Wie einfaches Wachs Erschütterungen abbildet

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Ines Tartler läuft den Marktplatz hinauf in Richtung Rathaus. Das flüssige Wachs verfestigt sich unter "Erschütterungen".
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Die Aalener Künstlerin Ines Tartler hat in der Fußgängerzone den ersten Teil einer Kunstperformance gezeigt. Was dabei zu sehen war.

Aalen

Ganz kleine Schritte macht Ines Tartler. In ihren Händen trägt die Aalener Künstlerin waagrecht einen Bilderrahmen vom Retter-Haus am Stadtkirchenplatz, wo sie momentan ihr Atelier hat, in Richtung Rathaus. Dass sie so sorgsam damit durch die Fußgängerzone läuft, hat einen guten Grund. In dem Rahmen ist Kunst, die auf der Strecke während des Transports im Werden und Sich-Verändern ist. Der erste Schaffensakt eines Kunstprojektes, das bis zum Sommer dauern soll. "a work a month" – eine Arbeit pro Monat bis zum nächsten Sommer wird Ines Tartler schaffen und jeweils an einer von ihr ausgewählten Säule im Rathaus platzieren.

"Ich arbeite seit einem Jahr an dem Thema Erschütterungen. Dann kam der erste Lockdown und das war ganz schön passend", erklärt die Künstlerin.

Erschütterungen, die in dem Bilderrahmen verewigt sind. Denn in diesen hat Ines Tartler flüssiges Wachs gegossen. Hellorange schwappt es darin hin und her, als sie es trägt und dabei ihre Schritte unter den Blicken neugieriger Passanten immer größer werden – die Flüssigkeit verfestigt sich da bereits langsam und es ist nicht mehr so viel Vorsicht geboten. Sichtbar werden die Erschütterungen, die beim Gehen auf dem Pflaster entstehen. Nach rund 10 Minuten auf ihrem Weg ist die Künstlerin schließlich im Rathaus angekommen und kann das Wachsrelief bereits an die von ihr vorbereitete Säule hängen. Nur die Farbe wird sich noch intensivieren, erklärt sie später. "Eine Arbeit, die auf dem Weg entsteht, das finde ich spannend", so Ines Tartler. Sie arbeite gerne performativ und im öffentlichen Raum.

Ich arbeite seit einem Jahr an dem Thema Erschütterungen.

Ines Tartler Künstlerin

An das Material für das "a work a month" ist die Künstlerin durch Zufall gekommen. Als sie bei einem Händler für Künstlerbedarf in Norddeutschland einkaufte, sei sie angesprochen worden, ob sie nicht Interesse an einer großen Menge Wachs habe, die man ihr gerne zur Verfügung stellen wolle. Tartler sagte zu, zahlte die Transportkosten und hat nun einen 450-Kilo schweren Wachsblock zuhause gelagert.

Auch an der freischaffenden Künstlerin Ines Tartler geht die durch die Pandemie bedingte Krise im Kulturbereich nicht vorbei: "Das ist total heftig", sagt sie. "Aber es ist wichtig, weiterzuarbeiten, weiter und noch mehr als bisher bei sich zu sein", sagt sie. Sie hoffe, dass die Krise als positives Ergebnis vielleicht einen Sprung in eine menschlichere Welt eröffnet.

Die entstandene "Erschütterung" im Rathaus.
Ganz vorsichtig macht sich die Künstlerin auf den Weg.

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