Wie der Rat den OB bisher bewertet

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Frederick Brütting bei der Amtseinführung. Seit drei Monaten ist er nun Aalener Oberbürgermeister. Archivfoto: Oliver Giers
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Die Fraktionen im Aalener Gemeinderat loben Frederick Brütting für seinen Stil und finden allenfalls kleine Kritikpunkte. Kritik an seinem Vorgänger äußern sie dagegen teilweise sehr deutlich.

Aalen

Drei Monate ist OB Frederick Brütting im Amt. 92 Tage ganz genau. Drei Sitzungsrunden im Aalener Gemeinderat sind geschafft. Mit Spannung war erwartet worden, wie die Zusammenarbeit zwischen neuem Oberbürgermeister und dem Gremium klappt, das als kritisch und diskussionsfreudig gilt. Die Fraktionen und Zählgemeinschaften im Gemeinderat beurteilen Brüttings bisherige Arbeit und antworten auf die Fragen, was er gut macht und was er noch besser machen könnte.

Michael Fleischer (Grüne) ist voll des Lobes: „Der neue OB kann sehr gut zuhören und Menschen mitnehmen.“ Bei großen Konfliktthemen gehe er auf die Bürger zu und beteilige sie. „Er ist offen für Argumente, wägt diese ab und passt gegebenenfalls seine Linie an oder kann sie auch ändern“, sagt Fleischer und fügt an: „Er hat verstanden, dass das kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke ist.“ In der Kommunikation herrsche Transparenz und Offenheit. Die Sitzungen im Gemeinderat leite er ruhig und sachlich. Dennoch sei er entscheidungsstark. Auf die Frage, was er noch besser machen kann, antwortet der Grünen-Fraktionssprecher: „So weiter machen!“

Thomas Wagenblast (CDU) und seine Fraktion bewerten die bisherige Arbeit des OB durchweg positiv. „Er ist zwar noch keine 100 Tage im Amt, dennoch können wir sagen, dass seine auf Augenhöhe und Ausgleich ausgelegte ergebnisorientierte Sacharbeit uns gerade in den Gremiensitzungen sehr zusagt“, sagt Wagenblast. OB Brütting sei es wichtig, der Bürgerschaft zuzuhören und gute Anregungen aufzunehmen. „Das ist auch uns sehr wichtig, denn nur gemeinsam - Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft - werden wir die großen Aufgaben gut meistern.“ Wagenblast freut sich, dass Brütting den Antrag der CDU-Fraktion für einen Ortschaftsrat in der Weststadt unterstützt habe. „Wir hoffen, dass dieser Stil die kommenden Jahre prägen wird.“

Hermann Schludi (SPD) stellt fest: „Schon in seinem Wahlkampf konnten wir alle spüren, dass Frederick Brütting ein authentischer und moderner Oberbürgermeister sein wird.“ Er gehe die aktuellen, drängenden Themen an und sei bis ins Detail informiert. „Er bringt zugleich eigene Initiativen und Ideen mit ein.“ Es gelinge ihm, an entscheidender Stelle die beteiligten Akteure mitzunehmen. „Es bleibt zu hoffen, dass er auch in den kommenden Jahren und unter Druck so transparent und gelassen agieren wird“, sagt Schludi. Das erleichtere die Zusammenarbeit ungemein und kommt Aalen zugute. In Zukunft gelte es, die großen Herausforderungen angemessen mit der Verwaltung und der gesamten Stadtgesellschaft zu bewältigen. „Wir sehen unsere Stadt dabei mit Frederick Brütting an der Spitze sehr gut aufgestellt“, schließt der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Dr. Frank Gläser (AfD) streicht die geeignete Qualifikation und Erfahrung hervor, die Brütting mitbringe. Der OB agiere ruhig, sachlich und vertrete seine Meinung, ohne zu viele Worte zu verlieren oder dabei aggressiv zu werden. „Wir sind ja auch kein einfach zu händelnder Gemeinderat“, merkt Gläser an. Zwischen ihm und Brütting bestünden „in einigen Grundsatzfragen deutscher Politik wesentliche Differenzen“. Entscheidend seien aber nicht die Unterschiede, sondern wie man damit umgehe. Brütting handhabe das „seriös und fair“. Der AfD-Fraktionssprecher wünscht sich eine Straffung der Sitzungen auf maximal fünf Stunden. Dazu schlägt er vor, dass sowohl Mitarbeiter der Verwaltung als auch Mitglieder des Gemeinderats Wortbeiträge kürzer halten.

Arian Kriesch und Dr. Philipp Frank (FDP/FW) geben ihre Stellungnahme gemeinsam ab. Darin heißt es: „Das Wahlergebnis von Frederick Brütting war ein großer Vertrauensvorschuss: Für seine Gestaltungsziele und den Willen zum Dialog, den er im Wahlkampf demonstriert hat.“ Die ersten 100 Tage seien noch nicht verstrichen. „Wir haben aber als FDP-FW den Eindruck, dass Frederick Brütting seinem Versprechen, zuzuhören und Kompromisse zu suchen, gerecht werden will.“ Welche seiner Ziele er umsetzen könne, werde das kommende Jahr zeigen. „Wir begrüßen, dass er in den ersten Sitzungen auf Transparenz setzt und pragmatische Lösungen für die teuren beschlossenen Denkmäler Kombibad und Steg sucht“, schreiben Kriesch und Frank. Am meisten werde nicht die Corona-Pandemie, sondern das Erbe des Vorgängers seinen Gestaltungsspielraum einschränken.

Norbert Rehm (Aktive Bürger) sagt: „OB Brütting ist gut und geräuschlos in das neue Amt gestartet“. Allerdings sei es noch nicht möglich, eine Bilanz zu ziehen. „Er hat das Rüstzeug für den Job“. Rehm lobt Brüttings Stil: „Da ist ein Unterschied zu den zwei Vorgängern zu erkennen: Der eine hatte keinen, der andere kannte nur sich.“ Brütting sei in der Lage, die „lange Jahre abgetötete Motivation“ bei den Mitarbeitern der Verwaltung zu wecken. Rehm lobt außerdem, dass Brütting versucht, alle mitzunehmen, das habe in den vergangenen Jahren gefehlt. „Vielleicht muss er aufpassen, sich nicht zu verlupfen“, sagt Rehm zur Frage, was Brütting noch besser machen könne. Themen wie die Ortschaftsverfassung oder der Albaufstieg seien jahrzehntelang diskutiert. „Manchmal sind Themen austherapiert und es gibt nicht mehr viel neue Möglichkeiten.“ Brütting spreche viel von Transparenz. Bei Großprojekten wie Kombibad, Kulturbahnhof, Steg, Thermalbad warte man noch darauf, dass Sachverhalte transparent werden.

Die Fraktion der Freien Wähler, die Zählgemeinschaft „Die Linke“ und die Zählgemeinschaft "Birkhold/Traub" haben nicht auf die Fragen geantwortet.

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