Wie Wohnen in Aalen bezahlbar bleibt

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Galgenberg Ost, Rötenberg, Stadtoval und noch mehr: Wohnquartiere in Aalen entstehen neu oder verändern sich. Archivfotos: opo, hag, dat/jad; Merz; ©Pixel-Shot - stock.adobe.com /Grafik: ca
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Wo weiterer Wohnraum – vor allem bezahlbarer Wohnraum – entstehen kann. Diese Ideen haben die Fraktionen im Gemeinderat.

Aalen. Wohnen ist in Aalen teuer. 750 Euro kalt kann laut qualifiziertem Mietspiegel eine 80 Quadratmeter große Wohnung in der Kernstadt kosten, in einem Gebäude, das bis 1977 gebaut, nach 2010 modernisiert wurde und über eine Einbauküche verfügt. Wer 80 Quadratmeter in einem Neubauprojekt der städtischen Wohnungsbau auf dem Stadtoval oder am Rötenberg kaufen will, bezahlt etwa 330 000 Euro. Unerreichbar scheint beides für eine Alleinerziehende oder einen Alleinerziehenden. Trotz Corona-Krise rechnen Experten damit, dass die Miet- und Kaufpreise weiter anziehen, wenn auch nicht mehr so stark wie die vergangenen Jahre. Die Fraktionssprecherinnen und -sprecher antworten auf die Frage:

Wo kann weiterer Wohnraum entstehen? Wie kann bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden?

Thomas Wagenblast (CDU):

Wir wollen mehr Wohnraum schaffen: durch passende Angebote für alle Generationen und Bedürfnisse in der Kernstadt und den Teilorten. Dafür steht das Baugebiet Galgenberg-Ost, wo wir mit Blick auf Reihenhäuser und ökologischen Ausgleich stark nachgebessert haben. Wichtig ist Innenentwicklung: die Nutzung vorhandener Flächenpotenziale und die Förderung des Generationsübergangs in den Wohnquartieren. Hier sind wir Erstem Bürgermeister Steidle für seine Initiativen dankbar. Auch in den Teilorten braucht es das richtige Maß an Bauland: ökologisch abgewogen, wirtschaftlich und sozial verantwortlich. Für bezahlbaren Wohnraum haben wir als CDU die 25-Prozent-Quote für geförderten Wohnraum unterstützt, damit Wohnen kein Luxusgut wird. Dazu stehen wir. Zudem möchten wir die Chancen unserer städtischen Wohnungsbaugesellschaft nutzen, die die Hälfte des Angebots an gefördertem Wohnraum stellt.

Michael Fleischer (Grüne):

Wir möchten zentrumsnah in der Stadt und den Teilorten weiteren Wohnraum durch Konversion von Flächen – zum Beispiel Union-Gelände bis zur Julius-Bausch-Straße, Hallenbad, Gaskesselgelände – Schließung von Baulücken und Überbauung von Parkplätzen und eingeschossigen Verkaufsmärkten schaffen. Ferner den Generationenwechsel in Bestandsgebieten durch interessante Angebote für ältere Menschen unterstützen. Und ein Programm "Zimmer gegen Hilfeleistungen" könnte Studenten und älteren Mitbürgern gleichermaßen helfen. Wir müssen den weiteren Landschaftsfraß einerseits und dadurch verursachte Leerstände und Verfall im Bestand andererseits vermeiden. Nachdem leider in Folge von Corona die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinanderklaffen wird, müssen wir dringend den sozialen Wohnungsbau forcieren. Da können wir gleich das Geld aus einem unnötigen Steg für ein Sofortprogramm einsetzen.

Hermann Schludi (SPD):

Mit der Aalener Wohnungsbau haben wir in unserer Stadt die Chance durch ein kommunales Wohnungsunternehmen den steigenden Mieten und dem Wohnungsmangel begegnen zu können. Im Zusammenspiel mit ihr muss die Stadt auch in Zukunft Flächen zur Schaffung von sozialem und barrierefreien Wohnraum anbieten. Auch müssen Leerstände eingedämmt und die Innenentwicklung vorangetrieben werden. Für uns als SPD ist klar, dass der Anteil preisgebundener Mietwohnungen weiter steigen muss. Zudem gilt es, innovative Projekte zu fördern. Dabei müssen neben den sozialen Aspekten auch unbedingt die ökologischen Aspekte mitgedacht werden. Beispielhaft für die zukünftige Schaffung von Wohnraum könnte Galgenberg-Ost mit seiner sozialen, ökologischen und digitalen Ausrichtung sein.

