Wo man den Bierkrug vollradeln kann

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Johannes Widmann vom Ellwanger Blumenhaus Widmann hat sich eine witzige Idee für den Storchenplatz einfallen lassen. Fotos: hag
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Johannes Widmann vom Blumenhaus Widmann in Ellwangen kann nicht nur Blumen. Auf dem Storchenplatz zeigt er auch seinen Sinn für witzige Handwerkskunst.

Aalen

Das „Einrad-Verfolgungsrennen“ auf dem Storchenplatz hat Johannes Widmann leider verloren. Schon zwei Wochen nach der Eröffnung der diesjährigen ACA-Sommeraktion Aalen City blüht abgefahren wurde das von ihm selbst zusammengeschweißte Einrad-Karussell Opfer von Vandalismus. „Alles war dermaßen verbogen, dass ein Wiederaufbau nicht mehr möglich war“, sagt der 50-jährige Inhaber des Blumenhauses Widmann in Ellwangen.

Keine große Freude für ihn, aber auch kein großer Verdruss. Er, der zum dritten Mal in der Reihe Aalen City blüht den Storchenplatz bespielt, freut sich vielmehr an den prächtigen Blumen und Blüten, die immer noch so prall und frisch wirken, als wären sie gerade erst von ihm in die Erde gesetzt worden. „Die Pflege macht der Musikverein Unterkochen richtig toll, es war in der langen Trockenphase dieses Sommers alles immer top gewässert“, lobt Widmann den ehrenamtlichen Einsatz.

Aufwendig, aber schön

Etwa alle eineinhalb Wochen fährt Widmann von Ellwangen nach Aalen, um auf dem etwas versteckten Platz Verblühtes auszuzupfen oder hier und da Verwelktes mit einer neuen Begonie, einer frischen Geranie oder einem Husarenköpfchen zu ersetzen. „Die ACA-Sommeraktion ist zwar aufwendig, aber ich bin sehr gern dabei“, sagt der Ellwanger Gärtner.

Heute helfen ihm sein Sohn Fidelis (13) und sein Neffe Emil (20). „Wie die meisten Gärtnereibetriebe sind wir personell so schlecht aufgestellt, dass bei solchen Aktionen auch immer die Familie ran muss.“

Emil hockt auf den Knien vor einem geöffneten Hydrantendeckel und schließt einen Wasserschlauch an. Zuvor hat er die nostalgische Zinkbadewanne mitten im Blumenbeet gewienert. Jetzt will er sie mit frischem Wasser füllen, damit das „Radler-Brünnele“ wieder plätschern kann.

Witzige Handwerkskunst

Das tut es aber nur, wenn einer kräftig in die Pedale des ausgedienten Damenfahrrads tritt, das auf einem Rollentrainer inmitten von roten Geranien und Eisbegonien fixiert ist. „Wasser marsch!“, feuert Fidelis seinen Vater an. Dessen Füße fangen an zu kurbeln und schon wenig später setzt sich der Wasserkreislauf in Gang: Über einen Schlauch in der Badewanne wird Wasser ab- und hochgepumpt in ein kleines Bierfass. Von dort rinnt es in einen Bierkrug, der sich wiederum in die Wanne ergießt.

Den kniffligen Wasserkreislauf unter dem Motto „Radel das Bierglas voll“ hat sich Johannes Widmann selbst ausgedacht. „Man muss sich ja schon immer wieder was Neues einfallen lassen“, sagt er, als er absteigt und sein rechtes Bein über den „Gepäckträger“ - eine Bierkiste voller Begonien schwingt. Man merkt sofort: Widmann kann nicht nur Blumen, sondern hat auch kreativen Sinn für witzige Handwerkskunst.

Beruhigendes Plätzchen

Das beruhigende Plätschern des „Radler-Brunnens“ verwandelt den Storchenplatz in eine Oase der Stille. Bienen summen die violetten bis pinkfarbenen Dahlien an und entscheiden sich schließlich für die gelben Husarenköpfchen. Kriechende Bodendeckerrosen recken ihre kleinen rosa Gesichter in die Sonne, darüber flüstern die langen Blätter des Neuseeländischen Flachs (im Fachjargon: Phormium) leise im Wind.

Was für ein Glück, dass dieses Beet nicht wie die anderen der diesjährigen Aalen City blüht-Aktion schon am kommenden Montag abgebaut wird. Sondern über die Reichsstädter Tage vom 9. bis 11. September dem Weindorf der Malteser als malerische Kulisse dienen darf.

Agapanthus (Schmucklilie) ist eine dankbare Pflanze

Die Schmucklilie ist recht pflegeleicht, vor allem im Winter. Den gesamten Sommer blüht sie entweder in himmelblauen oder schneeweißen Kugeln. Wer die Pracht verdoppeln möchte, kann die Pflanze einfach teilen.

Frostfrei, aber kühl: „Die Pflanze ist nicht winterhart, sondern muss in einem Innenraum überwintert werden“, weiß Johannes Widmann. Garage oder Keller bieten sich an. Ideal seien Temperaturen zwischen null und fünf Grad Celsius. Bei höheren Temperaturen komme die Schmucklilie nicht zur Ruhe und setze kaum Blüten fürs nächste Jahr an.

Das Winterquartier könne ruhig dunkel sein. Optimal aber sei ein helles Treppenhaus oder ein „gerade so frostfrei“ gehaltenes Gewächshaus.

Gießen: Im Frühjahr wird stark gegossen, im Sommer nur mäßig, im Herbst wenig und im Winter gar nicht - „höchstens alle sechs Wochen“.

Übrigens:Je enger die Schmucklilie im Topf sitzt, umso mehr blüht sie.

Leuchtende Farben und starke Kontraste.
Aalen City blüht abgefahren: leuchtende Farben und starke Kontraste auf dem Storchenplatz.
Reizende Bodendecker-Röschen.
Eisbegonien und gelbe Husarenköpfchen.
Eine Trauerbirke wirft ihren Schatten auf den "Radler-Brunnen"
Eisbegonien und gelbe Husarenköpfchen.
Phormium oder Neuseeländischer Flachs
Die Angelonia oder "Engelsgesicht".
Die Nemesia oder "Elfenspiegel"
Fidelis (13) befüllt die Zinkbadewanne mit frischem Wasser.
Des Gärtners Lieblingsblüher: der Ochsenklee.
Leuchtende Farben, starke Kontraste
Leuchtende Farben, starke Kontraste
Aalen City blüht abgefahren: leuchtende Farben und starke Kontraste auf dem Storchenplatz.

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