Wort zum Ostersonntag

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Das Kreuz als Zeichen christlichen Glaubens

Ostern und eine Perspektive

Aalen. Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln. In diesen Tagen werden die Kirchen ganz stark kritisiert und angegriffen. Sie würden zu wenig tun, nicht nah genug bei den Menschen sein, zu wenig helfen und vieles mehr.
Man müsse sich nicht wundern, dass immer mehr sich von ihrer Kirche abwenden und austreten. Ich will diese Kritik sehr ernst nehmen. Sie ist mitunter sicher berechtigt, manches Mal aber auch überzogen. Und mich schmerzen die vielen Kirchenaustritte genauso. Doch mit Jammern, Klagen und Vorwürfen allein ist es nicht getan. Denn morgen feiern wir ein besonderes Fest.
Ostern macht der Müdigkeit, der Resignation und der Hoffnungslosigkeit ein Ende. Die Sache Jesu ist nicht im Grab geblieben. Er ist auferstanden und lebt. Mit Ostern gibt es auch für uns einen neuen  Anknüpfungspunkt.
„Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln“, hat Dietrich Bonhoeffer einst geschrieben. Für mich ist Ostern in jedem Jahr ein faszinierendes Fest. Zuerst die Passionszeit, das Mitgehen, Mitdenken und Mitfühlen des Weges Jesu, der in den Verrat, in die Verurteilung und letztlich auch ans Kreuz geführt hat. Für viele war das damals wirklich zum Verzweifeln. Und dass diese Zeit nicht endlos war, dass dann doch noch etwas kommt, dass am dritten Tage ein ganz neues Kapitel aufgeschlagen wird, das ist die Osterhoffnung, die uns in jedem Jahr neu aufbrechen lässt. Wo Hoffnungen zerstört waren, wo Menschen jeglichen Mut verloren hatten, wo die Jünger betrübt und resigniert Jerusalem in Richtung Emmaus verlassen, da bahnt sich etwas ganz  Neues  an.
Der Tod hat eben nicht das letzte Wort, nicht über Jesus, und über uns eben auch nicht. Die Vergänglichkeit unseres Lebens, die Diesseitigkeit all unserer Hoffnungen werden durchbrochen und erhalten eine neue Perspektive. Es ist eben mit dem Tod nicht alles aus. Das ist die Botschaft von Ostern. Darauf dürfen wir vertrauen, in dieser friedlosen und unbarmherzigen Welt, in einer Zeit, in der wir von ernsthaften Krisen eingeholt und überholt  werden.
Feiern wir Ostern nicht nur mit Hasen und Eiern und anderen Geschenken, feiern wir Ostern als das Fest der Auferstehung Jesu, als den Tag, an dem der Tod überwunden wurde. Gott steht zu dieser Welt mit allem, was dazugehört, auch mit den Abgründen und Schicksalen unseres Lebens.
Gott gibt dieser Welt und damit allen Menschen Zukunft. Das ist die Botschaft von Ostern. Und die macht Hoffnung, die gibt Kraft und Zuversicht. Wir werden als Kirche und Christenmenschen sicher noch manchen Fehler machen und sicher mitunter auch noch nicht genug für andere tun, aber Ostern hat diese Welt verändert.
Die Kraft der Auferstehung wird uns neu motivieren, unseren Aufgaben gerecht zu werden und für Menschen da zu sein. Jesus lebt und wir mit ihm! Wer Ostern kennt, kann wirklich nicht verzweifeln!
Ein  frohes  und  gesegnetes Osterfest  Ihnen  allen!
Ihr Pfarrer Bernhard Richter

Bernhard Richter, evangelischer Pfarrer in Aalen

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