Wo Pfarrer Sedlmeier im Plastikgewand Trost spendet

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Pfarrer Wolfgang Sedlmeier beim Trauergespräch. Für den Seelsorger hat sich mit der Pandemie manches verändert. Doch der 63-jährige Theologe begreift sie nicht nur als Nachteil, sondern sieht auch Chancen.
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Der leitende Pfarrer der Aalener katholischen Gesamtkirchengemeinde erzählt von seinem Alltag als Seelsorger.

Aalen

Pfarrer Wolfgang Sedlmeier sitzt im kleinen Besprechungsraum im zentralen Pfarrbüro der Kirchengemeinde. Eine brennende Kerze steht auf dem kleinen Tisch vor ihm. Er ist in einem Trauergespräch. Die obligatorische Maske trägt er ebenso wie sein Gegenüber. "Die Maske und die AHA-Regeln machen den Unterschied zu den Gesprächen seit Corona", erklärt der Seelsorger die Situation. Der persönliche Kontakt zu den Angehörigen von Verstorbenen sei ihm wichtig. "Bisher hatte ich nur zwei Trauergespräche per Telefon", berichtet der katholische Pfarrer. Es seien die Trauerfamilien, die ihre Wünsche äußern könnten. "Da gebe ich nichts vor", betont Sedlmeier, der viel Wert auf Empathie auch bei der Seelsorge im Trauerfall legt.

So besucht er die Angehörigen zuhause oder trifft sich mit ihnen eben in jenem freundlichen Raum im Pfarrbüro bei der Salvatorkirche. Häufig spreche er nur mit ein oder zwei Familienangehörigen, etwa dem Ehepartner oder den Kindern. "In seltenen Fällen treffe ich vier oder fünf Personen, die beim Trauergespräch dabei sind." Dann müsse, Corona wegen, das Treffen auf jeden Fall in einem größeren Raum stattfinden. Inhaltlich habe sich wenig verändert. Es gehe immer dabei um den Glauben und Trost. "Und wir beten gemeinsam", sagt der 63-jährige Seelsorger.

Groß seien die Veränderungen allerdings bei den Beerdigungen selbst. Zu Beginn der Pandemie im vergangenen Jahr habe man nur in ganz kleinem Kreis – mit maximal zehn Personen – die Verstorbenen zu Grabe tragen dürfen. Der Priester erinnert an Beerdigungen, bei denen nicht alle Kinder und Enkel hätten dabei sein können. Und auch traurige Geschichten von sterbenden Coronakranken erzählt Sedlmeier.

Als die Familie eines Sterbenden ihn ins Krankenhaus gerufen hatte, zur Krankensalbung, habe man ihn nicht am Krankenhauseingang hinein gelassen. "Den Umgang damit musste ich erst lernen", sagt der 63-Jährige. Wie mit vielem mehr: etwa die Krankensalbung mit Plastikhandschuhen und zwei Schutzmasken übereinander oder die Seelsorge, ohne die Hand des Gegenübers zu halten. Zeitweise habe er sich wie ein Marsmensch gefühlt.

Bisher hatte ich nur zwei Trauergespräche per Telefon.

Wolfgang Sedlmeier Pfarrer

"Wir habe mit Hygienekonzepten reagiert", sagt Sedlmeier. Und mit neuen Formen von Gottesdiensten – virtuell und in Präsenz. Man könne wieder gestalten. "Wir sind bei Weitem nicht so betroffen wie die Kulturschaffenden, aber das geistliche Leben hat sich verändert", sagt er. Die Älteren kämen weiterhin regelmäßig in die Kirche. Wer ein größeres Sicherheitsbedürfnis habe, komme eher unter der Woche. Doch um die Jugend und die jungen Familien mache er sich Sorgen. Die Individualisierung schreite voran. Virtuelle Veranstaltungen seien kein Ersatz für ein Erlebnis in der Gemeinde. Sedlmeier zitiert einen Satz von Jesus, den dieser im Matthäus-Evangelium seinen Jüngern sagt: "Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Diese Dimension der Gotteserfahrung, in der man als Glaubensgemeinschaft zusammenkomme, fehle seit der Pandemie.

Der leitende Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde beschreibt weitere Änderungen seit März 2020. Etwa bei den Feiern zu Erstkommunion, die nicht wie gewohnt gemeinsam und nur in kleinem Rahmen gefeiert werden können. Von den Veränderungen betroffen sind auch die Taufen. "Wir taufen die Kinder jetzt einzeln und nicht mehr in Gruppen", erzählt Sedlmeier. Besonders bedauere er, dass es fast keine kirchlichen Trauungen mehr gebe. Es glaube, dass diese Hochzeiten zu einem späteren Zeitung nicht mehr nachgeholt würden.

Er sehe die Situation nicht so pessimistisch wie manch andere, sondern begreife sie als Chance. "Die Kirche verändert sich und trotzdem gibt es eine neu Dichte. Die da sind, sind in anderer Weise zusammen als vorher." Und auf das Zusammenkommen nach der Pandemie, freue er sich besonders – beim Fest und bei der Begegnung.

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