die Gastronomen, Kinobetreiber, Künstler & Co. bedeutet.

Aalen

Die hohen Infektionszahlen wollen Bund und Länder mit einem sogenannten "leichten" Lockdown noch rechtzeitig stoppen. Die Einschränkungen, die ab Montag gelten, sind massiv – vor allem für die Gastronomen, Künstler und Veranstalter – auch in Aalen. Was wird abgesagt und was kann dennoch stattfinden?

Jazzfest: Es wird kein Jazzfest im November geben. "Es ist ziemlich klar, dass es im November in Deutschland überhaupt keine Veranstaltung geben wird", sagt Ingo Hug, künstlerischer Leiter des Festivals. Genaueres über einen eventuellen Ersatz oder eine Verschiebung kann er momentan noch nicht sagen. "Aber wir sind natürlich sehr bewegt."

Märkte: Der Veranstalter des Aalener Weihnachtslands, Georg Löwenthal, gibt sich optimistisch. "Weil nun der 23. November als Beginn nicht funktioniert, starten wir voraussichtlich eine Woche später." Das habe er so mit OB Thilo Rentschler besprochen. Löwenthal will trotz Corona "den Menschen in der dunklen Jahreszeit ein emotionales Erlebnis in der Adventszeit" bieten. "Wir können flexibel agieren", sagt er und verweist auf ein vorhandenes Hygienekonzept. Und wie steht es um den Wochenmarkt sowie um den Martinimarkt am 9. November? "Der Wochenmarkt findet unter Auflagen wie bisher auch statt", sagt Karin Haisch. Gegen den Martinimarkt spreche aktuell nichts. Die Stadtsprecherin merkt an, dass das unter Vorbehalt gelte. "Wir müssen die neue Coronaverordnung des Landes abwarten, dann kennen wir Details."

Ratsgremien: Gemeinderat und Ortschaftsräte werden auch im November tagen. "Nach den bisher geltenden Regeln", sagt Karin Haisch. Die Ratssitzungen seien erforderlich für die Arbeit der Verwaltung und hätten daher Sonderstellung.

Städtische Veranstaltungen: In Aalen werden sämtliche städtischen Veranstaltungen in der Stadthalle und im KubAA verschoben und sobald wie möglich nachgeholt, teilt Haisch mit.

Volkstrauertag: Da soll es eine kreisweit einheitliche Lösung geben. "Das wird Landrat Dr. Bläse am Freitagvormittag in einer Videokonferenz mit den Bürgermeistern besprechen", sagt Pressesprecherin Susanne Dietterle.

Der Einzelhandel: "Wir haben schon Bedenken, dass die Kundenfrequenz nachlassen wird", sagt Josef Funk, Vorsitzender von Aalen City aktiv (ACA). Denn das Geschehen in der Aalener Innenstadt sei ein Ergebnis aus Einkaufen, Einkehren und Erlebnis. Fallen nun viele Gastronomen weg, mache dies den Innenstadtbesuch weniger attraktiv. "Aber wir sind vorsichtig", sagt Funk. Wegen der neuen Verordnung müssen Händler neben den bekannten Hygienemaßnahmen, wie Abstandsgebote und Maskenpflicht, weitere Vorkehrungen umsetzen. So schreibe die neue Regelung vor, dass auf zehn Quadratmeter Verkaufsfläche maximal ein Kunde kommen darf. "Das werden wir aber wahrscheinlich gar nicht erreichen", beklagt er. "Es wäre ja schön, wenn so viele Kunden kommen würden." Viele Bürger seien zurzeit vorsichtig.

"Es ist ein schlimmes Jahr gewesen", sagt Funk. Vielen Einzelhändlern fehlen die Einnahmen aus dem ersten Lockdown. Hinzu komme, dass viele auf großen Warenbeständen sitzen bleiben. "Die wurden Anfang des Jahres basierend auf den Vorjahreszahlen bestellt. Das ist ein Riesenproblem", sagt Funk. Daher appelliert er, lokal zu denken. "Es gebe nichts Schlimmeres, als wenn die Stadt aussterben würde. Die Geschäfte sind auf Umsätze angewiesen."

Kino: Völlig enttäuscht von der Politik zeigt sich der Betreiber des Aalener Kinoparks, Ralf-Christian Schweizer. "Diese Entscheidung ist wirtschaftlich eine absolute Katastrophe und total undemokratisch." Der Lockdown sorge für den Tod ganzer kultureller Bereiche. Schweizer spricht davon, dass die Akteure "ohne Maß, Ziel und Verstand" gehandelt hätten. Niemand wisse, wie das ausgehe. Der Kinoparkbetreiber erkennt die Problematik der steigenden Infektionszahlen. "Aber wir müssen gezielt vorgehen und nicht alle über einen Kamm scheren." Die Kinobetreiber hätten sämtliche Vorgaben erfüllt. "Bei uns steckt sich niemand an", betont er. Zudem kritisiert er, dass bislang noch kaum Gelder geflossen seien. "Ich habe noch keinen Cent aus dem Hilfsprogramm erhalten." Für sich sehe er kein Problem – aber für die Mitarbeiter, die jetzt wieder Kurzarbeit hätten, und für seine Geschäftspartner.

Musikschule: Wie es bei der Musikschule weitergehe, könne man erst sagen, wenn die Verordnung des Landes vorliege. "Wir gehen aber davon aus, dass analog zu den Schulen der Unterricht stattfindet", sagt Stadtsprecherin Haisch.

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