Wie Inklusion in Aalener Kitas funktioniert

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Stadt, evangelische und katholische Kirchengemeinde haben ein gemeinsames Konzept entwickelt.

Aalen. Pfarrer Manfred Metzger fasst zusammen, um was es geht: „Kinder so anzunehmen, wie sie sind, sie bestmöglich begleiten und sie nicht zu behindern.“ Bei einem Pressegespräch am Dienstag haben Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung, der evangelischen Kirchengemeinde und katholischen Gesamtkirchengemeinde die neue Rahmenkonzeption für Inklusion in Kitas in Aalen vorgestellt.

Eine Arbeitsgruppe hat sie in zwei Jahren erarbeitet und sie gilt laut Sozialbürgermeister Karl-Heinz Ehrmann trägerübergreifend für 42 von 56 Kitas in Aalen. Einen guten Wert nennt der Bürgermeister das. Am Ende der Fahnenstange sei man aber noch nicht angekommen. In diesen 42 Kitas beraten Heilpädagoginnen und Heilpädagogen die Eltern und pädagogischen Fachkräfte. Hanni Schmidt vom Heilpädagogischen Fachdienst der Stadt erläutert, wie das im Alltag aussieht. Sie arbeite in drei verschiedenen Kitas, sei während der Präsenzzeit vor Ort und berate Erzieherinnen, Erziehern und Eltern. Ihr zufolge geht es um Fragen wie zum Beispiel: Wie entwöhne ich mein Kind vom Schnuller? Oder: Mein Kind kommt in die Schule, wie finde ich den geeigneten Lernort?

Martin Scheider vom Amt für Soziales, Jugend und Familie ergänzt, dass das Thema auch im Unkrainekrieg im Umgang mit Geflüchteten wichtig geworden sei, um „kultursensibel auf die Familien zuzugehen.“ Amtsleiterin Katja Stark sagt, dass das Thema vor ein paar Jahren noch schwarz-weiß diskutiert worden sei, Kinder seien im einen oder im anderen System betreut worden. Nun habe ein Umdenken stattgefunden. „Die Systeme müssen sich öffnen“, sagt Stark. „Und das ist bei uns geschehen.“ Dorothee Bosch, Sachgebietsleiterin Inklusion bei der Stadt nennt das „Kita für alle“. Man sollte ihr zufolge nicht die Behinderung eines Kinds im Blick haben, sondern Kinder als Menschen mit unterschiedlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten wahrnehmen. Außerdem streicht sie hervor, dass das neue Konzept zur Inklusion anschlussfähig an die Konzepte der Kitas sei und dass das Konzept gemeinsam entwickelt worden ist. In der Arbeitsgemeinschaft arbeiten Stadtverwaltung, evangelische Kirchengemeinde und katholische Gesamtkirchengemeinde zusammen.

„Wir alle sagen, das ist unsere Haltung“, sagt Heilpädagoge Frank Kircher von der katholischen Kirchengemeinde zum neuen Konzept. Die Träger haben es auch als Broschüre aufgelegt mit den Logos der Stadt Aalen, der evangelischen Kirchengemeinde und der katholischen Gesamtkirchengemeinde darauf. Darin nachzulesen sind zum Beispiel das Grundverständnis der Heilpädagogik, der Verlauf einer heilpädagogischen Begleitung oder deren Qualitätssicherung.

Laut Pfarrer Wolfgang Sedl-meier gibt es die Begleitung des Heilpädagogischen Fachdienstes bereits seit 1999. Die neue gemeinsame Konzeption nennt er einen Meilenstein. „Der Bereich ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt Sedlmeier. Heilpädagogin Dr. Sandra Palfi-Springer spricht vom Vorbildcharakter, den die Aalener Kitas im Bereich Inklusion für andere Städte und Gemeinden ihr zufolge haben.

Dekan Ralf Drescher sagt: „Es ist immer gut, wenn man sich bei gemeinsamen Aufgaben auf gemeinsame Standards einigt.“ Eine gemeinsame Konzeption gewährleiste außerdem, dass überall das drin ist, was drauf steht. Gleichzeitig gebe es „Spielraum für trägerspezifische Anpassungen“.

Was Inklusion laut Konzept bedeutet

Alle Kinder leben, lernen und spielen gemeinsam. Inklusion nehme keine Unterteilung in Gruppen vor, heißt es im neuen gemeinsamen Konzept der Aalener Kitas. Und weiter: „Voraussetzung für eine gelungene Teilhabe ist es, die Bedürfnisse eines Kindes in der Pflege, Betreuung, Bildung und Erziehung zu erkennen.“ Gelebte Inklusion in Kindertageseinrichtungen erfordere von allen Fachkräften einen Perspektivenwechsel.

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