Zweimal geimpft – und doch kein voller Impfschutz

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Für die Aalenerin Petra Pachner haben Verzögerungen bei der Zulassung des Impfstoffs der Firma Curevac kuriose Folgen.

Aalen

Zweimal geimpft. Voller Impfschutz gegen Corona. Wer den hat, gehört zu den Glückspilzen. So denken viele. Die Aalenerin Petra Pachner ist zweimal geimpft – und doch nützt ihr das so gut wie nichts.

Die Vorgeschichte: Im Dezember vergangenen Jahres startete die Universität Tübingen eine weltweite Studie zum neu entwickelten Corona-Impfstoff des Tübinger Unternehmens Curevac, unter anderem am Tübinger Institut für Tropenmedizin. Solche Studien sind unter anderem erforderlich, um die offizielle Zulassung für einen Impfstoff durch die Europäische Arzneimittelbehörde zu bekommen.

Petra Pachner

Im November stellte sich Petra Pachner als Versuchsperson der Studie zur Verfügung. „Mir war klar, dass wir nur dann schnell aus der Pandemie rauskommen, wenn wir wirksame Impfstoffe haben und sich genügend Menschen impfen lassen. Und dazu wollte ich meinen Teil beitragen.“

Die gelernte Krankenschwester las sich ein in Impfstoffe, ihre Entwicklung, Risiken und Nebenwirkungen. Von den begleitenden Ärzten der Impfstudie habe sie auf alle Fragen umfassend wissenschaftlich fundierte Antworten bekommen, berichtet sie.

Die Impfung: Am 8. Januar dieses Jahres bekam sie als Probandin Nummer 457 die erste und vier Wochen später, am 3. Februar, die zweite Spritze. Was wirklich drin war, wusste sie nicht: In der Studie wird der einen Hälfte der Versuchspersonen der neu entwickelte Impfstoff, der anderen Hälfte aber Kochsalzlösung gespritzt. Die Auswahl erfolgt nach dem Zufallsprinzip und bleibt geheim, um die Betroffenen nicht zu beeinflussen.

Nach der Impfung musste die 53-Jährige Tagebuch führen, ihren Gesundheitszustand täglich ans Tropeninstitut melden. Tatsächlich ging es ihr vergleichsweise gut, abgesehen von etwas Kopfweh und dass sie sich schlapp fühlte. „Aber ich war mir nicht sicher, vielleicht hatte ich auch einfach zu viel gearbeitet.“

Die Hiobsbotschaft: Vergangene Woche dann die Nachricht, die bundesweit für Schlagzeilen sorgte: Die Zulassung des Curevac-Impfstoffs durch die Europäische Arzneimittelbehörde verzögert sich. Statt wie erwartet im Juni, könnte der Impfstoff sogar erst im August grünes Licht bekommen, so der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha.

Die Folgen: So lange der Impfstoff nicht offiziell zugelassen ist, bekommen die geimpften Versuchspersonen auch keinen Eintrag in ihrem Impfpass. Wie andere Teilnehmer der Studie kann Petra Pachner ihren Impfstatus also nicht offiziell dokumentieren lassen. Sie hat inzwischen zwar eine schriftliche Bestätigung des Tropeninstituts bekommen, dass ihr zwei Mal Curevac injiziert wurde - und nicht die Kochsalzlösung -, doch das nützt ihr formal zurzeit nichts.

Und nun die große Enttäuschung? „Gar nicht. Ich habe ja gewusst, dass ich mich auf einen Weg einlasse, der nicht berechenbar ist“, sagt die 53-Jährige, die im Landratsamt als Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung tätig ist. Sie sei sicher, dass die Zulassung komme, früher oder später. Bis dahin „verhalte ich mich eben so, als ob ich nicht geimpft wäre. Beziehungsweise so wie viele andere, die dringend auf einen Termin warten“, schildert sie. Das bedeutet: Sie lässt sich testen, trägt bei Besprechungen Mundschutz, achtet auf Abstand, Hygiene und Desinfektion. Pachner: „Damit kann ich gut leben.“ Privat oder beruflich habe sie ohnehin keine größeren Vorhaben oder gar eine Reise geplant, was deshalb nun auf der Kippe stehen könnte.

Sie sei dankbar, dass sie und ihre Familie bisher gesund durch die Pandemie gekommen sei. Und mit der Entscheidung, an der Studie teilzunehmen, „geht es mir immer noch sehr gut“.

Bea Wiese

Die Verzögerung: Die Firma Curevac hat bisher nicht ausreichend Datenmaterial an die Europäische Arzneimittelbehörde EMA geliefert. In den Kontrollgruppen der medizinischen Studie hätten sich zu wenige Probanden mit Corona angesteckt, so eine Unternehmenssprecherin gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Bislang seien 59 Corona-Fälle aufgetreten, benötigt würden aber 160 unter den knapp 40 000 Probanden. Interne Lieferprognosen der Bundesregierung waren davon ausgegangen, dass bis Ende Juni 1,4 Millionen Impfstoffdosen von Curevac geliefert werden können, bis Ende September 9,4 Millionen.

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