Zurück in die Geschichte von Aalen

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Hier ist Lokalgeschichte von Aalen bis ins Detail kunstvoll gestaltet: Wie das Künstlerkollektiv K das Haus in Rittergasse 1 bemalt hat.

Aalen

Auf dem Haus in der Rittergasse 1, kunstvoll vom Kollektiv K gestaltet, ist Geschichte, von der französischen Besetzung, bis in die Gegenwart. Gar nicht so einfach, die wichtigsten Ereignisse vom 18. Jahrhundert bis heute zu selektieren.

Projektleiter Tobias Kerger hat viele Stunden damit verbracht sich, durch die Historie zu wühlen: "Dieser Eiertanz, was ist interessant und was nicht?" Schlussendlich finden sich nicht nur regionale Themen auf der Hauswand wieder, auch Geschehnisse, die europaweit für Aufsehen gesorgt haben, sind zu sehen.

Die Bordüre, die sich über alle Hausseiten zieht, beginnt von links mit der Französische Besetzung unter Napoleon. Auch den Abbruch der Stadtmauer haben die jungen Künstler auf die Hauswand gepinselt.

Ein besonders geschichtsträchtiges Ereignis ist die letzte Hinrichtung auf dem Galgenberg. Auf der Fassade ist ein Lehrerehepaar zu sehen. Sie wurden des Giftmordes beschuldigt und nach mehreren Verfahren zur Enthauptung verdonnert. Die Köpfe wurden aufgespießt – das war 1821.

"Wir haben es deswegen abgebildet, weil wir zeigen möchten, dass wir uns über das Töten der Menschen hinweggesetzt haben", betont Kerger den Symbolcharakter. Auch der Umbau des alten Rathauses und der Eisenerzabbau, inklusive einer Darstellung der Dampfmaschine, gebaut durch britische Ingenieure, sind auf der Bordüre zu finden.

Weiter geht es mit den düsteren Kapiteln, wie dem Ersten und Zweiten Weltkriege, der amerikanischen Besatzung und dem Aufschwung der zweiten Industrialisierung zwischen 1960 und 1970.

Schaut man genau hin, sieht man als Betrachter, dass bei allen Darstellungen stets Figuren beider Geschlechter abgebildet sind. "Denn die Geschichte wird nicht nur von Männern geschrieben", sagt Kerger dazu. Aus der zweiten Phase der Industrialisierung geht es weiter in die Anfänge der Digitalisierung: Computer, Smartphones, ein Wechsel findet statt und wir sind in der Gegenwart gelandet.

Denn die Geschichte wird nicht nur von Männern geschrieben.

Tobias Kerger Projektleiter

Über der Bordüre sind fünf schwungvolle Ornamente gemalt. Alle sehen sich ähnlich, sind in den Details aber unterschiedlich, tragen bis auf eines Aalens Wappen, den Aal in der Mitte.

Die Ornamente im Wechsel mit der Zeit

Je nach Zeitgeschichte sprießen am Ornament unterschiedliche "Früchte": Eisenerz, Bomben, Goldene Eier, die Reichtum der Industrialisierung signalisieren und zum Schluss mit dem Einzug in die Gegenwart, Smartphones und das aktuelle Wappen der Stadt.

Der Säulengang

Auf rund zwölf Meter Fläche schlängelt sich ein großer Aal zwischen Rundbögen hindurch. Auf ihm prangen die Wappen der Aalener Teilorte Dewangen, Ebnat, Fachsenfeld, Hofen, Unterkochen, Unterrombach, Waldhausen und Wasseralfingen. Die Rundbögen beziehen sich auf das Stabsgebäude des Reiterkastells auf der Westwand. Achtung, Verwechslungsgefahr: Der Boden, der sich unter dem Säulengang entlang zieht, ist dem Café Wunderlich entlehnt.

Das war es mit der dreiteiligen SchwäPo-Serie über "Das Haus in der Rittergasse 1". Auch die Ostseite birgt viele geschichtsträchtige Ereignisse. Überall sind Details zu entdecken und laden ein, das Haus immer und immer wieder zu betrachten, um sich mit der Geschichte Aalens zu beschäftigen.

Zahlen: Rund fünf Monate hat es von der Konzeption des Projekts Rittergasse Nr.1 hin zum fertigen Kunstwerk gebraucht. Die Beteiligten haben unterschiedliche Kunsttechniken angewendet: Holz- und Steinskulpturen, Glas- und Wandmalerei sowie Fresken und Fließmalerei. Insgesamt 20 000 Mosaiksteine wurden an der Hauswand verlegt. Auf der Bordüre, die entlang der Hausseiten verläuft, sind 149 Frauen und Männer abgebildet. Finanziert wurde das Projekt durch Online-Crowdfunding und die Stadt Aalen, außerdem gab es zahlreiche Sachspenden von Firmen, Bars und Restaurants. Viele der Ornamente, die sich an der Fassade wiederfinden, sind inspiriert von Gebäuden aus Aalen.

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