Zwei Tage länger Weihnachtsferien

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Schule aus, wir geh'n nach Haus – eigentlich. Um zwei Tage längere Weihnachtsferien könnten für eine kurze Quarantäne genutzt werden. Sie stellen aber auch Schulen und Eltern vor die Herausforderung der Betreuung. Symbolfoto/Montage: Adobe Stock/ca
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Aalener Schulen sehen die Lernziele durch längere Ferien nicht in Gefahr. Auch die Betreuung könne gesichert werden. Die Frage ist: Was bringt diese Maßnahme?

Aalen

Hilfe, es weihnachtet sehr – in weniger als einem Monat ist es so weit und Weihnachten steht vor der Tür. Eigentlich ein Grund zur Freude, Zeit für Besinnlichkeit, Zeit für die Familie. Eigentlich. In diesem Jahr steht Weihnachten unter keinem allzu guten Stern, die Coronapandemie macht auch vor dem Fest keinen Halt.

Im Gegenteil – der Lockdown-Light zeigt weniger Wirkung als erhofft und soll verlängert werden. Doch der Bund versucht, Familien ein besinnliches Fest im engsten Kreise ermöglichen zu können. Jetzt wird eine Maßnahme laut, die zu einer gemeinsamen Feier verhelfen soll: Die Schüler bleiben länger zu Hause, gehen schon ab dem 18. und nicht erst ab dem 22. Dezember in die Weihnachtsferien.

Die Tage bis Heiligabend sollen genutzt werden. Oder besser: ungenutzt bleiben. Die Kinder und Jugendlichen sollen zu Hause bleiben, die sozialen Kontakte aufs Minimalste beschränken, um so das Risiko an den Weihnachtstagen zu verringern – gerade, wenn auch Oma und Opa mit am Tisch sitzen.

Das sagt der Schulleiter: "Landesweit gesehen ist diese Maßnahme sicher ein Baustein, in möglichst vielen Familien infektionslos, oder mit weniger Risiko Weihnachten zu feiern", findet Michael Weiler, Schulleiter des Kopernikus-Gymnasiums. Als das Thema vor ein paar Wochen aufkam, war der Aalener Rektor aber zuerst skeptisch. War es zu diesem Zeitpunkt den Schulen freigestellt, ihre Weihnachtsferien vorzuziehen, stellte sich Weiler die Frage: "Machen da alle Schulen mit? Denn diese Maßnahme bringt nur etwas, wenn sich alle beteiligen." Zudem bringe die vorgezogene Maßnahme nur etwas, wenn die Schüler auch zu Hause blieben. "Der vorgezogene Ferienbeginn macht nur dann Sinn, wenn sie nicht dazu genutzt werden, viele andere zu treffen." Das liege dann aber in der Verantwortung der Eltern.

Das sagt der Elternbeiratsvorsitzende: Skeptisch zeigt sich auch der Elternbeiratsvorsitzende Wolfgang Schmidt. "Meine Frage ist, was bringen die zwei Tage wirklich?" Vom Schulischen mache es sicher nichts aus, für Eltern seien es eben zwei Tage, für die man noch für Betreuung sorgen müsse. Auch eine Art Notbetreuung sei sicher diskutierbar. Aber das Problem liege woanders: "Meinem persönlichen Eindruck nach wurde während der Sommermonate an höherer Stelle verschlafen, für den Fall vorzusorgen." Man habe aus den Erkenntnissen nichts gelernt, finde keinen Alternativweg, sondern versuche es mit den selben Maßnahmen immer aufs Neue.

Es macht nur Sinn, wenn die Tage nicht dazu genutzt werden, viele andere zu treffen.

Michael Weiler Schulleiter Kopernikus-Gymasium

Maßnahmen infrage gestellt

Das Problem seien auch weniger die Schulen. "Das Problem sind die Schulbusse", so Schmidt. Die seien vor und nach den Unterrichtszeiten so voll, "da kann man an den Schulen noch so viel machen". Corona mache vor dem Schulbus keinen Halt und die Nachvollziehbarkeit sei ebenfalls schwierig.

Michael Weiler bekräftigt, dass der Sicherheitsstandard an Schulen konsequent hoch gehalten wird – Abstand, Maske tragen, Lüften, getrennte Pausen. "Es macht nur dann Sinn, wenn auch außerhalb der Schule die Maßnahmen so konsequent eingehalten werden."

Die zwei Tage hält der Rektor aus schulischer Sicht für verzichtbar. "Unter Corona ist dieses Jahr sowieso alles anders", so Weiler. Normalerweise sind die Schultage unmittelbar vor Weihnachten für Projektgruppen, Feste, Konzerte und den Gottesdienst gedacht. Klausuren würden, außer in der Oberstufe, sowieso nicht auf diese Tage vor Weihnachten gelegt.

Das meint das Staatliche Schulamt Göppingen: Diese sieht es ebenfalls nicht allzu tragisch, die Ferien vorzuziehen: "Die zwei Tage lassen sich geschickt einsetzen und nutzen wie Brückentage", sagt Jörg Hofrichter, der leitende Schulamtsdirektor. Und er versichert: "Dadurch, dass die zwei Tage für Feste, Feiern und Klassenlehrerstunden genutzt werden, fällt somit nichts weg, was die Lernziele in Gefahr bringt." Man dürfe bei allem nicht vergessen, dass die Lehrkräfte an den Schulen vor Ort sind. Bei Bedarf könnte es also eine Notbetreuung geben. Kein Schüler werde im Regen stehen gelassen. "Hier müssen alle Schulleiter Sorge tragen."

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