Wort zum Sonntag

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Tobias Kriegisch, katholischer Dekanatsreferent

Perfekt!

Aalen. Perfekt muss es sein, das Weihnachtsfest und die Silvesterparty, das Bild auf Instagram vom Winterurlaub und das Outfit für sportliche Aktivitäten. Die Konkurrenz schläft nicht und die eigenen Ansprüche sind hoch. Gut so, denn nur so geht es voran, nur so kommen wir von einer Höchstleistung   zur   nächsten.In diesen Kontext passen auch die guten Vorsätze für das neue Jahr: Mehr Sport, gesündere Ernährung, weniger Umweltverschmutzung, schulisches und berufliches Weiterkommen und so weiter. Da hilft nur eiserne Disziplin und ein starker Wille, denn sonst wird es nichts, sonst wird es nicht perfekt! Das ist unwahrscheinlich anstrengend und setzt permanent unter Druck. Und so kann es leicht passieren, dass der Perfektionismus mich und andere krank macht. Die Anderen, weil ich deren Messlatte ständig nach oben verschiebe, und mich, weil ich mir an irgendeinem Punkt eingestehen muss, dass ich scheitere, dass ich eben nicht perfekt bin, weil Scheitern auch zum   Menschsein   dazugehört.Daher allem Perfektionismus abschwören und einfach so in den Tag hineinleben? Nein: Gut-sein-zu-wollen ist gut und richtig! Das ein oder andere besonders gut zu tun, ebenso. Aber es muss nicht alles perfekt sein. Wir sind Menschen und keine Maschinen. Wir haben unterschiedliche Talente und unterschiedliche Tagesverfassungen. Gerade das macht uns und unseren Alltag aus. Damit ich das nicht vergesse, steht auf meinem Bildschirm im Büro ein Zitat von Nam June Paik, einem japanischen Videokünstler: „When too perfect, liebe Gott böse.“ Das entlastet mich und lehrt mich Gelassenheit und es passt zu meinem Gott, der mich so liebt, wie ich bin, gerade dann, wenn es nicht perfekt ist.

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