„Zusammen sind wir das Welland“

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Auf der Grenzlinie zwischen Dewangen und Fachsenfeld: Die beiden Ortsvorsteherinnen Andrea Zeißler (l.) und Sabine Kollmann verfolgen gemeinsame Ziele für ihr Welland. Foto: UW
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Warum Andrea Zeißler und Sabine Kollmann, die Ortsvorsteherinnen von Dewangen und Fachsenfeld, im Aalener Rathaus fast immer im Doppelpack auftreten.

Aalen

Ihr Markenzeichen: Sie treten fast immer im Doppelpack auf. Es gibt kaum eine öffentliche Sitzung des Aalener Gemeinderats, die nicht von Andrea Zeißler (56) und Sabine Kollmann (58) interessiert begleitet wird - oder zumindest von einer der beiden. Dabei sind die beiden gar keine Gremiumsmitglieder. Aber sie sind Ortsvorsteherinnen. Andrea Zeißler in Dewangen, Sabine Kollmann in Fachsenfeld.

Gemeinsam verstehen sie sich als Interessen-Vertreterinnen des gesamten Wellands. „Zusammen sind wir - Dewangen und Fachsenfeld - 7000 Einwohnerinnen und Einwohner. Das sind zehn Prozent der Aalener Bevölkerung“, stellen sie fest.

Die Ortsvorsteherinnen verbindet einiges. Beide haben ihre Ohren eigenen Angaben zufolge jederzeit nah am Bürger; beide wollen sich mit ihren Ideen für die Gestaltung des Lebens an ihrem Ort vernetzen, „damit ein Besuch unseres Wellands auch für Nicht-Aalener interessant wird“. Ihr gemeinsames Motto: „Das Welland wächst zusammen.“

Und beide sind als vormalige Ortschaftsrätinnen gewissermaßen von heute auf morgen ins kalte Wasser geworfen worden. Andrea Zeißler 2019 als Amtsnachfolgerin für ihren Vorgänger Eberhard Stark, der damals aus beruflichen Gründen von seiner Position als Ortsvorsteher zurücktrat; Sabine Kollmann für Jürgen Opferkuch, der Ende 2021 aus Altersgründen von seinem Amt zurückgetreten war.

Redakteurin Ulrike Wilpert hat mit ihnen in einem Doppelinterview über gemeinsame Ziele- gesprochen, über Schnittstellen und was die eine der anderen neidet.

Frau Zeißler, Sie sind gebürtige Hofherrnweilemerin, Ihre Amtskollegin Sabine Kollmann hingegen ist ein Nordlicht aus dem nordrhein-westfälischen Isarlohn. Gibt es da Verständigungsschwierigkeiten?

Andrea Zeißler: Damit haben wir keine Probleme (lacht). Sabine Kollmann ist immerhin schon 24 Jahre im Schwabenländle und in Fachsenfeld längst eingebürgert. Und sie kann auch ein bisschen Schwäbisch: „alleweil“ und „heidanei“.

Was verbindet Sie beide?

Sabine Kollmann: Unsere Aufgabe. Als ich in Fachsenfeld Ortsvorsteherin geworden bin, habe ich plötzlich eine ganz neue Wahrnehmung für meinen Ort bekommen. Ich sehe den Ort seither wie ein Kind, das man hegen und pflegen muss. So dass auch Nicht-Aalener Lust bekommen, in unsere Ortsteile zu fahren.

Andra Zeißler: Für uns beide stehen die Entwicklungen in beiden Ortschaften im Vordergrund. Wir wollen unsere Orte schöner gestalten. Und dazu müssen wir wissen, was in der Stadt läuft. Darum versuchen wir, Gemeinderatssitzungen in Aalen immer mit unserer Anwesenheit zu begleiten.

Das setzt aber auch aktive Bürgerbeteiligung voraus ...

Zeißler: Das ist unser Tagesgeschäft. Ich gehe durch meinen Ort und werde laufend angesprochen. Jeder hat etwas auf dem Herzen. Das ist Bürgerbeteiligung. Und das ist das Schöne. Was ich nach außen transportieren will: Wenn man sich als Ortsvorsteherin intensiv mit den Themen befasst, kann man dann gleich eine aufklärende Antwort geben.

Kollmann: Ansprechbar sein für die Bürger am Ort. Dazu braucht es kein großes Verwaltungswissen; aber die Nähe zu den Menschen. Wissen, was sie auf dem Herzen haben.

