Zum Wandern am Geburtstag in der Schweiz: Dekan Ralf Drescher wird 60

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Dekan Ralf Drescher.
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Was Dekan Ralf Drescher an diesem Sonntag, seinem Geburtstag, vorhat, was ihn in den vergangenen elf Jahren in Aalen angetrieben hat und was noch ansteht.

Aalen

Er wandert gerne. Vor allem in der Schweiz, wohin des Ralf Drescher schon seit vielen Jahren zur Ferienzeit zieht.  Deshalb verbringt der evangelische Dekan auch diesen Sonntag – am 15. Mai feiert er seinen 60. Geburtstag – nicht in Aalen. Sein Geburtstagsgeschenk von der Familie ist eine Woche im schweizerischen Wildhaus im familiären Stammquartier, einem Bauernhof.

„Ich feiere meinen runden Geburtstag am Sonntag gemeinsam mit meiner Frau Gisela auf einem Gipfel irgendwo in der Region Toggenburg“, verrät Drescher. Und noch eines erzählt er. Dass es ein zweites Geburtstagsgeschenk gibt, das sich das Ehepaar macht – Gisela Fleisch-Erhardt  feiert am 13. Juli ihren 60.. „Wir gehen am 24. Juli zu BAP auf die Kapfenburg“, erzählt der Fan der Kölschrockband um Frontmann Wolfgang Niedecken.

Elf Jahre Ostalb

Seit nun elf Jahren lebt Ralf Drescher auf der Ostalb. Sein Start in der Stadt am Kocher war ziemlich kühl. Nicht die Begegnung mit den Aalenern. Vielmehr der Abend seiner Wahl zum neuen Dekan war eisig. Denn Drescher ist in Anzug und leichten Schuhen per Zug zur Dekanswahl angereist. Am 1. Dezember, als der Schnee auf der Ostalb fast kniehoch lag. Dabei hat er zunächst nicht geglaubt, gewählt zu werden. Doch dann ist es ihm wohl angenehm warm geworden bei der Rückfahrt im Zug, als er von der eindeutigen Wahl erfahren hat.

Wesentlich wärmer war der 1. Mai 2011, an dem die Ulmer Prälatin Gabriele Wulz den vierfachen Familienvater ins Amt des evangelischen Dekans im Kirchenbezirk und des Aalener Stadtpfarrers investiert hat. Seither ist viel geschehen.

Die erste Amtszeit Dreschers – bis 2021 – ist geprägt vom umfassenden Immobilienkonzept. „Das war eine große Herausforderung, die viel Kraft gekostet hat“, gibt Drescher unumwunden zu. Der Dekan, der sich selbst als „immer lösungsorientiert“ bezeichnet, spricht dabei über die Schließung und den Verkauf von Martins- und Markuskirche und dem zugehörigen Areal sowie von Widerständen vor allem unter den Gemeindegliedern der Martinskirche im Pelzwasen und dem daher notwendigen Moderationsprozess.

Aber auch der Bau des neuen evangelischen Gemeindehauses an der Friedhofstraße hat den ehrgeizigen Aalener Dekan gefordert. „Das Ergebnis war aber schön“, zieht er ein Fazit und erinnert an ein fast einstimmiges Votum – „bei einer Enthaltung“. Er habe recht bekommen, sagt Drescher mit Blick auf die sinkenden Mitgliederzahlen und die aktuell wirtschaftliche Situation, die auch die christlichen Kirche betreffe. Die Einweihung des Gemeindehauses als neues kirchliches Zentrum und gleichzeitig Pfeiler in einem evangelischen Stadtdreieck mit Stadtkirche und Dekanat betrachtet der Dekan als Glanzpunkt seiner ersten Amtszeit.

Die Dinge auf dem Tisch

Auch für die inzwischen zweite Amtszeit ist ein „Päckchen“ vorbereitet. Zum Beginn war Corona mit neuen Formen der Kommunikation sehr fordernd. Nun steht ein weiterer Pfarrplan bevor, der Einsparungen mit sich bringen wird. Drescher scheut sich nicht schwierige Dinge direkt anzusprechen: „Die Einschnitte werden noch gravierender als bei den bisherigen Pfarrplänen.“ Auch wenn er noch keine Zahlen kenne. Damit legt er, wie so häufig, die Dinge auf den Tisch. „Das ist für meine Mitmenschen bisweilen schwierig“, sagt er. Aber man müsse anstehende Frage ansprechen. „Lebenszeit ist kostbar“, sagt er, der je älter er wird, mit seiner Zeit geizt. Jedoch habe er auch gelernt – und lerne immer noch – dass bestimmte Prozesse ihre Zeit brauchen. „Sonst holen sie sich die Zeit im Nachhinein durch Störungen“, meint der Dekan, der gerne anpackt und nichts auf die lange Bank schiebt.

Dass all das klappt, dazu tragen, so Drescher, Hauptamtliche und Ehrenamtliche in der Kirche mit – ebenso wie die Familie. „Dafür danke ich allen“, betont er wiederholt.

Das war eine große Herausforderung, die viel Kraft gekostet hat.“

Ralf Drescher, Evangelischer Dekan

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