Winterdienst: der Bauhof eiskalt im Einsatz

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Kleinräumfahrzeug im Einsatz: Winterdienst im Aalener Stadtgebiet.
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Der Winter gibt seinen Einstand. Diese Woche mussten die Bauhofmitarbeiter jede Nacht raus zum Schnee- und Räumdienst. Was sich gegenüber früher verändert hat.

Aalen Nachts um drei liegt Aalen im Tiefschlaf. Nicht ganz: Der Streckenwart des Bauhofs sitzt zu dieser Stunde im Auto und spürt dem Winter nach. Konkret: den Auswirkungen des Wetters auf die Straßen, Rad- und Gehwege im Stadtgebiet. Je nach Temperatur, Feuchtigkeit und Niederschlag entscheidet er, ob der Bauhof raus muss zum Räumen und Streuen. "Diese Woche hat es uns richtig erwischt", bilanziert Bauhofleiter Georg Fürst. Temperaturen um null Grad und viel Feuchtigkeit brachten jede Nacht Glatteis. Fürst: "Ein ganz guter Einstand für den Winter, aber es war beherrschbar. Es hat zwar geschneit, aber nicht viel, und wir hatten genug Zeit, um in den Nebenstraßen nachzukommen."

Um 3.30 Uhr beginnt üblicherweise die erste Schicht für die Fahrer der Räumfahrzeuge. Wann, wo und wie lange geräumt, was und wie viel gestreut wird - der eiskalte Einsatz ist genau kalkuliert. Ein Überblick:

7 Uhr: Bis dahin müssen werktags alle gefährlichen und vielbefahrenen Straßen geräumt und gestreut sein. Sonn- und feiertags reicht 8 Uhr.

3 Stufen-System: Sämtliche Straßen in Aalen, inklusive Teilorte, sind für den Winterdienst in drei Kategorien unterteilt, die die Priorität beim Räumen und Streuen abbilden. Stufe bzw Priorität 1: Hauptverkehrsstraßen und Buslinien. Stufe 2: Hauptzubringerstraßen in Siedlungen, Gemeindeverbindungsstraßen, gefährliche Steilstrecken wie beispielsweise die Steigen. Stufe drei: Straßen in Wohngebieten.

70 Mann sind insgesamt im Bauhof im Winterdienst im Einsatz. Gearbeitet wird in zwei Schichten: von 3.30 Uhr bis 13 Uhr und von 12.30 bis 22 Uhr.

13 Räumfahrzeuge sind allein auf Hauptverkehrsstraßen und Buslinien im Einsatz, davon drei im "inneren" Stadtgebiet.

7 Kleinräumfahrzeuge und 13 sogenannte Handräumkolonnen sind in Aalen unterwegs. Sie befreien zum Beispiel Zebrastreifen, Radwege, Wege, an denen die Stadt selber Anlieger ist - uner anderem an Kinderspielplätzen - sowie öffentliche Plätze wie den ZOB oder den Bahnhofsvorplatz von Schnee und Eis. Verwendet wird dabei Lavagranulat, das sich im Gegensatz zu Splitt nicht im Kanalsystem ablagert, außerdem auf Grünflächen als Dünger wirkt und nicht entsorgt werden muss.

1500 Tonnen Streusalz verbraucht der Bauhof insgesamt für gewöhnlich in einem Winter. Die ersten 800 Tonnen sind zu Saisonbeginn im Silo eingelagert, was darüber hinaus gebraucht wird, wird nachbestellt. Bauhofleiter Georg Fürst: "Wenn es mal tagelang hintereinander schneit, dann verbrauchen wir am Tag schon so um die 80 Tonnen."

40000 Tonnen Salzlauge benötigt der Bauhof in einem durchschnittlichen Winter. Mit der Lauge wird das grobkörnige Streusalz im Verhältnis 70 (Salz) zu 30 angefeuchtet und vom Räumfahrzeug mithilfe einer speziellen Technologie auf die Straße gebracht. Laut Georg Fürst haftet das Salz damit besser auf der Straße und wirkt schneller und effektiver. Mit der neuen Technologie sei es gelungen, den Streusalzeinsatz von früher 40 bis 50 Gramm je Quadratmeter auf heute 15 bis 20 Gramm zu verringern.

1800 Meter Schneefangzäune sowie 305 Streuboxen stellen die Mitarbeiter des Bauhofs jedes Jahr rechtzeitig vor dem Winter an exponierten Stellen auf.

2,7 Millionen Euro - mit dieser Summe schlagen Straßenreinigung und Winterdienst insgesamt im städtischen Haushalt zu Buche.

Spürt der Bauhof den Klimawandel, nehmen die Streu- und Räumdienste ab? "Wir merken noch keinen großen Unterschied zu früher", sagt Georg Fürst, der den Bauhof seit 1997 leitet. Gefühlt sei der vergangene Winter zwar mild gewesen, weil es wenig schneite, aber die Bauhofmitarbeiter mussten trotzdem raus. "70 Prozent unserer Einsätze sind Glättebekämpfung." Da macht es wenig Unterschied, ob es null oder ein Grad hat."

Bitte des Bauhofs: jeden Winter aufs Neue kämpft der Bauhof beim Schneeräumen mit zugeparkten Anliegerstraßen. Bauhofleiter Fürst bittet, wenn möglich, genügend Platz für die Räumfahrzeuge zu lassen. "Wir brauchen 3,50 Meter, um durchzukommen."

Diese Woche hat es uns richtig erwischt.

Leiter Bauhof
Mit einer speziellen Technologie wird ein Salz-Lauge-Gemisch ausgebracht.
Winterdienst im Aalener Stadtgebiet.

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