Wo polnische Pflegekräfte ein Stück Heimat finden

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Die beiden Initiatorinnen von „Betreuerynki“: Karolina Tomanek (links) und Maria Sinz.

Betriebsseelsorgerin Karolina Tomanek und KAB-Regionalsekretärin Maria Sinz haben den Treffpunkt „Betreuerynki“ ins Leben gerufen.

Aalen

Dass Sprache Nähe schafft, ist ein Baustein von „Betreuerynki“. Betriebsseelsorgerin Karolina Tomanek hat dieses Projekt gemeinsam mit KAB-Regionalsekretärin Maria Sinz ins Leben gerufen. Dabei sollen polnische Pflegekräfte, die hier auf der Ostalb arbeiten, diese Nähe durch Sprache spüren können. Karolina Tomanek ist gebürtige Polin und spricht fließend polnisch. „Wir möchten, dass die Frauen an diesem Nachmittag ein Stück Heimat finden“, beschreiben Tomanek und Sinz.

Polnische Frauen verlassen für mehrere Monate ihre Heimat, um in Deutschland Geld zu verdienen. Sie gehen in Familien und versorgen kranke oder pflegedürftige Menschen. Unser Gesundheitssystem bietet dafür keine bezahlbare Alternative. So ist der Anreiz groß, einiges auf sich zu nehmen, oftmals rund um die Uhr zu arbeiten und vor allem, die eigene Familie zu verlassen.

„Für die Frauen ist die Einsamkeit das größte Problem“, weiß Betriebsseelsorgerin Karolina Tomanek. „Die Frauen sprechen oft nur ein paar Brocken Deutsch und trauen sich daher auch gar nicht nach draußen“.

Sie selbst hat in ihrem eigenen Elternhaus kennengelernt, wie man polnischen Frauen, die in der Pflege arbeiten, wenigstens ein bisschen helfen kann. „Sie sind zu uns nach Hause gekommen, und meine Mutter hat mit ihnen in ihrer Sprache gesprochen, sie half ihnen bei Anträgen oder Besorgungen“, erinnert sich Karolina Tomanek.

Deshalb hat sie gemeinsam mit Maria Sinz diese Idee vor Ort in die Tat umgesetzt. Im Franziskaner in Schwäbisch Gmünd fand „Betreuerynki“ bereits einmal statt. Auch in Aalen soll das Angebot etabliert werden. Dort gibt es Kaffee, den sich die Frauen nicht selbst machen müssen und ein gutes Stück Kuchen. Das Wichtigste aber: Die Frauen kommen raus aus ihrem Pflegealltag, können sich untereinander in ihrer Heimatsprache unterhalten und eine seelsorgerliche Begleitung oder pflegerische Fragen beantwortet bekommen. Auf Wunsch kann auch ein kostenloser Deutschkurs vermittelt werden.

Für Maria Sinz ist dieses Angebot ein Baustein in ihrer Arbeit für Pflegekräfte, faire Arbeitsbedingungen und Entlohnung. Die KAB-Regionalsekretärin setzt sich seit vielen Jahren an vorderster Stelle für eine „gute und gerechte Pflege“ ein. Mit dem „Treffpunkt Pflege“ hat sie eine Gruppe etabliert, die sich aktiv für eine Verbesserung des momentanen Zustands einsetzt.

Dass in Deutschland osteuropäische Pflegekräfte gebraucht werden, ist bekannt. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass auch diese Frauen nach dem geltenden deutschen Arbeitsrecht angestellt werden müssen. Das heißt: maximal zehn Stunden am Tag Arbeit, eine definierte Aufgabe muss zugeteilt sein. „Oftmals ist es halt so, dass die Pflegekraft 24 Stunden täglich bei der zu betreuenden Person lebt und Mädchen für alles ist“, weiß Maria Sinz. „Da muss sich in den deutschen Köpfen noch einiges ändern“, fügt sie an.

Betreuerynki: Einmal im Monat ein Stück Heimat finden. Durch Gespräche in der Muttersprache, in gemütlicher Atmosphäre. Nächster Termin: Sonntag, 13. März, 14 Uhr, im Franziskaner, Schwäbisch Gmünd

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