Zahl der Pflegebedürftigen steigt kontinuierlich an

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Eine Krankenschwester pflegt eine ältere Frau Zuhause. Der größte Teil der Pflege daheim wird von den Familien getragen.
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Joachim Bläse und Barmer-Landeschef Winfried Plötze planen Netzwerk für alle Beteiligten.

Aalen. Der Anteil an pflegebedürftigen Menschen steigt auch im Ostalbkreis kontinuierlich an. Gleichzeitig ändern sich die Familienstrukturen. Das erfordert entsprechende Reaktionen von Politik, Krankenkassen und anderen Kostenträgern. Wie diese Planungen im Land und im Ostalbkreis aussehen, stellten Landrat Dr. Joachim Bläse und Winfried Plötze, Landesgeschäftsführer der Barmer Baden Württemberg, in einem Online-Pressegespräch vor.

„Im Jahr 2007 hatten wir in Baden-Württemberg 237 000 Pflegebedürftige, 2017 waren es bereits knapp 400 000, und gleichzeitig brechen bisherige Familienstrukturen immer mehr auseinander“, sagte Moderatorin Marion Busacker, Pressesprecherin der Barmer Baden Württemberg zu Beginn.

„Die Entwicklung in der Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, ein besonderes Zukunftsthema“, betonte Landrat Dr. Joachim Bläse. „Dazu wird der Kreis sogenannte Pflegekonferenzen einführen und damit ein Netzwerk aller Beteiligten schaffen, um Pflege- und Unterstützungsstrukturen gemeinsam weiterzuentwickeln.“ Dazu gehöre es auch, die Pflege in der Familie zu stärken, denn die Familie sei das Rückgrat der Gesellschaft. „Ohne die Familie bricht das gesamte System zusammen“, ergänzte er.

Deshalb müsse auch der Generationenvertrag weiter entwickelt werden. Es sollten die Bedarfszahlen in den einzelnen Teilen des Kreises eruiert und dezentrale Pflegestützpunkte zur Unterstützung von ambulanten Fachkräften und pflegenden Angehörigen eingerichtet werden. Der Ostalbkreis habe dazu zwei Förderanträge beim Land gestellt und werde als Pilotprojekt mit 120 000 Euro unterstützt. Im April habe man eine erste Konferenz mit rund 140 Akteuren ausgerichtet. Die Barmer sei dabei ein erfahrener und starker Partner.

Winfried Plötze ergänzte, dass allein in der Zentrale der Barmer in Schwäbisch Gmünd 103 Pflegeberater beschäftigt seien, pflegende Angehörige zu beraten und zu unterstützen. Beispielsweise geschehe dies bei der Stellung von Anträgen, beim barrierefreien Umbau des Eigenheims und anderem mehr.

Er lobte die in den vergangenen Jahren gefassten Pflegereformgesetze, sie brächten zwar Kosten, hielten aber viele Angehörige davon ab, die Pflege ihrer Familienmitglieder zu beenden. Zudem hätten sie Verbesserungen für Fachkräfte gebracht und würden sie sicher noch weiter bringen, denn „Pflege macht krank“, betonte Plötze.

Pflegekräfte gingen aufgrund der körperlichen und seelischen Belastungen früher in Ruhestand, würden öfter krank, litten vermehrt an Depressionen. 2016 bis 2018 seien 7,3 Prozent der Pflegekräfte im Kreis krankgeschrieben gewesen, in anderen Berufen 4,5 Prozent. „Wir brauchen mehr Personal, das besser bezahlt wird, da sind wir jetzt auf einem guten Weg“, sagte der Geschäftsführer.

Um mehr Fachkräfte zu gewinnen, seien Werbekampagnen angelaufen, wie die „Herz-Plus-Kampagne“ des Kreises, sagte der Landrat. Zudem werden Bildungspartnerschaften geschaffen. „Wichtig war auch die Akademisierung der Pflege in unseren Berufsschulen“, ergänzte Bläse. „Die Berufe bieten unglaublich viele Facetten.“

Plötze verwies auf eine vermehrte Digitalisierung, um die Kräfte bei der Dokumentation zu entlasten und eine höhere Entlohnung, die auf 3000 bis 3500 Euro steige.

Zur Finanzierung der Pflege sei in Zukunft ein duales System aus Beiträgen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zur Pflegeversicherung – die weiter steigen werden – und Steuerzuschüssen notwendig, waren sich beide einig. „Das Thema wird uns in Zukunft vermehrt beschäftigen“, schloss der Landrat.

Jürgen Eschenhorn

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