Zeit, dem Bad tschüss zu sagen

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Blick von oben auf das schön gelegene Freibad im Hirschbachtal. Archivfoto: dat
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Erinnerungen an das Hirschbachfreibad, das an diesem Sonntag endgültig schließt. Was die Abschiedsparty bietet.

Aalen

An diesem Sonntag, 13. September, endet eine 128 Jahre alte Ära – die des Hirschbachfreibads. Am letzten Badetag steigt ab 15 Uhr eine Beachparty und von 18 bis 19.30 Uhr spielt die Band "acoustic groove" zum Abschied.

Für manch alten Badegast ist dieser Tag wohl mit Wehmut verbunden – andere freuen sich auf ein multifunktionales Bad, das in den nächsten Jahren, bis 2024, an dieser Stelle entsteht: Zeit für ein kleines Resümee.

Geschichte und Geschichten kann Erwin Hafner erzählen. "Ich bin im Hirschbachbad buchstäblich aufgewachsen", sagt der 89-Jährige, der auch heute nur 200 Meter vom Bad entfernt wohnt. Seit 60 Jahren geht er täglich nur mit Badehose- und -mantel – außer sonntags – zu Fuß ins Bad, um dort 1000 Meter zu schwimmen. "Auf meinem Weg ernte ich bisweilen manch verwunderten Blick, besonders wenn ich bei Regen so bekleidet mit einem Schirm unterwegs bin."

Im Blick zurück erzählt der passionierte Schwimmer vom Wasserwechsel. Bis 1938 musste das Wasser im Becken alle drei Tage abgelassen und durch frisches ersetzt werden. "Wir Kinder im Hirschbach warteten auf den sogenannten ‘Schuuß' und hatten unseren Spaß in den ‘reißenden Fluten'."

Ordentlich Spaß bereitet damals allen auch die "Handtuch-Fange". Von Liegetuch zu Liegetuch, ohne aufs Gras zu treten, springen die Buben und jagen einen von ihnen.

Hafner erinnert auch daran, dass im Sommer 1945 das Bad beschlagnahmt und ausschließlich US-Soldaten vorbehalten ist. Danach entwickelt es sich zu einem Familienbad. "Vorbei waren die Zeiten, als Männer und Frauen getrennte Schwimmzeiten hatten."

Wir Kinder im Hirschbach warteten auf den sogenannten ‘Schuuß'.

Erwin Hafner Dauerbadegast

1952/53 entschließt sich die Stadt, Grundstücke zu kaufen und die Liegewiese des Hirschbachbades beachtlich zu vergrößern. 20 000 Quadratmeter Fläche umfasste damit das Gelände des Bades und ist somit doppelt so groß wie einst das erste Bad.

Mit viel Enthusiasmus erzählt der wohl älteste Dauerbadegast vom Hirschbachbad. Auch von den ersten Schwimmern im Aalener Hirschbachbad. Zu diesen zählt der Sohn eines Stammesfürsten aus Kamerun. "Rudolf Manga Bell kam 1891 nach Aalen und sorgte wegen seiner schwarzen Hautfarbe und seiner Herkunft für großes Aufsehen." An die neugierigen Blicke der anderen Schwimmer seiner Hautfarbe wegen gewöhnte er sich wohl nie, bewies aber Humor. "Überlieferungen zufolge tauchte er immer wieder Gruppen von Männern an, die ihn allzu neugierig anstarrten. Wenn er dann wie aus dem Nichts auftauchte und sich in seiner sportlichen Figur zeigte, sorgte er für so manchen Schreckensmoment."

Auch Hubert Brenner ist Dauerbadegast im Hirschbach. Allerdings erst seit zwei Jahren. Davor war der Großkuchener Stammschwimmer im Kösinger Bad, das seither umfassend erneuert wurde. "Das Hirschbachbad liegt in der Sonne – auch abends noch – das ist herrlich", sagt er. Zudem schätzt er, dass man die Anlage bequem erreiche und in der Regel ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen. Brenner kennt die Bäderlandschaft Ostwürttembergs und gibt dem Freibad beste Noten. Er spricht von entspanntem Schwimmen, den Vorzügen der Corona-Ampel, mit der man auch spontan schwimmen gehen kann und davon, dass er im neuen Kombi-Bad auch Gast sein wolle.

Wie alles begann

1892 wird das Bad mit einem eher bescheiden dimensionierten Becken mit 14 mal 23 Meter eröffnet. Es ist das einzige angelegte Schwimmbecken im Umkreis. "Es war mit einem Aufwärmbecken ausgestattet und für die Zeit ein sehr fortschrittliches Bad", sagt Igor Dimitrijoski, Pressesprecher der Stadtwerke Aalen. Damit es so bleibt, wird es im Laufe der Zeit ertüchtigt. 1928 etwa ersetzt ein 22 mal 50 Meter großes Mehrzweckbecken das erste; 1938 wird eine Wasserreinigungsanlage installiert und in den Jahren 1978/79 das gesamte Bad saniert, erweitert und wettkampftauglich gemacht. "Die heutige 68 Meter lange Rutsche entstand 1987", sagt Dimitrijoski. 2004 wird als letzte bauliche Investition das neue Baby- und Planschbecken eröffnet.

Erwin Hafner
Hubert Brenner
Im März 1964 wurden die Anlagen rund um das Schwimmbecken im Hirschbachfreibad neu gestaltet. Archivfoto

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