Straßenblockade in Aalen: trotz Klebstoff kaum Stau

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Zu Beginn staut sich der Verkehr noch in der Julius-Bausch-Straße in Aalen. Schnell wird die Polizei Herr der Situation und leitet um. Zum Riesenchaos kommt es nicht.
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Am Donnerstag blockieren sechs Klimaaktivisten die Julius-Bausch-Straße, zwei von ihnen kleben sich im Lauf der Aktion auf die Fahrbahn. Das Verkehrschaos bleibt jedoch aus.

Aalen. Die Temperaturen liegen unter dem Gefrierpunkt, als Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ am Donnerstagmorgen ihre zweite Aktion in Aalen starten. Um 7.15 Uhr blockieren sechs Aktivisten die Julius-Bausch-Straße an der Kreuzung beim Landratsamt, Autos und Busse können nicht weiterfahren. Doch bereits kurz darauf ist die blockierte Straße wie leer gefegt. Zu einem Verkehrschaos kommt es nicht, die Aktivisten halten dennoch an ihrem Standpunkt fest. 

Konfrontationen zwischen den Aktivisten und betroffenen Verkehrsteilnehmern bleiben nicht aus. Ob "die sich hingeklebt haben", möchte ein Autofahrer wissen, der direkt auf die Aktivisten zugeht. Und nicht begeistert scheint. "Schluss mit dem Scheiß", schimpft er. Der Mann ist nicht der einzige, der nicht begeistert von der Aktion ist. Weitere Personen gehen direkt auf die Aktivisten zu, eine Fahrerin fährt nahe auf einen der Demonstranten zu. Busse, die im Stau stehen, lassen ihre Fahrgäste aussteigen, andere Verkehrsteilnehmer äußern ihren Frust über die Hupe.

Kurz nach Beginn der Aktion, gegen 7.25 Uhr trifft die Polizei mit mehreren Streifen und einem Anti-Konflikt-Team ein. Zwei Aktivisten kleben sich bei Ankunft der Beamten mit Sekundenkleber auf die Fahrbahn. Einer von ihnen ist für die Polizisten kein Unbekannter: Frieder Zürcher klebte bereits im vergangenen November bei einer ähnlichen Aktion auf der B 29. Die Polizei sucht das Gespräch mit den Aktivisten und sorgt dafür, dass der betroffene Verkehr umgeleitet wird. Nur kurze Zeit später haben bereits alle Autofahrer umgedreht. 

7.46 Uhr. Ein Beamter des Ordnungsamts hat die Versammlung aufgelöst. Immer noch kleben zwei der sechs Aktivisten auf der Fahrbahn. Nun müsse medizinisches Fachpersonal her, um die beiden Festgeklebten von der Straße zu kriegen. Ob die Demonstrierenden enttäuscht sind, wegen des umgeleiteten Verkehrs? "Wir messen unseren Erfolg nicht an der Länge des Staus", sagt Aktivist Zürcher. Es gehe darum, Aufmerksamkeit für die Sache, den Klimaschutz, zu schaffen.

Wer sind die Aktivisten?

Insgesamt acht Demonstrierende sind am Donnerstagmorgen vor Ort, sechs davon auf der Straße, zwei davon unterstützend am Rande. Nicht alle kommen unmittelbar aus der Gegend. Teilweise seien sie aus Stuttgart, Schorndorf oder Nürtingen angereist. Alterstechnisch reicht die Spanne von 26 bis 79 Jahre. 

Rettungskräfte der Malteser haben mittlerweile die klebenden Aktivisten von der Straße gelöst, die Versammlung ist durch das Ordnungsamt aufgelöst. Dennoch blockieren sie noch immer die Straße. Polizeieinsatzleiter James Smith lässt den Aktivisten um circa 8.30 die Wahl: freiwillig aufstehen oder von der Polizei von der Straße begleitet, im Zweifel getragen werden. Zwei gehen tatsächlich freiwillig, zwei weitere werden begleitet, die übrigen beiden werden von Beamten von der Straße getragen. "Bedingt kooperativ", nennt Polizeisprecher Holger Bienert die Aktivisten. Zwar kämen sie den Aufforderungen, die Straße zu räumen, nicht nach, jedoch seien sie friedlich und man könne mit den Demonstrierenden sprechen. "Wir sehen das relativ entspannt." 

Auch zwei Passanten, nach eigenen Angaben Auszubildende, sind am Donnerstagmorgen vor Ort und beobachten das Geschehen. "Ich halte auf keinen Fall was davon", betont einer der jungen Männer, bei der Frage, wie er zu derartigen Aktionen stehe. Sein Kollege räumt ein: "Mann muss schon etwas tun." Aber für ihn gebe es richtige und falsche Wege. "Keiner der Autofahrer wird sich so überzeugen lassen", meint er, "die sind danach eher noch mehr dagegen". 

Ursprünglich hätte der Berufsverkehr in Aalen bereits am Montagmorgen blockiert werden sollen. Die Aktivisten haben die Aktion jedoch mangels Klebstoff und anderer Ausrüstung kurzfristig abgebrochen.

Erste Aktion im November auf der B29

Im November vergangenen Jahres hatten sich Aktivisten der "Letzten Generation" bereits auf die B 29 zwischen Essingen und Aalen geklebt. Ein Urteil gegen die Aktivisten vom vergangenen Mal gibt es noch nicht. Laut dem Ersten Staatsanwalt Dr. Klaus Schwichtenberg vom Ellwanger Amtsgericht lautet der Tatbestand "Nötigung". Sollte der Vorwurf erwiesen werden, droht den Aktivisten eine Strafe von bis zu drei Jahren Haft oder eine Geldstrafe, so Schwichtenberg. Bei einem Bürger, der noch nicht vorbestraft sei, werde aber in der Regel eher eine Geldstrafe verhängt. Die Tagessätze würden individuell bestimmt und könnten bis zu 360 Tagessätze betragen. „Wir entscheiden aber nicht, wir beantragen nur“, so der Staatsanwalt.

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Der Sekundenkleber, mit dem sich die Aktivisten auf der Fahrbahn festgeklebt haben.
Einsatzleiter und Chef des Aalener Polizeireiviers James Smith lässt den Aktivisten die Wahl: freiwillig gehen oder von der Polizei von der Straße geleitet werden.

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