Wie ein gefundenes Kreuz das Leben von Michael aus Aalen völlig ändert

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Michael ist mit seinem Kreuz unterwegs und trifft Bernhard Richter an der evangelischen Stadtkirche. Der Pfarrer zeigt sich bewegt von der Geschichte des 21-Jährigen. Für den Theologen korrespondiert Michaels Geschichte mit dem „Gleichnis vom verlor
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So hat ein dreieinhalb Kilo schweres und 50 mal 30 Zentimeter großes christliches Symbol einen jungen Drogensüchtigen auf neue Wege gebracht. Was das mit Weihnachten zu tun hat.

Aalen

Vor der Aalener Stadtkirche steht ein junger Mann und wartet. In der Hand hält er ein Kreuz. Ungewöhnlich? In der Advents- oder Weihnachtszeit eher weniger. Doch Michael ist nicht nur in diesen Tagen mit seinem Kreuz unterwegs. Den 21-Jährigen verbindet mit dem christlichen Zeichen ein neues Leben. Gefunden hat er es bei einer Schrottsammlung der Ringer in Dewangen; das dreieinhalb Kilo schwere und 50 mal 30 Zentimeter große Metallkreuz bedeutet für ihn einen Wendepunkt in seiner Biografie. „Den Tag werde ich nie vergessen“, sagt er.

Michael ist drogenabhängig und auf die schiefe Bahn geraten. Kurz vor dem Abitur hat er die Schule geschmissen. Er hilft den Ringern und sammelt für deren Verein Schrott, als er das Kreuz entdeckt. Ein Grabkreuz, das daliegt, als habe es auf ihn gewartet. „Ich musste es einfach mitnehmen, habe aber gefragt, ob das geht“, erinnert er sich. Seither begleitet es ihn. Zunächst im Kofferraum seines Autos. „Andere haben ein Kreuz am Spiegel hängen, ich hatte es im Kofferraum“, sagt er ernsthaft und fügt an: „Es ist wie ein Weihnachtsgeschenk.“

Dabei ist das Metallkreuz für ihn viel mehr. Michael, der Drogen konsumiert, beginnt in der Bibel zu lesen und findet die Stelle, an der es heißt, dass man sein Kreuz auf sich nehmen solle und Jesus nachfolgen. „Das habe ich wörtlich genommen“, erzählt Michael. Von diesem Tag im Sommer an setzt er seine Idee um und beginnt zu wandern – rund um Ellwangen und schließlich auch von Ellwangen nach Aalen. Währenddessen trägt er sein Kreuz immer deutlich sichtbar vor sich her; auch als er zum ersten Mal Mitte September beim Friedensgebet an der Aalener Stadtkirche mitbetet.

Kurz darauf trifft er beim Wandern auf eine Frau. Die verständigt die Polizei, weil sie den jungen Mann für einen Grabschänder hält. Die Beamten konfiszieren das Kreuz als vermeintliches Diebesgut.

Indessen sucht der evangelische Michael weiter Halt im Glauben und lässt in den sieben Wochen die Zeit der Drogen hinter sich. Zudem nimmt er Kontakt zu Bernhard Richter auf. Der Pfarrer hatte ihn angeschrieben, weil Michael inzwischen mit seiner Mutter in die Kernstadt gezogen ist.

Anfang November erhält er sein Kreuz zurück. Das ist die Zeit des ökumenischen Hoffnungsfests im evangelischen Gemeindehaus. Dorthin zieht es den jungen Mann – das Kreuz fest im Arm. Im christlichen Miteinander erzählt er seine Geschichte. Zu der zählt auch, dass er arbeitslos ist und einen Ausbildungsplatz sucht. Er nimmt sein Leben in die Hand, treibt Sport, macht Fitnessübungen – alles mit dem Kreuz in der Hand. Michael informiert sich, was geht mit einem Fachabitur. Er denkt zunächst an eine Ausbildung zum Diakon oder Altenpfleger. Noch ist nichts entschieden.

Fürs Kreuz und damit für Jesus und den Glauben hat sich der 21-Jährige längst entschieden. Das Kreuz ist unter anderem ein Symbol der Umkehr und des Büßens: Buße – und Fasten – wie manche sie im Advent noch praktizieren. Buße als eine Haltung, die persönliche Schuld und Laster beendet und als der Versuch für einen Neuanfang. Für Michael beginnt mit dem Kreuz ein neues, anderes Leben.

„Michaels Geschichte passt gleichzeitig auch perfekt zum Gleichnis mit dem verlorenen Sohn“, sagt Pfarrer Bernhard Richter, der dem jungen Mann als Seelsorger zur Seite steht. Und Weihnachten sei in der Geschichte von Michael ganz konkret: Gott kommt zu den Menschen – und bringt sie auf einen zukunftsfähigen Weg.

Das Kreuz ist für mich wie ein Weihnachtsgeschenk.“

Michael, Aalener, der ein Kreuz gefunden hat

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