Wie sich das Zugfahren durch Corona verändert hat

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Kurz vor Schorndorf ist der Zug schön leer. Unter "normalen Umständen" wäre dies im Berufsverkehr von Aalen nach Stuttgart undenkbar.
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Im Berufsverkehr mit dem Zug nach Stuttgart. Ein Selbstversuch von Redakteurin . Was Pendler regelmäßig erleben.

Aalen

Ungewöhnlich leer ist der Bahnsteig 3 am Aalener Bahnhof um 7 Uhr morgens. Es ist ein normaler Werktag. Doch während Corona-Zeiten mit dem Zug im Berufsverkehr nach Stuttgart zu fahren ist aktuell anders. Vor allem auch das eigene Verhalten.

Zuallererst fehlt der obligatorische Coffee-to-Go und die Butterbrezel vom Bäcker. Muss doch die Mund- und Nasenbedeckung im Zug getragen werden. Immerhin wird ja schon auf der Anzeigentafel darauf hingewiesen, dass Mund- und Nasenschutzpflicht gilt. Dabei wird das Frühstücken im Zug schwierig. Und man möchte sich ja nicht die bösen Blicke der anderen Zuggäste einfangen.

Von den am Morgen Fahrgästen in überschaubarer Zahl werden die Masken an diesem Tag pflichtbewusst aufgezogen. Keiner lässt die Nasenspitze rausblitzen oder zeigt sein Kinn. Auch fährt an diesem Morgen kein Kurzzug, wie anfangs der Pandemiezeit. Obwohl eine Stunde früher ein Go-Ahead-Flirt Richtung Stuttgart ausgefallen ist, ist der Zug um 7.05 Uhr nicht voll. Jeder Fahrgast kann problemlos einen Vierersitz für sich allein ergattern.

Und kaum nachdem der Zug losrollt, begrüßt der Lokführer die Reisenden und weist auf die Maskenpflicht hin. Zusätzlich der Hinweis, dass die Türen an den Haltestellen automatisch geöffnet werden und Fahrgäste die Türöffner nicht berühren müssen. Ungewöhnlich ist die Stille im Zug. Kaum jemand unterhält sich. Und wenn doch, sind es Menschen, die tatsächlich viel Abstand zueinander haben. Von der einen Sitzecke in die Sitzecke über den Gang.

Auch an Haltestellen wie Schwäbisch Gmünd und Schorndorf, an denen meist viele Menschen einsteigen, ist die Gruppe überschaubar. Und jeder, der einsteigt, hat die Maske auf. Einzige Ausnahme an diesem Morgen: Eine junge Dame, die vor dem Aussteigen ihr Halstuch nicht über dem Gesicht trägt. Vielleicht, weil sie in dem Moment das Telefon nutzt oder weil sie allein vor der Tür steht. Sobald weitere Menschen aussteigen, zieht sie jedoch den Schutz über die Nase. Denn wenn die Fahrgäste sich zum Aussteigen bereit machen, sind anderthalb Meter Abstand schwierig, denn alle sammeln sich vor der Tür. Das Einzige, das dann an eine normale Zugfahrt erinnert, ist die kleine Verspätung am Zielbahnhof.

Es ist unverantwortlich, den Mund- und Nasenschutz nicht richtig zu tragen.

Kerstin Fuchs Redakteurin und Pendlerin

Trotz des musterhaften Morgens gibt es aber auch Menschen, die ihre Masken im Zug nicht richtig tragen. Bilder, die Redakteurin Kerstin Fuchs und eine SchwäPo-Leserin öfter sehen. Beide fahren regelmäßig mit dem Zug. "Es gibt einige, die den Schutz unter der Nase tragen, unters Kinn klemmen und mit dem Nachbarn reden und lachen oder etwas trinken und essen", schreibt die SchwäPo-Leserin.

Dasselbe beobachtet auch Kerstin Fuchs. "Es ist unverantwortlich, dass einige Menschen den Mund- und Nasenschutz nicht richtig tragen. Dabei besagt ja schon der Begriff, wo diese Maske zu tragen ist. Über Mund und Nase." Ist es die Unwissenheit darüber, wie man die Maske tragen soll oder machen es die Menschen mutwillig?

Mitreisende auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen bringe nicht viel, sagen die Pendlerinnen. "Meistens wird man nur blöd angeblafft", so die SchwäPo-Leserin. Auch Kerstin Fuchs meidet die Konfrontation. "Das kann gefährlich werden. Immer wieder gibt es Meldungen, dass Menschen ausrasten, wenn man sie auf das Tragen der Maske hinweist."

Zugfahrten zu meiden ist für Kerstin Fuchs aber nicht möglich. Daher fährt sie mit mulmigem Gefühl weiter und hofft, dass es bei den wenigen Ausnahmen, die ihren Mundschutz nicht tragen, bleibt.

Wie man den Schutz richtig trägt

Aalen. Der Vorstandsvorsitzende der Kliniken Ostalb, Prof. Ulrich Solzbach, erklärt, wieso Mund- und Nasenschutz wichtig ist. Und wie man ihn richtig trägt.

Wieso ist es wichtig, eine Maske zu tragen?

Dr. Ulrich Solzbach: Mit dem Tragen einer "Alltagsmaske" schützt man sein Umfeld vor einer möglichen Tröpfchenübertragung. Je mehr Personen eine Maske tragen, desto mehr sind sie und ist auch man selbst geschützt. Wenn man von einem Mitmenschen jedoch direkt angehustet oder angeniest wird, können Alltagsmasken zwar einen Großteil der Tröpfchen abfangen, hundertprozentigen Schutz bieten sie aber nicht. Deshalb ist es wichtig, trotzdem noch den Mindestabstand einzuhalten und die Kontaktzeit so kurz wie möglich zu halten.

Wie wird die Maske richtig getragen?

Der Mundschutz sollte Nase und Mund bedecken. Brillenträger sollten die Brille über dem Mundschutz tragen. Wenn möglich, sollte wenig bis keine Luft nach oben entweichen. Die Innen- und Außenseite der gebrauchten Masken sollte man nicht berühren, da sie potenziell erregerhaltig sein kann.

Wieso ist es wichtig, auch im Zug Maske zu tragen?

Eine "Alltagsmaske" sollte grundsätzlich überall dort getragen werden, wo es zu Kontakten kommt, bei denen die Distanzregeln nicht eingehalten werden können. Deshalb ist es umso wichtiger, sich gegenseitig zu schützen. Hilfreich ist es, wo immer möglich, häufig und regelmäßig zu lüften.

Ulrich Solzbach

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