Albaufstieg: Unterkochens Bürgerinitiativen gewappnet für die neue Diskussion

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Julia Kümmel und Karl Maier (v.l.), Vertreter der beiden Unterkochener Bürgerinitiativen gegen den Ausbau der Ebnater Steige. In ihrem Ziel unterstützt werden sie von Dr. Wolfgang Fähnle (r.) Foto: hag
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Seit über 45 Jahren führt Unterkochen einen bislang erfolglosen politischen Kampf um eine Verkehrsentlastung. Ab Montag wird neu diskutiert.

Aalen-Unterkochen

Ob er am Montag an der Bürgerinformation zum Albaufstieg teilnehmen wird, das weiß Karl Maier noch nicht so genau. Denn das Thema Albaufstieg bringt Unterkochens ehemaligen langjährigen Ortsvorsteher gewaltig in Harnisch. „Da hilft nicht einmal mehr ein Rosenkranzgebet“, sagt er.

Und dann holt Maier aus: „Wir in Unterkochen führen seit über 45 Jahren einen bislang erfolglosen politischen Machtkampf, in dem es um eine Verkehrsentlastung Unterkochens geht - also darum, den Verkehr von der Ebnater Steige wegzubringen und eine Alternativtrasse als Autobahnzubringer von der B19 auf die Alb zu finden“, sagt der 84-Jährige. Mit „Wir“ meint Karl Maier die Bürgerinitiative (BI) „Albaufstieg/Südzubringer“, die er 1975 mitbegründet hat.

Dass sich vor vier Jahren eine weitere BI gegen den Ausbau der Ebnater Steige formiert hat, zeigt, wie latent das Thema den Unterkochenern auf den Nägeln brennt. „Damals, im Jahr 2018, hatten wir ein bisschen Hoffnung geschöpft, dass der Ausbau der Ebnater Steige doch noch verhindert werden kann“, sagt Julia Kümmel, deren BI damals 1000 Unterschriften gegen den Ausbau der Ebnater Steige gesammelt hat.

Hinter beiden Initiativen steht ein harter Kern von Bürgerinnen und Bürgern, die alle gemeinsam ein einziges Ziel verfolgen: Den motorisierten Verkehr von der Ebnater Steige (L1084) wegzubringen und auf eine separate Albaufstiegstrasse südlich von Unterkochen zu verlegen. In den vergangenen Jahrzehnten wurden mehrere Trassenvarianten benannt, geprüft und aus unterschiedlichen Gründen nicht weiter verfolgt.

Klarer Favorit

Vor wenigen Jahren dann hat Kümmels Bürgerinitiative dem Regierungspräsidium die Pläne für einen klaren Favoriten vorgelegt: eine Tunnellösung, die den Verkehr beim Römerkeller durch einen etwa 2,5 Kilometer langen Tunnel hoch auf die Ebnater Nordumfahrung bringt, bzw. von dort ins Tal. Warum Untertunnelung? „Um einen Eingriff ins dortige Fauna-Flora-Habitat-Gebiet zu vermeiden und Tierkorridore zu erhalten“, benennt Julia Kümmel die vorrangigen Gründe. „Wir wollen keine zusätzliche Albaufstiegstrasse neben der Ebnater Steige. Wir wollen, dass die Ebnater Steige für den Individualverkehr stillgelegt wird.“ Der beste Fall, so Kümmel, wäre, die Ebnater Steige zurückzubauen, um eine Ausgleichsfläche zu gewinnen für den Bau der Alternativtrasse.

Ein Totschlagargument?

„Wenn ich aber jetzt höre, dass das Land die Planung bereits ausgeschrieben hat, ohne dass eine Vorzugstrasse offiziell benannt ist, bekomme ich Herzrhythmusstörungen“, bekennt Karl Maier. Hintergrund: Mitte September dieses Jahres war bekannt geworden, dass das Land ein Büro sucht für die Planung des zweistreifigen Neubaus der B29a zwischen der B19 Anschlussstelle Aalen-Unterkochen und dem Autobahnanschluss A7.

Und noch etwas bringt Maiers Blut in Wallung: Dass die vom Regierungspräsidium angekündigte Voruntersuchung der Varianten unter anderem auch den Ausbau der Ebnater Steige als eine Möglichkeit beinhalten soll. Karl Maier ahnt nichts Gutes: „Die immensen Kosten für die Tunnellösung werden das Totschlagargument für die von uns bevorzugte Variante sein“, befürchtet er. Julia Kümmel wird konkret: Der Verkehrsplaner gehe von geschätzten Kosten in Höhe von 110 Millionen Euro für die Tunnellösung aus.

An diesem Punkt schaltet sich Dr. Wolfgang Fähnle in die Diskussion ein. Er ist zwar nicht Mitglied einer der beiden Bürgerinitiativen, aber strebt dasselbe Ziel an. „Die großen regionalen Wirtschaftsunternehmen in Oberkochen bauen und erweitern, aber kümmern sich nicht um die nötige Infrastruktur“, moniert er.

Zwei Mal bereits hat der Unterkochener Ortschaftsrat in der Vergangenheit gegen den Ausbau der Ebnater Steige gestimmt. „Die Rufe der Unterkochener verhallten ungehört“, stellt Julia Kümmel fest. Sie gibt sich aber weiterhin kämpferisch: Wenn die Bestandstrasse tatsächlich den Zuschlag erhalten sollte, dann werde ihre BI rechtliche Schritte dagegen einleiten. Ihrer BI gehe es auch darum, dass die Sanierung der maroden B19-Kochertalbrücke nicht als Einzelmaßnahme geplant, sondern eingespeist wird in die Gesamtmaßnahme Albaufstieg. „Denn ansonsten fließt bei Abriss und Sanierung der Brücke der gesamte Verkehr über die Alte Heidenheimer Straße und die Aalener Straße durch Unterkochen.“

Günstiger als die Tunnellösung

Karl Maier gibt sich weiterhin als Verfechter der Variante 6f. Die 5,2 Kilometer lange offene Trasse vom Römerkeller zur A7 hoch wurde 1983 einschließlich einer Nordumfahrung für Ebnat festgelegt. Aus naturschutzrechtlichen Gründen aber hat sie 1999 der Aalener Gemeinderat aus der Fortschreibung des Flächennutzungsplans herausnehmen lassen. Maier: „Ich sage, die 6f-Trasse ist weiterhin möglich! Dieser 50 bis 100 Meter lange Eingriff in FFH-Gebiet kann durch eine Ausgleichsfläche kompensiert werden.“ Laut Maier gehen Fachleute von Kosten zwischen 60 bis 65 Millionen Euro aus. „Das wäre günstiger als eine Tunnellösung.“

90 Anmeldungen für die Bürgerinformation

Zu einer öffentlichen Bürgerinformationsveranstaltung lädt die Stadt Aalen am Montag, 7. November, um 19 Uhr in die Festhalle in Unterkochen ein. Rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben laut Stadtverwaltung bereits zugesagt. Dabei werden alle Rückmeldungen aus dem Beteiligungsprozess öffentlich präsentiert und das weitere Verfahren sowie die nächsten Schritte des mehrstufigen Prozesses erläutert. Im Januar 2023 sollen dann die wesentlichen Handlungsfelder öffentlich vorgestellt und diskutiert werden.

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