Wie sich mit lokaler Geschichte Geld verdienen lässt

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Dr. Rainer Lächele

Der Aalener Firmenhistoriker Dr. Rainer Lächele spricht beim Geschichtsverein Aalen über seine Berufung. Von Erwin Hafner

Aalen. Wie kann ein studierter Historiker, der keine Anstellung in einem Archiv oder Museum findet, seinen Lebensunterhalt bestreiten? Und lässt sich mit Geschichte Geld verdienen? Wie geht das dann? Diese Fragen stellten sich vor 20 Jahren dem in Aalen aufgewachsenen Dr. Rainer Lächele.

Studierter Historiker

Wie dies doch geht, darüber sprach der heute 60-Jährige studierte Historiker in einem mit Fotos ergänzten aufschlussreichen und imponierenden Vortrag beim Geschichtsverein Aalen. Lächele fand einen Weg als freiberuflicher Firmenhistoriker, der zu einem ungeahnten Erfolg wurde. Angefangen hat sein Vorhaben als „Dienstleister, den zunächst keiner kannte“ im Keller und Dachgeschoss des eigenen Hauses, „meist mit einem Haufen Papier“. Eines Tages erforschte er die Industriegeschichte der früheren Ostertag-Werke, mit deren Gründer Lächele verwandt ist. Hier fand er in einem bis an die Decke mit Papier und Gerümpel gefüllten Raum wichtige Quellen der Aalener Industriegeschichte. Später im Keller einer Sparkasse sogar deren Gründungsurkunde.

Eine wichtige Voraussetzung bei diesen Forschungen sei: „Man muss bei diesem Wühlen durch den Staub von Jahrhunderten alte Handschriften lesen können.“ Vor allem für jüngere Leute sei das eine nicht einfache Aufgabe.

Das aktuelle Großprojekt

Dr. Lächele beschrieb in seinem Vortrag anhand interessanter Beispiele die einzelnen Aspekte seiner Arbeit. Dazu zählt der Archivaufbau bei Unternehmen, denen klar geworden ist, wie wichtig ein geordnetes Archiv für ihre Außendarstellung und für ihren Geschäftserfolg ist. Auch bei Messen, Ausstellungen und Firmenmuseen wird er mit seinem Team tätig, unter dem Motto „Zukunft braucht Herkunft“.

Dr. Lächele hat so im Laufe zweier Jahrzehnte ein Dienstleiterunternehmen mit Kunden aus dem ganzen Lande aufgebaut. Das jüngste Großprojekt: das Museum der Walter AG in Tübingen. 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen, die Zukunft der Firma zu sichern. Denn inzwischen haben auch andere diesen Geschäftszweig für sich entdeckt und erkannt: Mit Geschichte lässt sich Geld verdienen.

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