Wie in Aalen und im Ostalbkreis Geflüchteten aus der Ukraine geholfen wird

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Sozialminister Manfred Lucha (Zweiter von links) zu Gast in Aalen.
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Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) informiert sich im Torhaus über das Engagement vor Ort.

Aalen

Ein Treffen markiert den Anfang. Kurz nach Kriegsausbruch hatte die Organisation „act for transformation“ ins Torhaus eingeladen. In der Runde besprachen die Teilnehmer, wie sie Menschen aus der Ukraine helfen und sich vernetzen können. Inzwischen sind daraus zahlreiche Projekte entstanden. Einige wurden am Mittwochnachmittag im Paul-Ulmschneider-Saal vorgestellt. Zu Gast war der badenwürttembergische Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) und rund 40 Geflüchtete aus der Ukraine.

Psychologische Hilfe: Ludmilla Kamasko ist Psychologin und selbst aus der Ukraine nach Aalen geflüchtet. Hier betreut sie nun Geflüchtete in ihrer Muttersprache. Begonnen hat diese Hilfe mit einem Gesprächskreis für Erwachsene in den Räumen von „act for transformation“, berichtet sie. Später folgte ein Gesprächskreis für Kinder und Jugendliche, dann auch Einzelgespräche. Sie bedankt sich bei Aalener Psychologen, die ihr einen Raum dafür zur Verfügung gestellt haben. Außerdem wird sie mit Fördergeldern vom Landesprogramm „Stärke“ unterstützt. Ab September möchte Kamasko ihre Hilfe auch in weiteren Städten anbieten.

Offene Treffen: Mit Geldern aus dem Landesprogramm Stärke werden außerdem offene Treffen und Ankommenskurse für Geflüchtete aus der Ukraine finanziert. Das berichtete Jutta Funk vom Landratsamt. Solche Angebote gibt es ihr zufolge bei „act for transformation“ in Aalen, beim DRK in Aalen, im Familienzentrum in Heubach und bei der Vhs in Gmünd.

Private Wohnungen im Kreis: Laut Landrat Dr. Joachim Bläse leben 3200 Menschen aus der Ukraine im Ostalbkreis. Stolz ist er darauf, dass nur 500 Geflüchtete im Moment in Gemeinschaftsunterkünften leben, alle anderen wohnen in den Städten und Gemeinden im Kreis. „Weil Menschen bereit waren, Wohnungen bereitzustellen“, sagt Bläse.

Aalener Hilfe: OB Frederick Brütting hat sich die tagesaktuellen Zahlen für Aalen am Mittwoch geben lassen. 477 Geflüchtete aus der Ukraine leben ihm zufolge im Moment im Stadtgebiet. „Davon 153 Kinder und Jugendliche“, sagt er. „Wir konnten 60 Wohnungen von Privatpersonen anmieten und sie weitergeben an Sie.“ Brütting zählte einige der Angebote für Menschen aus der Ukraine in Aalen auf: das Servicecenter im Rathaus, den Mittagstisch im Bürgerspital, das Begegnungscafé und Sprachkurse. „Das zeigt, wie viele in Aalen mithelfen und anpacken.“

Sprach- und Tanzgruppe: Jürgen Menzel von „act for transformation“ sagt: „Wir waren von Anfang an dabei“. Damit meint er nicht nur die Netzwerktreffen, sondern auch die Teilnahme an Friedenskundgebungen. Neben der psychologischen Hilfe gibt es bei „act for transformation“ auch eine Sprachgruppe mit Kinderbetreuung und eine ukrainische Tanzgruppe. Junge Frauen aus der Gruppe präsentieren an dem Nachmittag zwei ukrainische Lieder.

Willkommen in Aalen: Die Leiterin der Vhs Aalen, Dr. Nicole Deufel, begrüßte die Geflüchteten. Viele kennt sie schon, weil sie Sprachkurse bei der Vhs besuchen. „Schön, dass Sie da sind, auch wenn es aufgrund eines schrecklichen Krieges ist.“

Was noch nicht so gut läuft: Am Ende meldeten sich mehrere Frauen zu Wort. Sie dankten für die Hilfe, die ihnen zuteil wurde. Eine sagte sogar: „Aalen und Oberkochen ist eine zweite Heimat für mich geworden.“ Aber es wurde auch ein Problem angesprochen, das vor allem in der LEA in Ellwangen akut zu sein scheint. Geflüchtete erhalten zwar medizinische Versorgung, müssen dafür aber zuerst einen Antrag stellen und dessen Bearbeitung dauere. Wenn nun jemand schwer krank ist, kann das zum Problem werden. Der Landrat antwortete, dass es wegen der Fülle der Anträge ein Kraftakt sei, sie zu bearbeiten. Aber wenn in einem Fall dringend Hilfe benötigt werde, lasse sich das organisieren. Bläse empfahl, sich an Berthold Weiß, den Leiter der LEA, zu wenden.

Dank des Ministers: Lucha bedankte sich bei allen, die sich in der Ukrainehilfe engagieren. Und an die Geflüchteten gewandt: „Wir können nur erahnen, was sie alles aushalten müssen.“ Ukrainerinnen und Ukrainer kämpften im Moment für die freie Welt. „Es ist unsere vornehmste Aufgabe, Ihnen dabei mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen.“

Wie viele Geflüchtete im Kreis und in Aalen leben

3200 Menschen aus der Ukraine leben im Ostalbkreis. 500 davon in Gemeinschaftsunterkünften. Die Übrigen in Wohnungen, die Privatleute zur Verfügung gestellt haben.

477 Geflüchtete aus der Ukraine leben in Aalen. 153 davon sind Kinder und Jugendliche.

Landrat Dr. Joachim Bläse spricht über das Engagement in der Ukrainehilfe im Ostalbkreis.
Die Leiterin der Vhs Aalen, Dr. Nicole Deufel (links), begrüßt die Gäste.
Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha trägt sich ins goldene Buch der Stadt Aalen ein. An seiner Seite von links: Jutta Funk, Landrat Dr. Joachim Bläse, OB Frederick Brütting und die Gmünder Landtagsabgeordnete-Abgeordnete Martina Häusler.
Minister Manfred Lucha (erste Reihe, Vierter von links) informiert sich im Torhaus über verschiedene Projekte, die in Aalen Geflüchtete aus der Ukraine unterstützen.
Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Dritter von rechts) zu Gast in Aalen.
Jürgen Menzel (Dritter von links) begrüßt die Gäste.

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