Wohnungsnot: Wie Aalen Leerstände reaktivieren will

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Zur Wahrheit gehört: Die Stadt Aalen baut viele neue Wohnungen, wie hier auf dem Stadtoval. Aber immer mehr Menschen können sich die teuren Mieten nicht mehr leisten.
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Damit ungenutzte Wohnungen privater Vermieter für viele Menschen ein Zuhause werden.

Aalen. Die Wohnungsnot in Aalen spitzt sich weiter zu. Drastisch gestiegene Mieten, ausufernde Kosten für Gas und Strom sowie die aktuelle Flüchtlingswelle aus der Ukraine befeuern die Problematik: Immer mehr Menschen, darunter viele Familien, suchen verzweifelt nach bezahlbarem Wohnraum. Das führt dazu, dass sich trotz des Aalener Modells zur Wohnraumförderung die Lage nicht entspannt.

Stadt will „stille Reserven“ heben: Daneben indes gibt es noch ungenutzte, leerstehende Wohnungen privater Immobilienbesitzer, die für viele Menschen ein neues Zuhause werden könnten. Um möglichst viele dieser „stillen Reserven“ heben zu können, will die Stadt Aalen das Aalener Modell zur Wohnraumförderung um die Akquise von Leerständen ergänzen. Das Ziel: Die Unterstützung von Personen, die durch einen bevorstehenden Wohnungsverlust akut von Wohnungslosigkeit bedroht oder bereits wohnungslos sind. Eine große Rolle spielt dabei der Aspekt der Prävention von Wohnungslosigkeit. Vorgesehen etwa ist die Einrichtung einer Fachberatungsstelle und eines Präventionsbudgets. Ein konkretes Konzept soll gemeinsam mit der Wohnungsbau Aalen noch ausgearbeitet werden. „Ich hoffe, dass wir es dem Gemeinderat noch vor den Sommerferien zum Beschluss vorlegen können, spätestens im September“, sagte OB Frederick Brütting in der Sitzung des Finanzausschusses.

Große Resonanz auf Wohnraum-Aufruf: „Die positive Resonanz auf unseren Wohnraum-Aufruf für Flüchtlinge aus der Ukraine hat uns beflügelt“, so der OB. Insgesamt habe die Stadt 100 Angebote privater Vermieter erhalten. „Davon konnten wir bereits rund 40 Wohnungen aktivieren.“

Bis zum Sommer soll ein Konzept stehen: Rober Mikaelyan, Sachgebietsleiter der städtischen Obdachlosenunterbringung benannte das Ziel: Es gehe darum, eine Struktur aufzubauen, die es ermögliche, dass der Vermieter den Vertrag direkt mit dem Mieter abschließt. „Dafür“, so Mikaelyan „fehlt uns noch der Werkzeugkasten“. Damit meint er etwa Anreize für den Vermieter, wie Renovierungszuschüsse für den leerstehenden Wohnraum, Mietausfallgarantien, sozialpädagogische Betreuung des Vermieters und die Benennung fester Ansprechpartner.

Die städtische Wohnungsbau ist mit im Boot, übernimmt die Anmietung der Wohnungen und übergibt sie dann für die weitere Begleitung in städtische Obhut. Wie Wohnungsbau-Geschäftsführer Michael Schäfer sagt, habe die Wohnungsbau auf dieses Weise bereits 57 Wohnungen akquirieren können. „Das war ein Kraftakt, in dieser kurzen Zeit.“

500 bis 800 Wohnungen stehen in Aalen leer.“

Frederick Brütting, Oberbürgermeister

Das Potenzial: Die Leerstandsquote in Aalen lag im Jahr 2020 unter 2,5 Prozent. Das geht aus einer Studie hervor, auf die sich die Stadt Aalen beruft. „Das würde 830 unbewohnten Wohnungen entsprechen“, meinte OB Brütting. Selbst bei einer mit nur 1,5 Prozent angesetzten Quote seien es noch knapp 500 Leerstände, die zum Teil reaktiviert werden könnten. Brütting: „Wenn wir nur 400 davon reaktivieren könnten, würde uns das viel Geld sparen, das wir an anderer Stelle einsetzen könnten.“

Die Ausschussmitglieder stehen einhellig hinter dem Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung. Entscheiden wird der Gemeinderat am 19. Mai. Doris Klein (Grüne) bat, Anregungen ins Konzept einzuarbeiten, wie das Angebot eines von der Stadt begleiteten Mietverhältnisses. „Wir brauchen Leute in den Wohnquartieren, die die potenziellen Vermieter direkt ansprechen.“ Petra Pachner (SPD) appellierte, Wohnen nicht nur als obdachlosenrechtliche Unterbringung zu begreifen. Es gehe darum, angemessenen Wohnraum für die einzelnen Menschen zu finden - vor allem auch für Menschen mit Handicap. Thomas Rühl (FW) ist der Ansicht, es müsse verbindlich geregelt sein, dass die Vermieter über einen Zeitraum von zehn Jahren nichts Organisatorisches mehr mit der Mietwohnung zu tun haben. Dr. Gläser (AfD) ist eine flankierende soziale Betreuung wichtig. Und Christa Klink (Die Linke) fordert, die Quote für Sozialwohnungen in Aalen zu erhöhen. 

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