Zwischen Frust und Freude

  • Weitere
    schließen
  • schließen
  • Janika Debler
    Janika Debler
    schließen

Friseure dürfen am 1. März öffnen. Neben Erleichterung gibt es auch Zweifel. Frust hingegen bei Handel und Gastronomie.

Aalen

Die Telefone in den Friseurgeschäften stehen nicht mehr still. Viele Kunden wollen schnellstmöglich einen Termin ab dem 1. März; ab dem Tag, an dem die Friseure wieder öffnen dürfen. Immerhin ein Lichtblick, den Bund und Länder beim Corona-Gipfel am Mittwoch beschlossen haben. Und: Grundschulen öffnen schrittweise ab dem 22. Februar. Natürlich alles nur, wenn die Zahl der Infektionen nicht wieder in die Höhe schnellt.

Diese beiden Lockerungen bleiben aber vorerst die Ausnahme. Grundsätzlich wurde der Lockdown bis zum 7. März weiter verlängert. Weitere Lockerungen für Einzelhandel und Co. sollen erst ab einer "stabilen" Sieben-Tage-Inzidenz von 35 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner erfolgen. Für die Gastronomie und Freizeitbranche sind bislang keine Pläne bekannt.

Friseure: Für Bernd Bäuerle, Obermeister der Friseurinnung Aalen, ist der Beschluss noch kein richtiger Lichtblick. Er geht die Sache eher verhalten an. "Ich werde mich hüten, gleich Termine zu vergeben und warte lieber noch ein paar Tage ab", sagt er. Und das empfehle er auch seinen Kollegen. Erst, wenn er vom Wirtschaftsministerium das offizielle "Go" hat, glaube er wirklich an eine Öffnung ab 1. März. Termine seien dann schnell ausgemacht.

Für eine Öffnung der Friseurbetriebe appelliert Bäuerle schon lange. Er versichere, dass es im Altkreis Aalen bislang keine einzige Coronanachverfolgung in einem Friseurbetrieb gegeben habe. Mit Sorge betrachtet Bäuerle eine ganz andere Zahl im Altkreis: Seit März vergangenen Jahres habe es zehn Geschäftsschließungen gegeben. Ob das allein Corona geschuldet sei, könne er nicht.

Jutta Grames, Obermeisterin der Gmünder Friseurinnung, sieht die Öffnung dagegen als klare Zusage: "Endlich Licht am Ende des Tunnels", sagt sie. Auch mit einigen Kollegen habe sie bereits gesprochen. Sie wollen alle Termine vergeben.

Dass andere Branchen nun mit Neid auf die Friseurbetriebe schauen, könne sie durchaus verstehen. Man müsse aber auch hinter die Kulissen blicken. Bleiben die Friseurbetriebe geschlossen, werde es immer mehr Schwarzarbeit geben. "Und da werden die Hygienemaßnahmen im Gegensatz zum Salon sicher nicht ausreichend berücksichtigt."

Die Frustration ist noch größer geworden.

Dagobert Hämmerer Dehoga-Kreisvorsitzender

Gastronomie: Für die Gastronomie habe sich eigentlich mal wieder nichts geändert, sagt der Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, Dagobert Hämmerer. Im Gegenteil: "Die Frustration ist noch größer geworden." Während man vor Kurzem noch von Lockerungen bei einer Inzidenz unter 50 ausging, sei der Grenzwert nun auf 35 gesunken. Doch die Gastronomie werde bei Lockerungen nicht einmal mehr erwähnt, so Hämmerer. "Wir verlieren langsam das Vertrauen in die Regierung", sagt er.

Seit 2. November ist die Gastronomie nun im Lockdown. Von den zugesagten Finanzhilfen komme nichts an. Die letzte Hilfe war eine kleine Abschlagszahlung im Dezember. Und sogar die habe nur eine handvoll Betriebe erhalten. Bis das nächste Geld fließe, sei die Gastronomie richtig kaputt, sagt der Dehoga-Kreisvorsitzende. Hämmerer schaut wenig optimistisch in die Zukunft: Zu den 15 Betrieben im Ostalbkreis, die coronabedingt schließen müssen, werden noch einige dazu kommen. Viele Mitarbeiter werden in andere Branchen abwandern. "Sie sind alle fassungslos".

Handel: "Ich freue mich, dass Friseure wieder öffnen können. Die Enttäuschung für den Handel ist aber sehr groß. Jeder sehnt sich danach, endlich wieder öffnen zu dürfen", sagt Aalens Citymanager Reinhard Skusa. Gehofft habe er, dass der Einzelhandel zumindest ab dem 1. März öffnen könnte. Die Voraussetzungen, auch unter weiteren Auflagen die Geschäfte zu öffnen, sind laut dem Citymanager gegeben.

Wie Dagobert Hämmerer stört sich Skusa an der neuen Richtlinie des Inzidenzwertes. "Das ist eine willkürliche Entscheidung", sagt Skusa frustriert. Denn der Handel sei laut Studien nicht Pandemietreiber. "Irgendwann muss auch mal Schluss sein. Die Einzelhändler haben einen richtig guten Job gemacht und Hygienekonzepte umgesetzt", sagt er. Zudem stünden viele Betriebe nun vor dem Dilemma, dass ihre Ware nichts mehr Wert sei. "Im Sommer möchte niemand mehr eine warme Winterjacke kaufen. Die Händler bleiben nun auf ihrer Ware sitzen,", sagt Skusa.

Ergebnisse aus dem Corona-Gipfel

Lockdown: Grundsätzlich werden die bisherigen Maßnahmen bis 7. März verlängert.

Ausgangssperre: Seit diesem Donnerstag ist die Ausgangssperre von 20 Uhr bis 5 Uhr aufgehoben. Der Verwaltungsgerichtshof in Baden-Württemberg hat sie gekippt.

Ausnahmen: Ab Montag, 22. Februar, sollen Grundschulen und Kitas schrittweise geöffnet werden. Friseurbetriebe dürfen unter strengen Hygienemaßnahmen ab Montag, 1. März, öffnen.

Öffnungsschritte: Bei einer stabilen 7-Tagesinzidenz von 35 sollen Einzelhandel, Museen und Galerien sowie Betriebe mit körpernahen Dienstleistungen wieder öffnen können.

Corona-Gipfel: Die nächste Konferenz zwischen den Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel ist für den 3. März geplant.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

WEITERE ARTIKEL