Täglich „Corona und Boriss“

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Das Duo im täglichen Videoclip: Siggi Feil spielt die Corona (rechts) und seine Frau Inge Grein-Feil schlüpft dafür in die Rolle von Boriss, Coronas Mann.
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Inge Grein-Feil, Vorsitzende von „Freunde schaffen Freude“, und ihr Ehemann Siggi wollen mit eigenen Videoclips täglich Lebensfreude vermitteln.

Aalen

Wir leben wie in einer Art Notstandszeitalter“, sagt Inge Grein-Feil. „Wenn mal der Spuk vorüber ist, braucht man solche Gruppen wie die unsere mehr denn je“, vermutet die 75-Jährige. „Denn Einsamkeit wird das große Thema bleiben.“

Vor immerhin schon 37 Jahren, 1984, hat die gebürtige Aalenerin zusammen mit ihrem Ehemann Siggi Feil die Aktion „Freunde schaffen Freude“ (FsF) gegründet, einen eingetragenen Verein. Das Ziel von FsF ist, Menschen vom Rand zurück in die Mitte zu holen, Not zu lindern, zu unterstützen, auch Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung und psychisch Kranke. Jedoch nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu bestehenden Einrichtungen. „Am liebsten soll Lebensfreude vermittelt werden“, sagt Inge Grein-Feil.

In ihrem Wohnort in Dischingen sei zu diesem Zweck auch die „Arche“ entstanden, eine soziokulturelle Begegnungsstätte. Die stehe in „normalen Zeiten“ für alle Menschen offen, die sich treffen wollen. Der Verein habe vor Covid-19 dort auch ein Jahresprogramm mit namhaften Kunst- und Kulturschaffenden angeboten. „Dass die Kultur jetzt allerorts brach liegt, ist ein Elend.“

Um zu verhindern, dass die „Freunde“ in dieser Situation vergessen werden, haben Inge Grein-Feil und ihr Siggi vor einem Jahr eine „Retro-Comedy-Serie gestartet. „Wir beide sind Klinikclowns und Theaterpädagogen, die Idee stammt in Wort und Bild von uns“, sagt die FsF-Vorsitzende. „Täglich stellen wir einen Video-Clip auf YouTube.“ „Corona und Boriss“ heißen die fiktiven Hauptprotagonisten.

Wie die Video-Clips entstehen

Inge Grein-Feil erzählt: „Siggi spielt die Corona, eine junge Frau. Und ich spiele ihren Mann, den Boriss. Vor jeder Aufnahme sprechen wir das Thema ab, manchmal spielen wir in unsere Clips auch Gastbeiträge von prominente, regionalen und überregionalen Leuten ein.“ Jedes Video beginnt mit einer munteren Melodie. Inge Grein-Feil: „Und dann sagt Corona jedes Mal 'heute ist ein schöner Tag', worüber sich Boriss meistens aufregt.“ Oft gespickt mit unqualifizierten Kommentaren und in gebrochenem Deutsch. Corona reagiere darauf „weiblich sehr gewitzt“. Alles andere in den folgenden Filmminuten sei „Impro“.

In manchen der heiteren YouTube-Clips spielt Inge dann übrigens auch noch den Sohn „Hägi“, „einen voll coolen Mopedrocker“, wie die 75-Jährige erläutert. Und der habe eine Freundin übers Internet kennengelernt: Oslinde B., 32, Reinigungskraft in einem Schweigekloster, gespielt von Siggi Feil. Die weiteren Rollen des Theaterpädagogen-Ehepaars in dem Video wollen wir an dieser Stelle nicht verraten.

Seit 1984 an MS erkrankt

„Wir teilen Zeit, Liebe und Herz miteinander“, beschreibt Inge Grein-Feil ihre Beziehung mit ihrem neun Jahre jüngeren Mann Siggi. „Freunde schaffen Freude“ sei seit 1984 auch ein gemeinsames Projekt. Damals sei sie an Multipler Sklerose (MS) erkrankt, einer chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. „Damals hat mein Mann gemeint, ich solle nicht ständig über das quasseln, was ich nicht kann“, erzählt die quirlige Frau. Statt sich dauernd um ihre MS zu kümmern, hätten sie und Siggi deshalb die „integrativen Freunde“ ins Leben gerufen.

Aalener Gruppe der „Freunde“

„Seitdem gibt es auch die Aalener Gruppe, die sich in den Räumlichkeiten des DRK etabliert hat.“ Der Treffleiter, Sozialpädagoge Wolfgang Klaschka, ist beim DRK haupt- und bei die „Freunden“ ehrenamtlich tätig. „Unsere stellvertretende ehrenamtliche Treffleiterin ist Alexandra Argauer“, erzählt Inge Grein-Feil weiter. „Das ist die Tochter von Helmut Argauer“, ehemals Chef des Gmünder Polizeireviers. Der Aalener Treff sei aber im Vergleich zur „Arche“ eine ruhigere Angelegenheit, „mit eher älteren Menschen, die sich jedoch sehr begeistert einbringen.“

Bittere Zwangspause

Sie erzählt weiter: Die einjährige Zwangspause sei sehr bitter für sie alle. „Täglich erreichen mich traurige Anrufe unserer zumeist alleinlebenden Treff-Freunde. Die Ältesten, bis vor einigen Jährchen sehr aktive Mitglieder sind Klara Argauer und Ursula Raschke mit weit über 90 Jahren.“

Trotzdem Freude bereiten

Inge Grein-Feil hat Humor und Zuversicht nicht verloren. Wenn sie gerade keine neue Folge von „Corona und Boriss“ produziere, sitze sie natürlich trotzdem nicht untätig daheim. Sie habe unzählige Einzelkontakte per Telefon, Blumengruß und Briefen, auch zu Menschen in Heimen im Ostalbkreis. Sie kümmere sich, wegen der MS, leider nicht „vor Ort“ wenn jemand „schlecht drauf“ ist. „Neulich konnten die „Freunde“ zwei Frauen in Pflegeheimen aufmuntern“, berichtet Inge Grein-Feil. „Sie sind nach Schlaganfall und Parkinson ungeheuer eingeschränkt.“ Mit Spendengeldern der Freunde habe man den Frauen je einen Laptop gekauft. „Jetzt erfreuen sie sich täglich auch an ‚Corona und Boriss’.“

Die Arche retten

Inge Grein-Feil hat sich ein weiteres Projekt vorgenommen: auf einem Videoportal mit tierischen Handpuppen unter dem Motto „Tiere retten die Arche“. Die 75-Jährige erzählt – auf ihr Alter angesprochen: „Ich habe noch viele Ideen für die nächsten Jahre. Denn Aufgeben darf jetzt den Menschen zuliebe keine Option sein!“

„Freunde schaffen Freude“ auf vielen Kanälen aktiv

Die Aktion „Freunde schaffen Freude e.V.“ besteht seit 1984. Vorsitzende ist Inge Grein-Feil. Kontakt per Telefon: (07327) 5405.

Infos über den Verein im Internet : www.fsf-ev.de

Alle Videosvon „Corona und Boriss“ auf Youtube unter: Freunde schaffen Freude

Spenden an den Verein sind möglich über die Bankverbindungen: Landesbank Baden-Württemberg, IBAN: DE51 6005 0101 0004 2002 08, BIC: SOLADEST600;

Kreissparkasse Heidenheim, IBAN: DE44 6325 0030 0000 8068 88, BIC: SOLADES1HDH;

Heidenheimer Volksbank, IBAN: DE97 6329 0110 0162 2000 05, BIC: GENODES1HDH.

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