Wofür Mädchen Lob bekommen

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Frauenpolitische Matinee im Landratsamt Aalen: Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach liest vor großem Publikum aus ihrem Buch „Die Erschöpfung der Frauen. Wider die weibliche Verfügbarkeit“.
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Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach liest im Landratsamt aus ihrem Buch „Die Erschöpfung der Frauen. Wider die weibliche Verfügbarkeit“.

Aalen

Frauen von heute sollen stark, sexy, berufsorientiert, dabei aber lieb, fürsorglich und sozial sein. Emanzipiert und gleichermaßen eine Top-Mutter. Diese allgegenwärtigen Ansprüche treiben Frauen in die Erschöpfung, sagt Franziska Schutzbach. Warum das so ist, erklärt die promovierte Geschlechterforscherin und Soziologin in ihrem Buch „Die Erschöpfung der Frauen. Wider die weibliche Verfügbarkeit“.

Bei einer Matinee zum Internationalen Frauentag las die Schweizer Feministin am Sonntagvormittag im Landratsamt Aalen aus ihrer Publikation. Landrat Dr. Joachim Bläse begrüßte zahlreiche Zuhörerinnen im Saal und an den Bildschirmen. Eingeladen hatten die Gleichstellungsbeauftragten im Ostalbkreis.

Warum ist Erschöpfung ein Aspekt weiblichen Lebens? Einen Grund sieht Franziska Schutzbach in der „Allzuständigkeit“. Mädchen sollten im Haushalt helfen, Frauen Karriere machen, aber ihre Familie bitteschön nicht vernachlässigen. „Frauen sind nicht einfach nur Menschen, sie sollen gebende Menschen sein“, bringt die Referentin die gesellschaftlichen Erwartungen auf den Punkt.

Wenn ein Kind Probleme hat, werde das auf die Mutter zurückgeführt, nennt sie ein Beispiel. Stereotypes Verhalten im Umgang mit kleinen Kindern zeige sich selbst bei progressiven Eltern, so die Mutter von zwei Kindern: Mädchen bekämen Lob, wenn sie sich um andere kümmern, Jungen, wenn sie auf einen Baum klettern. Frauen sorgten sich um das Wohlergehen der anderen und verfügten deshalb über weniger Zeit für sich selbst. „Frauen erledigen Beziehungsarbeit, Männer konsumieren Beziehung“, sagt die Autorin, räumt aber ein, dass diese Aussagen nicht absolut zu sehen sind, sondern „statistische Tendenzen“ widerspiegeln.

Frauen erledigten nach wie vor den größeren Teil der unbezahlten Familienarbeit, auch wenn sie berufstätig sind. Dabei sei Kümmerarbeit sinnstiftend und notwendig. Allerdings werde sie abgewertet, weil sie in der Gesellschaft lediglich moralisch konnotiert sei.

„Eine Tätigkeit aus Liebe kann nicht anstrengend sein“, so die Autorin, die auch noch auf eine ökonomische Dimension hinweist. Die Nichtbezahlung der Sorgetätigkeit sei eine Grundlage für erfolgreichen Kapitalismus. Die Profite müssten anders verteilt werden, fordert die Referentin. Ihr Vorschlag: Teilzeit für alle.

Kritisch sieht sie die Erwartung an permanent schönes Aussehen. Einerseits besetzen Frauen zunehmend Leitungspositionen, andererseits unterwerfen sich vor allem die jüngeren auf Instagram vorgegebenen Schönheitsnormen. „Ein Rückschritt“, findet die Autorin.

Nach der Lesung signierte sie auf Wunsch ihre Bücher. Für musikalischen Schwung sorgten Sonja Felkel and The Wow.

Eine Tätigkeit aus Liebe kann nicht anstrengend sein.“

Franziska Schutzbach, Geschlechterforscherin
Sonja Felkel and the Wow sorgen für musikalische Umrahmung.
Franziska Schutzbach

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