Winterschlussverkauf bei vollen Regalen - Aalener Händler fordern Aufhebung der 2-G-Regel

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Spätestens ab Montag purzeln wieder die Rabatte in den Aalener Geschäften - der Winterschlussverkauf beginnt.
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Am kommenden Montag läutet Aalen den Schlussverkauf ein. Warum sich die Schnäppchenjagd diesmal ganz besonders lohnt.

Aalen

Schnäppchenjägerzeit: Viele Aalener Geschäfte haben bereits ihre Schaufenster mit großen „Sale“-Schildern plakatiert. Am Montag, 24. Januar, läutet die Kocherstadt den Winterschlussverkauf ein. Mindestens drei Wochen lang finden die Kunden dann reduzierte Angebote mit Rabatten von bis zu 80 Prozent.

Was diesmal anders ist: Weniger alte Lagerbestände, sondern vielmehr aktuelle Wintersaisonware wird zu Schnäppchenpreisen angepriesen. Denn: „Die Regale sind noch voll“, weiß Citymanager Reinhard Skusa. Die Ursache sieht er in der 2-G-Regelung des Landes für den Einzelhandel, die seit Ende November gilt. „Diese Verordnung hat unseren Händlern das gesamte Dezember- und Januargeschäft verhagelt.“

Die Kundenfrequenz sei in diesen Monaten extrem eingebrochen. „Durch die Verordnung dürfen 30 Prozent unserer Kunden nicht ins Geschäft“, rechnet Uli Riegel von Dr. Fashion vor. Das bedeute 30 Prozent weniger Frequenz. Hinzu komme die Verunsicherung: Durch die sich stetig ändernden Verordnungen seien viele Kunden übervorsichtig geworden und blieben von sich aus weg. „Dabei ist Einkaufen in der Aalener Innenstadt so sicher wie nie“, sagt Tobias Funk von Mode Funk, der gleichzeitig betont, dass der Handel kein Treiber der Pandemie ist. „In den Geschäften wird 2G kontrolliert und es besteht FFP2-Maskenpflicht.“

Im Unterschied zu den Vorjahren indes wird der Kunde bei diesem Winterschlussverkauf bei einigen Geschäften kaum mehr auf ältere Vorsaisonware stoßen. „Dank der Überbrückungshilfen der Regierung war es uns möglich, Überhänge des Lagerbestands an das DRK zu spenden“, berichtet Tobias Funk. Zudem habe man die Entwicklung beobachtet und daher frühzeitig im November die Nachorder zurückgefahren. „Aber dass es so extrem kommt und ein Dezember- und Januargeschäft kaum stattfindet, hatten wir nicht erwartet.“ Deshalb gebe es bei Mode Funk ab Montag auf das gesamte Wintersortiment Rabatte von bis zu 50 Prozent. „Und für Rabattjäger sind wir bereits am kommenden Samstag am Start“, fügt Funk mit einem Augenzwinkern hinzu.

Rabatte bis zu 80 Prozent

Freilich nicht jedes Geschäft hat seinen Warenüberhang gespendet. So etwa Dr. Fashion. „Wir haben die während der Lockdowns unverkaufte Ware behalten und sie teils unter die aktuelle Warenpräsentation im Laden gemischt“, sagt Uli Riegel, der sich gerade zusätzlich mit einer Sondersituation konfrontiert sieht. Aufgrund eines alten Wasserschadens muss der Boden seiner kompletten Ladenfläche erneuert werden. Riegel: „Deshalb machen wir einen Räumungsverkauf mit extremen Rabatten mit bis zu 80 Prozent, die wir so noch niemals geben konnten.“

2-G-Regel aufheben

„Was in Bayern geht, muss auch für Baden-Württemberg gelten“, bemerken sinngemäß die Aalener Händler. Hintergrund: Am Mittwoch hatte die Bayerische Staatsregierung entschieden, die 2G-Regel (geimpft oder genesen) für den Einzelhandel umgehend aufzuheben. Der Handelsverband Baden-Württemberg (HBW) fordert, diesem Beispiel zu folgen und auch im baden-württembergischen Einzelhandel die 2-G-Regel umgehend aufzuheben. „Der Handel war und ist kein Treiber der Pandemie, daher ist die 2G-Regelung im Einzelhandel unverhältnismäßig und geschäftsschädigend“, schreibt der HBW.

„Aktuell befindet sich die Aalener Innenstadt in Schockstarre. Die Verunsicherung der Kunden ist groß. „Die Situation ist untragbar. Wir haben schon extrem Vertrauen in die Entscheider, in die Regierung verloren“, so Tobias Funk, Geschäftsführer von Mode Funk. Er fordert Landeschef Winfried Kretschmann auf, endlich nicht mehr die Inzidenzen, sondern die Auslastung der Intensivbetten als Maßgabe für weitere Entscheidungen zu nehmen. 

Zum Verständnis: Die Landesregierung hatte die Regeln für die „Alarmstufe II“ wegen Omikron zuletzt eingefroren, obwohl die Zahl der belegten Intensivbetten zurückgeht. 

Laut Funk kann man gegen die Verordnung jeweils nur Eilanträge in schriftlicher Form stellen. Mit anwaltlicher Beratung koste das zwischen 5000 und 10 000 Euro. Das könne sich nicht jeder leisten. 

Bereits Ende 2021 hatte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof eine Entscheidung getroffen, wonach in Bayern Bekleidungsgeschäfte auch wieder Kunden einlassen dürfen, die kein Impf- oder Genesenen-Zertifikat vorweisen können. Die Begründung: Bekleidungsgeschäfte dienen wie Buchhandlungen oder Blumenläden der „Deckung des täglichen Bedarfs“ und unterliegen nicht der 2G-Regel. Und Baden-Württemberg?

Wie Zeit online berichtet, teilte das Staatsministerium am Donnerstag mit: „Einen Eilantrag hat der Verwaltungsgerichtshof erst am 12. Januar erneut zurückgewiesen und unsere Vorgaben für die 2-G-Regel insofern bestätigt.“ 

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