Gibt es Schnittstellen zwischen Dewangen und Fachsenfeld?

Zeißler: Die Jugendarbeit ist einer dieser gemeinsamen Berührungspunkte. Die Stadt Aalen hat eine hauptamtliche 0,6-Prozent-Stelle für eine gemeinsame professionelle Jugendbetreuung in Dewangen, Fachsenfeld und Ebnat geschaffen. Ab Oktober wird unseren Orten damit eine Fachkraft zur Seite gestellt, die sich jeweils ein Mal in der Woche mit den Jugendlichen zusammensetzt. Wichtig ist uns in Dewangen, dass wir in unserer Dewanger Jugendorganisation (DJO) einen sauberen Altersklassenwechsel hinbekommen. Denn die, die in der DJO das Sagen haben, sind inzwischen schon alle über 20 Jahre alt.

Kollmann: Und in Fachsenfeld haben wir das Ziel, dass unser Jugendangebot künftig mehr von der breiten Bevölkerung getragen wird. Und nicht mehr nur wie bisher von der Kampfgemeinschaft der Ringer Fachsenfeld-Dewangen.

An beiden Orten fehlt ein Hausarzt. Die Stadt hatte eine Marketingkampagne gestartet. Gibt es Neuigkeiten?

Zeißler: Es hat sich immer noch kein Nachfolger für Dr. Mardo gefunden. Wir brauchen aber auch eine entsprechende Örtlichkeit für eine Arztpraxis in Dewangen. Als Dr. Mardo vor rund sechs Jahren seine Praxis Hals über Kopf aufgegeben hat, haben wir verzweifelt versucht, den Arztsitz im ersten Obergeschoss der VR-Bank-Filiale zu erhalten. Inzwischen wurde die ehemalige Praxis umgebaut in eine Wohnung und ist längst vermietet.

Kollmann: In Fachsenfeld ist es ähnlich. Die Praxisimmobilie von Dr. Musold wurde verkauft an privat. Aber uns ist es ganz gleich, ob sich ein Arzt jetzt in Dewangen oder in Fachsenfeld niederlässt. Uns ist nur wichtig, dass sich wenigstens in einem unserer beiden Orte ein Hausarzt niederlässt. Seither versuchen unsere Bürgerinnen und Bürger in Arztpraxen in Essingen, Hüttlingen oder dem MVZ in Aalen unterzukommen. Aber viele haben noch immer keinen neuen Hausarzt gefunden, der sie als Patient aufnimmt.

Soll ein Teilort attraktiv bleiben, braucht es auch Bauplätze. Gibt es in Dewangen und Fachsenfeld ausreichend davon?

Zeißler: Es gibt zwar diverse Baulücken in Dewangen, die wir schließen wollen. Aber alle sind in privater Hand und im Moment verkauft keiner. Als wir im vergangenen Jahr zwei Bauplätze verkauft haben, hatten wir allein für einen Platz 20 Bewerber. Darum ist unser Wunsch, dass wir das Baugebiet Birkäcker entlang der Treppacher Straße entwickeln. Grundstücksverhandlungen sind im Gange. In einigen unserer Wohngebiete - im Krähenfeld, im Schwarzfeld und im Scheurenfeld - hat der Generationenwechsel schon begonnen. Wenn ein Haus zum Verkauf steht, ist es ratzfatz weg.

Kollmann:Wie Dewangen gibt es auch in Fachsenfeld keine städtischen Bauplätze mehr. Als Neubaugebiet ist „In der Steine“ im Gespräch. Die Stadt hat schon zwei Drittel der Fläche aufgekauft. Ein weiteres Drittel gehört der Schlossstiftung.

Gibt es etwas, um das Sie sich in ihren jeweiligen Orten gegenseitig beneiden?

Zeißler: Ich neide Fachsenfeld in der Tat die bessere Infrastruktur. Fachsenfeld hat eine Gaststätte, eine Pizzeria, einen Metzger, einen Lebensmitteldiscounter, einen Bäcker und einen kleinen Cafébetrieb. Wir in Dewangen haben nichts mehr - außer - zum Glück - den Welland-Markt.

Kollmann: Ich neide den Dewangern ihre größere Gemarkung und ihr entsprechend größeres Entwicklungspotenzial. Andererseits aber sind 27 Höfe beziehungsweise Teilorte schon sehr viel. Und ich sehe, dass meine Dewanger Kollegin da gehörig zu tun hat.

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