Wie die Innenstadt gestärkt wird

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Die Aalener Innenstadt zu stärken, war den Räten im Aalener Gemeinderat in Corona-Zeiten besonders wichtig, daher stimmten sie dem Zehn-Punkte-Programm zu. Die Akteure in der Innenstadt bangen aber noch, ob die Reichsstädter Tage stattfinden.
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Der Aalener Gemeinderat bringt das Einzelhandelskonzept und das Zehn-Punkte-Programm auf den Weg. Außerdem diskutieren die Räte, ob die Reichsstädter Tage stattfinden können.

Aalen

Seit Januar beschäftigen sich die Aalener Gremien mit der Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts und dem Zehn-Punkte-Programm zur Stärkung der Innenstadt. Nun, in der Corona-Krise, hat das Thema besondere Brisanz bekommen.

Einzelhandelskonzept: Stadtplaner Dr. Donato Acocella hat das Potenzial Aalens als Einkaufsstadt analysiert und Empfehlungen abgegeben. Zum Beispiel geht es darum, welches Sortiment sich künftig in welcher Größe wo ansiedeln darf. Ziel ist es, alles was relevant fürs Zentrum ist, nur im Zentrum zuzulassen. Eine Änderung gab es im Laufe der Beratungen: "Es ist wichtig, dass es Fahrradgeschäfte in allen Ortschaften gibt", fasste Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle zusammen. Dieses Sortiment sei nicht zentrumsrelevant. Bei einer Gegenstimme beschloss der Gemeinderat das Konzept.

Zehn-Punkte-Programm: Die Verwaltung hat mit dem Innenstadtverein ACA ein Zehn-Punkte-Programm zur Stärkung der Innenstadt aufgelegt. Die Maßnahmen sollen zum Beispiel mehr Menschen in die Innenstadt locken, die Erreichbarkeit verbessern und die Stadt noch schöner und sauberer machen.

CDU schlägt elften Punkt vor: CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Wagenblast regte an, das Programm um einen elften Punkt zu erweitern. "Um die Auswirkungen der Corona-Pandemie für die Innenstadt zu bewältigen, braucht es neue Impulse von Stadtverwaltung, Innenstadthändlern, Vereinen und Kulturschaffenden", sagte Wagenblast. Dazu brauche es ein starkes Konzept aller Beteiligten. Sandra Bretzger stimmte für die Grünen-Fraktion dem Zehn-Punkte-Programm "vollumfänglich" zu. Besonders die Punkte bessere Erreichbarkeit mit Rad und Bus, Erhöhung der Aufenthaltsqualität und die Aktion "sauberes Aalen" seien den Grünen sehr wichtig.

Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um die Innenstadt zu stärken.

Claus Albrecht Stadtrat, Freie Wähler

Für Albrecht Schmid (SPD) kommt die Diskussion zum rechten Zeitpunkt. Wichtig sei der SPD-Fraktion, dass man beim Punkt Leerstandsvermeidungsstrategie auch an Wohnen in der Stadt denkt.

Claus Albrechts Appell: "Ich habe mir lange überlegt, ob ich das sagen soll", sagte Claus Albrecht (Freie Wähler). Er ist Inhaber von Saturn Herrenmode. Er habe sich dafür entschieden zu sprechen, nicht weil er Mitleid haben wolle, sondern weil es allen Einzelhändlern ähnlich ginge. Von 18. März bis 23. April sei sein Geschäft geschlossen gewesen. "In der Zeit, in der die Modebranche den stärksten Umsatz macht", sagte Albrecht. Danach habe sein Haus etwa 30 Prozent an Umsatz verzeichnet – im Vergleich zum vergangenen Jahr. "Seit die Gastronomie wieder aufhat, sind wir bei 50 bis 60 Prozent Umsatz angelangt." In absoluten Zahlen bedeute das einen Verlust von einer Million Euro. 200 000 Euro Mehrwertsteuer müsse man wieder abziehen. Kurzarbeit helfe ein wenig. "Bleibt eine Liquiditätslücke von 600 000 Euro", sagt der Saturn-Chef. Möglichkeiten um zahlungsfähig zu bleiben, seien Corona-Hilfen, der private Geldbeutel oder ein KfW-Kredit. "Wir werden es überleben", sagte er. Andere stünden aber schlechter da. "Daher müssen wir alles in unserer Macht stehende tun, um die Innenstadt zu stärken."

Reichsstädter Tage: Thomas Wagenblast fragte nach den Reichsstädter Tagen. "Es ist ausgeschlossen, dass sie dieses Jahr wie gewohnt stattfinden können", sagte er. Das Aalener Stadtfest von 11. bis 13. September ganz abzusagen, wäre aber ein Rückschlag für die Innenstadt. OB Thilo Rentschler antwortete: "Der Tag der Wahrheit kommt Ende Juni." Noch vor der Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 25. Juni, wolle man eine Empfehlung aussprechen. Entweder Variante 1: Die Reichsstädter Tage ganz absagen oder Variante 2: Die Reichsstädter Tage unter Auflagen feiern. Die Entscheidung müsse im Licht der weiteren Entwicklungen getroffen werden.

Für Sandra Bretzger ist es zu spät, bis Ende Juni zu warten. Sie beantragte, im kommenden Ausschuss zu beraten, wie die Reichsstädter Tage unter Auflagen gefeiert werden können. Am Ende stimmte der Gemeinderat bei einer Gegenstimme dem Zehn-Punkte-Programm zur Stärkung der Innenstadt zu. Über den angeregten elften Punkt der CDU-Fraktion und über ein Konzept für die Reichsstädter Tage wollen die Räte Mitte Juni im Ausschuss beraten.

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