Zu Ehren des Generals der Musiker

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Margarete Lamprecht und Arwid Klaws vom Theater der Stadt Aalen spielten Szenen aus dem Leben des 1770 geborenen Ludwig van Beethoven, der als Vollender der Wiener Klassik gilt – und zugleich als Wegbereiter der Romantik.

Ludwig van Beethoven wäre 250: Hans-Roman Kitterer am Piano und zwei Schauspieler des Theaters der Stadt Aalen setzen den Klassiker im Kulturbahnhof lebhaft in Szene.

Aalen

Kurz vor dem durch Corona verhängten "Torschluss" durften die Musikfreunde der Region noch eine glanzvolle Feier zu Ehren des Großmeisters Ludwig van Beethoven erleben. Zu seinem 250. Geburtstag wurde im Festsaal des Aalener Kulturbahnhofs der rote Teppich ausgerollt. Wie es die Covid-19-Regeln zuließen, war der Saal besetzt. Beethoven war an diesem Abend ausverkauft.

Hans-Roman Kitterer, Aalener Mediziner und Musiker, stimmte sein Publikum am Flügel mit einem Paradestück ein. Die "Appassionata" musste es sein – ein Stück voller Leidenschaft und blitzender Läufe. Kitterer zelebrierte es als feurige Ouvertüre in den von ihm konzipierten musikalisch-szenischen Abend. Biographische Texte, stimmige Szenenentwürfe und die Programmfolge stammten von ihm.

Alkoholsüchtiger Vater

Kaum war das musikalische Feuerwerk verklungen, da stand schon Beethoven auf der Bühne – mit ausgebreiteten Armen, leibhaftig präsentiert von Arwid Klaws, dem renommierten Charakterdarsteller vom Theater der Stadt Aalen. Am Küchentisch sitzend schildert er die ärmlichen Verhältnisse, in denen der 1770 geborene Musiker in Bonn aufwuchs. Der alkoholsüchtige Vater drängt den Knaben ans Cembalo und sperrt ihn zum Geigenüben in die Kammer.

Klaws Kollegin Margarete Lamprecht erzählt als stolze Mutter von ersten Erfolgen ihres sechsjährigen Sohnes und vergleicht ihn mit dem Wunderkind Mozart. Damit ist das Zauberwort gefallen, von dem sich der 17-jährige Beethoven nach Wien führen lässt. Aus einer kurzen Begegnung mit dem Meister der Zauberflöte stammt dessen legendäre Prognose: "Auf den gebt acht, der macht einmal in der Welt von sich reden!"

In der Klaviersonate f-moll, die der zwölfjährige Beethoven dem Kurfürsten von Köln widmet, spiegeln sich seine ersten Erfolge. Kitterer eröffnet damit einen Reigen erfrischend vielseitiger Musikbeispiele, die ihren Ursprung in Begegnungen mit großen Musikern seiner Zeit hatten, wie Joseph Haydn. Oder mit berühmten Adelsfamilien, bei denen Beethoven in Wien zu Gast ist. Aus dieser Serie ragt die Waldstein-Sonate heraus, die der Aalener Pianist mit funkelndem Esprit aufleuchten lässt. Dass er auch die weichen, warmen, aber auch die lyrisch transparenten Töne gleichsam musikalisch zu malen versteht, stellt Kitterer in der Mondscheinsonate unter Beweis.

Margarete Lamprecht hat sich inzwischen in ein liebreizendes Adelstöchterlein verwandelt, das kokett auf einer Schaukel sitzt und das Geheimnis enthüllt, dass Beethoven diese Sonate keineswegs ihr als "Gräfin Giulietta" huldigend komponierte, sondern als trauernd um einen guten Freund. Für musikalische Liebesschwüre auf Wiener Adelsdamen, die den aufdringlichen Musiker jedoch meistens abblitzen lassen, gibt es genügend andere Beispiele.

Zart und feinfühlig stellt Kitterer "Elisa" und die für seine Favoritin Maximiliane Brentano komponierte Sonate vor, für deren Interpretation Beethoven "gesangvoll, mit innigster Empfindung" vorschreibt. An wen er bei seinen kleinen, "Bagatellen" genannten Stücken gedacht hat, lässt sich gar nicht mehr erschließen.

Taub, mit zweitem Dirigenten

Kurz vor seinem 30. Lebensjahr wirft die beginnende Taubheit ihre Schatten voraus. Weil der schwerhörige Meister das Orchester nicht mehr hört, muss hinter Beethoven ein zweiter Dirigent agieren. Zuhause verwahrlost er immer mehr. Die überaus wandlungsfähige Margarete Lamprecht schildert als seine Zugehfrau in Wiener Mundart, wie der Meister in sein Schnupftuch spuckt und seinen Nachttopf unters Bett stellt. Trotzdem komponiert Beethoven auch in dieser Phase kraftvolle, ausdrucksstarke Musik.

Für das phänomenale Finale wählt Hans-Roman Kitterer den dritten Satz der Appassionata und stellt diese gewaltige Musik als letztes Aufbäumen im Schaffen des Meisters in den Raum. Die beiden Theaterakteure beleuchten mit einem letzten Statement das Leben des großen Musikers: Der Erlös seiner Werke habe kaum mehr ausgereicht, sein Leben zu fristen. Eine kleine Erleichterung hätten ihm Musikfreunde aus London verschafft, die ihm hundert Pfund Sterling geschickt hätten.

30 000 an Beethovens Grab

Als Beethoven 1827 starb, seien rund 30 000 Menschen zu seiner Beerdigung gekommen. Margarete Lamprecht zitiert eine Wiener Marktfrau, die auf die Frage eines Unbeteiligten, wer denn hier bestattet werde, schlagfertig antwortet: "Der General der Musiker!"

Langanhaltenden Beifall gab es für den Pianisten und die beiden Schauspieler, bevor nach dieser großartigen Huldigung an Beethoven der symbolische Vorhang für vielleicht lange Zeit fiel.

Die Akustik des Saales erwies sich als durchaus vorteilhaft. Text und Musik kamen gleichermaßen gut an.

Der Aalener Mediziner und Pianist Hans-Roman Kitterer (r.) griff nicht nur in die Tasten, sondern hatte auch den gesamten Abend konzipiert. Links Uwe Förstner als Notenwender.

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