Wunsch: Anerkennung auch nach Corona

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Dr. Franz Josef Grill kandidiert für die Freien Wähler für den Landtag.
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Dr. Franz Josef Grill (Freie Wähler) spricht über die Situation im Gesundheitswesen.

Aalen. Wahlkampf in Zeiten von Corona: Das bedeutet, dass Kandidaten ihre möglichen Wählerinnen und Wähler digitale Angebote machen müssen. Gerade für die vermeintlich kleineren Parteien eine Herausforderung. Gut gemeistert haben das die Freien Wähler mit einer virtuellen Podiumsdiskussion zum Thema Gesundheitspolitik.

Dr. Franz Josef Grill, Kandidat der Freien im Wahlkreis Aalen und Allgemeinmediziner, war einer der Experten. Er und Stephanie Töpfl, Pflegedienstleiterin bei den Maltesern im Bereich Ambulante Pflege in Ellwangen, erläutern zusammen mit anderen Fachleuten die Herausforderungen in und nach der Pandemie.

Dr. Franz Josef Grill ist Allgemeinmediziner und Leitender Notarzt im Rettungsdienst. Er schildert die aktuelle Lage im Gesundheitswesen: "Corona beherrscht derzeit alles." Dadurch werde der Blick auf dramatische Entwicklungen verstellt, etwa die, dass es auf dem Land eine eklatante Unterversorgung "mit qualifiziertem ärztlichem Personal" gebe. Ein Problem aus seiner Sicht: "Wir lassen nur Einserabiturienten zum Medizinstudium zu." Grill spricht in diesem Zusammenhang von "Arroganz" und weiter: "Wir lassen gute Leute nicht zum Studium und kaufen uns stattdessen schlechte medizinische Versorgung aus dem Ausland zu."

Zur Situation der ärztlichen Versorgung auf dem Land meint Grill, er sehe die Zukunft in Medizinischen Versorgungszentren. Dort könnten sich auch Menschen engagieren, die "andere Lebensmodelle" haben als der klassische Landarzt. Wenig hält Grill vom Vorschlag des Landes, Schülerinnen und Schüler, die kein Einserabitur haben, dann zum Medizinstudium zuzulassen, wenn sie sich dafür verpflichten, zunächst als Landarzt zu arbeiten. Er befürchtet eine Stigmatisierung der Landärzte. Vielmehr sollte man den NC senken und dafür andere Dinge anrechnen, etwa, wenn jemand ein Freiwilliges soziales Jahr geleistet hat oder als Rettungssanitäter im Einsatz ist.

Zum Thema Krankenhäuser findet Grill, dass es eine Fehlentwicklung ist, für Krankenhäuser Kostendeckung anzustreben. Er hält das für einen "Witz" angesichts einer älter werdenden Gesellschaft. Die Frage, ob sich Medizin rentieren soll, dürfe man nicht mit "Ja" beantworten. Sonst müsse man über ganz andere Dinge nachdenken, sagt Grill und verweist auf die Corona-Pandemie, in der vor allem ältere Menschen von schweren Verläufen betroffen sind.

Über die Situation in der Pflege spricht Stephanie Töpfl. Sie selbst arbeitet in der ambulanten Pflege. Dort seien die Pflegekräfte "an der Grenze" – und schlimmer noch sei es in der stationären Pflege, in Krankenhäusern etwa. Dort wünschten sich viele nur noch "weg von der Station". Das Thema sei nicht einmal nur die mäßige Entlohnung. Es fehle schlicht an der Wertschätzung der Arbeit. Für immer mehr Arbeit sei immer weniger Zeit zur Verfügung. "Es ist unmenschlich", sagt Töpfl – und zwar für die Pflegenden wie auch für die Menschen, die auf Pflege angewiesen seien.

Die kritisiert auch Grill. Einen Menschen zu untersuchen, das brauche Zeit. Er untersuche, er fasse an. Er arbeite mit allen Sinnen. Deswegen sei für ihn auch Telemedizin keine Hilfe. Die bringe etwas, wenn etwa bei einer komplizierten Operation digital ein Spezialist hinzugezogen werde. Was helfen könnte, wäre eine bessere Vernetzung mit anderen Praxen – wenn gewährleistet sei, dass die Daten sicher sind. Auch sei es wichtig, Patienten regelmäßig zu sehen, zu untersuchen. Dies sei derzeit nur sehr eingeschränkt möglich, weil nur komme, wem konkret etwas fehle.

Töpfl wünscht sich eine bessere Anerkennung des Berufes über die Entlohnung. Sie denkt an höhere Schicht- und Wochenendzulagen. Was sie sich aber auch wünscht für die Zeit "nach Corona": dass die Anerkennung, die ihr Beruf jetzt erfahre, "bleibt, wenn Corona wieder abgeflacht ist".

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