Albaufstieg: Zeitplan im Verzug

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Zone für den Albaufstieg zwischen Unterkochen und Oberkochen.
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Im Juni soll der Gemeinderat über ein Planungsbüro entscheiden. Warum das bisher noch nicht geschehen ist.

Aalen-Unterkochen 


Seit 45 Jahren wird in der Region über den Albaufstieg diskutiert. Gesucht wird eine alternative Trasse, auf der Fahrzeuge von der B19 bei Unterkochen hinauf aufs Härtsfeld und auf die A 7 fahren können. So soll Unterkochen und die Ebnater Steige vom Verkehr entlastet werden. 


Kurz nach seinem Amtsantritt Ende vergangenes Jahr hatte Oberbürgermeister Frederick Brütting angekündigt, die Diskussion noch einmal neu aufzurollen und dann endgültig einen Knopf dran zu machen. Ortschaftsräte und der Gemeinderat stimmten dem Plan zu. Drei Kernpunkte daraus: Bürgerinnen und Bürger werden beteiligt, ein Planungsbüro begleitet den Prozess und bis Ende 2022 fällt die Entscheidung für eine bevorzugte Trasse. 


Der Zeitplan sah damals vor, bis März ein Verkehrsplanungsbüro zu beauftragen, währenddessen schon Vorschläge von Bürgerinnen und Bürgern zu sammeln und im März oder April eine Einwohnerversammlung abzuhalten, bei der die verschiedenen Vorschläge vorgestellt werden sollen. Doch bisher ist weder das Büro gefunden, noch die Versammlung abgehalten. 


Dazu sagt die städtische Pressesprecherin Karin Haisch: „Das Arbeitsprogramm ist relativ komplex und so hat sich die Suche nach einem geeigneten Büro länger gestaltet als angenommen.“ Zu diesem komplexen Arbeitsprogramm gehören ihr zufolge die Moderation des Prozesses, Variantenuntersuchung und Verlagerungspotentiale inklusive Klimaschutzziel 2035. Hintergrund: Der Gemeinderat hat beschlossen, dass Aalen bis 2035 klimaneutral werden soll. 


Doch Karin Haisch gibt sich zuversichtlich, dass dem Gemeinderat noch im Juni Angebote von Fachbüros unterbreitet werden können, sodass das Gremium sich entscheiden kann. „Danach kann es dann losgehen“, sagt Karin Haisch. 


Anschließend, so sagt die Pressesprecherin, werde dann ein Termin für die Bürgerversammlung abgestimmt. Aber sie weist darauf hin, dass Bürgerinnen und Bürger trotzdem bereits eingebunden sind und Vorschläge für Trassen machen können. Im März zum Beispiel hat die Unterkochener Bürgerinitiative in der Ortschaftsratssitzung eine Karte mit verschiedenen Trassenvarianten an den Oberbürgermeister übergeben. „Neben den Überlegungen der Bürgerinitiative sind noch einige weitere Vorschläge eingegangen“, sagt Karin Haisch. 

Die Geschichte der Diskussion


Bereits bei der Planung der A7 Ulm-Würzburg war ein Südzubringer zur Anschlussstelle Aalen/Oberkochen vorgesehen. Im August 1977 leitete die Straßenbauverwaltung Baden-Württemberg ein Anhörungsverfahren für eine erste Albaufstiegsvariante ein, die Variante 1. 


Zahlreiche weitere Varianten sollten folgen. Im Mai 1978 wurden weitere fünf Varianten mit den Nummern 2 bis 6 in die Anhörung gegeben. Es folgten bis 1980 werden weitere fünf Varianten, nämlich 6b bis 6f. 


Das Linienbestimmungsverfahren für den A7-Südzubringer wurde 1983 abgeschlossen. Die Variante 6f wurde einschließlich der Nordumgehung für Ebnat festgelegt. Diese Trasse würde zwischen Unter- und Oberkochen von der B 19 abzweigen und an der Nordumfahrung Ebnat anschließen. Wegen der damaligen gesetzlichen Vorgaben wurde jedoch keine Umweltverträglichkeitsstudie für 6f erstellt. 


Der Albaufstieg wurde 1985 in den Bedarfsplan des Bundes aufgenommen. Die Nordumfahrung Ebnat wurde als Maßnahme des vordringlichen Bedarfs, die Aufstiegsstrecke als Maßnahme des weiteren Bedarfs eingestuft. Aufgrund Einwendungen des Naturschutzes gegenüber der Variante 6f wurde sie nicht weiterverfolgt. Der Gemeinderat beschloss 1999, Variante 6f bei der Fortschreibung des Flächennutzungsplans herauszunehmen. 2008 beschloss der Gemeinderat, dass die L1084 als Albaufstiegstrasse bestehen bleiben und bedarfsgerecht verbessert werden soll. 


Für eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in Unterkochen wurde 2010 ein Planungsauftrag erteilt. Anregungen aus dem Ortschaftsrat Unterkochen und einer Bürgerbeteiligung werden bei der weiteren Planung aufgegriffen. Im November 2011 fassten sowohl die Ortschaftsräte Unterkochen und Ebnat sowie der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss zur Umstufung der L1084 zur Bundesstraße B29a und gleichzeitig den Beschluss zum Ausbau der L1084. Diese Konzeption sieht eine Absenkung, die sogenannte Troglösung, und ein Abrücken der Trasse von der Wohnbebauung sowie einen Kreisverkehr am ehemaligen Schützen vor. 


Nach Zustimmung des Ortschaftsrats Unterkochen im Dezember 2014, fasste der Gemeinderat am 7. Mai 2015 den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Albaufstieg Ebnater Straße – Heidenheimer Straße“. Der diente als Grundlage für den späteren Bebauungsplan für den angedachten Kreisverkehr. 


Der Ortschaftsrat Unterkochen beantragte am 19. April 2021, dass sich die Stadtverwaltung für einen Planungsstopp der Ausbaupläne für die Ebnater Steige einsetzen soll. Der Gemeinderat leitet mit Beschluss vom 20. Mai 2021 ein Bebauungsplanverfahren für die Errichtung eines Kreisverkehrs ein. Nach heftiger Kritik und zahlreichen Einwendungen aus der Bürgerschaft sowie einem Votum aus dem Ortschaftsrat Unterkochen Anfang Oktober 2021, soll die Bebauungsplanung vorerst nicht fortgeführt werden.

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