Thomas Rühl (Freie Wähler):

Es steht die Frage im Raum, was bezahlbarer Wohnraum ist. Was für den Einen bezahlbar ist, kann für den Anderen unerschwinglich sein. Auch die Vorstellungen die Qualität und den Komfort des Wohnraums betreffend sind sehr individuell geprägt. Die Stadt Aalen und die Wohnungsbau Aalen gehen mit dem "Aalener Modell" voran, das mit Einkommensrichtlinien einen Rahmen vorgibt und auch den Lebensumständen wie Kinderzahl und Familienstand Rechnung trägt und in dem bei bestimmten größeren Bauvorhaben 25 Prozent geförderter beziehungsweise sozialer Wohnraum entstehen muss. Solche Bauvorhaben können in den nächsten Jahren auf den ausgewiesenen Potenzialflächen des neuen Flächennutzungsplans entstehen. Dieser weist derzeit 79 Hektar Wohnbaufläche auf Aalener Gemarkung aus und rechnet man die sogenannten ausgewiesenen Mischgebiete hinzu, sind es sogar 86,5 Hektar für den Wohnungsbau.

Norbert Rehm (FDI):

Rentschlers Offensive ist gescheitert. Viele Jahre hat er den Verkauf aller Wohnungen an die Wohnungsbau nicht abgerechnet. In Deutschland sind circa drei Prozent der Wohnungen Sozialwohnungen, in Aalen kaum 1,5 Prozent. Die Wohnungsbau muss laut Vertrag "vorrangig eine sozial verantwortliche Wohnungsversorgung für breite Schichten der Bevölkerung sicherstellen". Aber: Nur circa 20 Prozent des Bestandes sind Sozialwohnungen. Ein Vertragsverstoß. Die Gesellschaft hat für zehn Millionen eine Kapitalanlage gekauft. Unmöglich. Lösung: Alle Kapitalanlagen – auch das WiZ – verkaufen, mit den Gewinnrücklagen und Fördergeldern des Bundes nur Sozialwohnungen bauen. Überall. Nach den Wahlen 2021 muss der neu gewählte OB das Thema sofort zur Chefsache machen. Subventionsverstöße sind Sache der staatlichen Behörden. Schnelle Lösung: Anmietung und Weitervermietung an Kinderreiche, Alleinerziehende und so weiter.

Dr. Frank Gläser (AfD):

In Zeiten steigender Mieten und Baupreise und noch immer massiver Zuwanderung ist bezahlbarer Wohnraum ein zentrales soziales Thema. Bei der Verteilung ist darauf zu achten, dass deutsche Bürger zumindest nicht benachteiligt werden. Es gibt seit 2016 ein "Aalener Modell zur Wohnraumförderung" und es existieren zahlreiche laufende und geplante Bauprojekte, von denen rund 50 Prozent als geförderte Mietwohnungen gebaut werden beziehungsweise geplant sind. Wir leiden an einem durch die Coronakrise akzentuierten wirtschaftlichen Abschwung. Unsere Kernindustrie wird ideologisch demontiert, wir leisten uns eine im Weltmaßstab effektlose teure Energiewende und subventionieren via Europäische Union die reformunwilligen Nachbarländer. Bleibt die bange Frage, wie lange unser Sozialsystem bezahlbar bleibt.

Christa Klink (Linke):

In Aalen entsteht neuer Wohnraum, aber er wird für Menschen mit kleinem und mittleren Einkommen immer teurer. Durch die Corona-Krise haben viele noch weniger Geld zum Ausgeben. Neubau ist nicht alles, wir brauchen vielmehr eine Wohnungspolitik, die eingreift, wo der Markt zu unsozialen Ergebnissen führt, zum Beispiel weil Wohnimmobilien zunehmend als Geldanlage und Spekulationsobjekte genutzt werden. Politik muss mehr Fördermittel von Bund und Land zur Verfügung stellen, für genügend, auch barrierefreie Wohnungen. Statt hauptsächlich private Investoren zu fördern, müssen mehr Sozialwohnungen gebaut werden und sie müssen dauerhaft gebunden bleiben. Wir brauchen, auch in Aalen, mehr sozialen, gemeinnützigen Wohnungsbau. Die bisherigen Maßnahmen, wie das Aalener Modell, reichen nicht aus, die Stadt muss eine Offensive für bezahlbare Wohnungen starten. Wir werden dazu erneut einen Antrag stellen.

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