Albaufstieg zurück auf Los

+
Hier, bei Lindenfarb, mündet die Ebnater Steige in die Heidenheimer Straße. 2008 hatte der Aalener Gemeinderat beschlossen, sie als Albaufstiegstrasse „bedarfsgerecht“ zu verbessern. Aufgrund des anhaltenden lauten Protests aus Unterkochen ruft
  • schließen

OB Frederick Brütting will bis Ende 2022 eine Vorzugsvariante für die künftige Trasse zwischen B19 und und A7 benannt haben. Wie das möglich ist.

Aalen-Unterkochen

Es ist ein vollkommen neuer Ansatz, um die jahrzehntelange überhitzte Debatte um den Albaufstieg von der B19 zur A7 zu befrieden: Der von Aalens neuem OB Frederick Brütting vorgeschlagene öffentliche Beteiligungsprozess hat das vorrangige Ziel, endlich eine - auch von der Mehrheit der Unterkochener - akzeptierte Lösung für den Albaufstieg zu finden.

Einstimmig hat der Unterkochener Ortschaftsrat bei seiner Sitzung am Montagabend den von OB Frederick Brütting vorgeschlagenen öffentlichen Diskussionsprozess zur Trassenfindung befürwortet. Dabei soll es nicht nur um den motorisierten Verkehr, sondern auch um eine Rad- und Fußwegeführung gehen. Der Zeitplan ist durchgetaktet: Ende 2022, so Brütting, sollen Ortschafts- und Gemeinderäte eine Vorzugsvariante beraten und beschließen.

Ebenfalls einstimmig beschieden haben die Unterkochener am Montag, dass ein externes Verkehsplanungsbüro den Prozess begleitet. Die Stadtverwaltung geht dabei von Kosten zwischen 50 000 und 100 000 Euro aus.

„Das ist ein tolles Signal an die Aalener Gemeinderäte“, freute sich Ortsvorsteher Florian Stütz. Laut OB Frederick Brütting wird der Aalener Gemeinderatsausschuss bereits am 7. Dezember über das weitere Vorgehen beraten; der Ratsbeschluss, so der OB, sollte bis Januar fallen.

Hintergrund: Am 20. Mai 2021 hatte der Aalener Gemeinderat im Vorgriff auf den als B29a deklarierten Albaufstieg den Bau eines Kreisverkehrs am Fuße der Ebnater Steige beschlossen. Aber weil es dagegen ein eindeutiges Votum aus Unterkochen gab, hatte sich der neue Aalener OB schon in den ersten Tagen seiner Amtszeit im Oktober entschieden, die Kreiselplanung als Einzelmaßnahme vorerst nicht weiter zu verfolgen. Stattdessen will er einen Prozess anschieben mit allen Beteiligten, mit Bürgern und Vertretern der Unterkochener Bürgerinitiative sowie des Mobilitätspakts, mit Ortschafts- und Gemeinderäten mit dem Ziel, innerhalb eines Jahres eine von einer breiten Mehrheit getragene Vorzugsvariante für die künftige Trasse festzulegen.

Was den OB beflügelt: Brütting hofft, dass der von ihm vorgeschlagene Diskussionsprozess mit einem hohen Maß an Transparenz auch zu gegenseitigem Verständnis führt. „ Denn am Ende wird sicher ein Kompromiss stehen.“

Das Signal aus Unterkochen : Wie Ortsvorsteher Florian Stütz am Montag zusicherte, befinde man sich mit der Unterkochener Bürgerinitiative gegen den Ausbau der Ebnater Steige in engem Austausch. „Das von Brütting vorgeschlagene weitere Vorgehen wird auch von der BI begrüßt.“ Die Ideensammlung für Alternativvarianten, so Stütz weiter, werde sicher nicht wie angenommen, bis März 2022, dauern. Denn die BI stecke tief im Thema drin. Stütz: „Es gibt keine Variante, die von der BI nicht bedacht wurde.“ Stütz ist zuversichtlich, dass bis Ende 2022 ein Kompromiss gefunden werden könne.

Der ausdrückliche Dank der Unterkochener Grünen: Alexander Asbrock lobt nachdrücklich Brüttings politischen Mut, dieses Thema anzupacken. Asbrock: „Für ihre beiden Amtsvorgänger war das wie eine heiße Kartoffel. Keiner wollte sich des Themas richtig annehmen, man hat es einfach immer schnell wieder auf die lange Bank geschoben.“ Seinen „herzlichen Dank“ verbindet Asbrock mit der allgemeinen Bitte, die Unterkochener Ortschaftsräte künftig differenziert zu informieren, um der Transparenz willen und „damit wir uns besser einbringen können“.

Die dringliche Bitte der Unterkochener Grünen: Um Verkehrsvermeidung zu erreichen, so Asbrock, müsse man im Hinblick auf die Trassenfindung auf jeden Fall auch neue Möglichkeiten der Mobilität diskutieren. „Wir müssen überlegen, wie wir den motorisierten Individualverkehr von der Straße bringen!“ Denn das Ziel müsse eine Verkehrsentlastung für den Ort, für die Unterkochener Bürgerinnen und Bürger sein. OB Brütting entgegnete, dass „leider“ keine Prognose eine Entlastung des Straßenverkehrs in den nächsten Jahrzehnten sehe.

Johannes Thalheimer ( FW ) mahnte an, dass das Regierungspräsidium Stuttgart von Anbeginn an in die weiteren Planungen einbezogen wird. „Denn es ist das Regierungspräsidium, das über die Maßnahme entscheidet.“

Der Zeitplan für den öffentlichen Diskussionsprozess

Das Verfahren: Im November/Dezember 2021 werden die Ortschaftsräte Unterkochen und Ebnat sowie dann der Aalener Gemeinderat den Grundsatzbeschluss zu dem von OB Brütting vorgeschlagenen Vorgehen fassen.


Sammlung von Ideen: Bis März 2022 haben grundsätzliche alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, Trassenvorschläge und Ideen einzubringen.


1. Einwohnerversammlung: Bei einer öffentlichen Einwohnerversammlung sollen im März/April 2022 die eingegangenen Vorschläge vorgestellt werden.


Bewertung der Vorschläge: Von April bis September 2022 wird das beauftragte Verkehrsplanungsbüro alle eingegangenen Trassenvorschläge prüfen, ob, beziehungsweise in welchem Rahmen sie tatsächlich umsetzbar sind.


2. Einwohnerversammlung: Wie das Verkehrsplanungsbüro die einzelnen Vorschläge bewertet hat, was machbar ist und was nicht, soll in einer erneuten Einwohnerversammlung im September/Oktober 2022 vorgestellt werden.


Der Beschluss: Ortschaftsräte und Gemeinderat beraten und beschließen die Vorzugsvariante im November /Dezember 2022.

Zurück zur Übersicht: Unterkochen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare