Brigitte Willier sorgt sich um das Herz Unterkochens

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Brigitte Willier steht seit 17 Jahren an der Spitze des Handels- und Gewerbevereins Unterkochen. In ihrem Rücken (Richtung Maibaum) der Rathausplatz, rechts der Imperador, daneben das Eiscafé.
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Der Gewerbe- und Handelsverein wird sich an diesem Dienstagabend nach zwei Jahren erstmals wieder zur Jahresversammlung treffen. Darum geht es.

Aalen-Unterkochen

Brigitte Willier liebt ihr Unterkochen. Und gerade darum ist die langjährige Vorsitzende des örtlichen Gewerbe- und Handelsvereins besorgt um die Zukunft des Ortskerns, der immer mehr zu vereinsamen droht, als dass er pulsiert. „Wir sind zwar gut ausgestattet mit Gastronomie, Hotels und Kindergärten. Und auch die Grundversorgung ist einigermaßen gedeckt durch zwei Bäckereien und einen kleinen Norma-Lebensmitteldiscounter“, sagt die Blumenhändlerin, die seit 17 Jahren an der Spitze des örtlichen HGV steht. „Aber es gibt keine Metzgerei mehr am Ort. Und in der Ortsmitte auch keine Möglichkeit, sich spontan mal auf ein kleines Schwätzle zu treffen.“

An diesem Dienstagabend, 17. Mai, wird Brigitte Willier erstmals wieder nach zweijähriger coronabedingter Pause die Mitglieder zur HGV-Versammlung begrüßen. Als sie einst den Vorsitz übernommen hat, konnte sie zunächst die Mitgliederzahl von 35 auf 80 steigern. „Heute sind es nur noch 65 Mitglieder, weil viele ihr Geschäft inzwischen aufgegeben haben.“ - Ein Rundgang:

Es ist Montagmorgen. Die zehn öffentlichen Parkplätze am Zugang zur Fußgängerzone sind bereits belegt. Ein paar Bürger - nicht mehr als eine Handvoll - stehen neben einer Sitzbank am Rathausplatz, wechseln ein paar Worte miteinander. Für mehr ist es zu ungemütlich - die Sitzbank ist nass vom Gewitterregen. Und eine andere Außenbestuhlung gibt es nicht auf dem Platz; auch nicht beim Bäcker. „Es fehlen Stühle. Irgend eine Möglichkeit, wo man schnell mal einen Kaffee trinken könnte“, sagt Willier.

Zumindest ein Eiscafé gibt es ums Eck, neben dem neuen Steakhouse Imperador (früher „Rössle“, Anm. d. Red.). Doch das Eiscafé - genannt „Das Dorf“ - hat montags geschlossen, wie auch der Imperador und das griechische Restaurant „Yamas Adler“.

Gertrud Eberhardt ist mit Herz und Seele Unterkochenerin. Sie hat gerade beim einzigen Uhrmachermeister am Ort eine Reparatur in Auftrag gegeben. „Ich bin hier geboren und hoffe, dass ich auch hier sterben darf“, sagt die 85-Jährige. Ein Drogeriemarkt in Unterkochen geht ihr ab. Und eine Metzgerei. „Lediglich freitags auf den Rathausplatz kommt ein Obststand von Früchtehaus Hieber und ein Wurst- und Fleischstand von Metzger Wohlfrom aus Pfahlheim.“ Auch ein „Unverpackt“-Wagen sei einige Male dagewesen und ein Stand von Käse Schierle. „Aber für die beiden hat es sich wohl nicht gelohnt“, vermutet die Seniorin. So gesehen, sagt sie, sei die Nähe zu Aalen für die Unterkochener ein Verhängnis. „Denn wer etwa im Wohnviertel an der Breslauer Straße in den Bus steigt, der fährt gleich bis Aalen durch.“

Bei Gentner Uhren Schmuck in der Heidenheimer Straße ticken die Uhren noch anders. Das Geschäft mit den Reparaturen läuft. „Die Leute bestellen immer mehr Schmuck und Uhren im Internet. Dann brauchen sie aber jemanden, der die Sachen repariert. Suchen Sie doch mal eine von einem Uhrmachermeister betriebene Werkstätte in weiterem Umkreis“, hebt Thomas Gentner sein Alleinstellungsmerkmal heraus.

Seit 1985 betreibt der heute 63-Jährige das von seinem Vater Adolf Gentner 1946 gegründete kleine Geschäft. Nachfolger hat er keinen an der Hand. „Ich bin der Nächste und der Letzte.“

Von außen betrachtet scheint die Zeit hier im Laden stehen geblieben zu sein. „Allein das Richten der Vorderfront würde mich sehr viel Geld kosten. Da müsste ich lange dafür arbeiten, bis ich wieder auf Null bin“, beantwortet der Uhrmachermeister die ungestellte Frage.

Brigitte Willier dagegen hat die Hoffnung auf eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger noch nicht aufgegeben. Zum einen sucht sie für ihren Blumenladen - „den letzten vor dem Vorderen Härtsfeld“. Zum anderen für die stellvertretende HGV-Vorsitzende Angela Gartenmeier sowie HGV-Schriftführerin Gudrun Starz, die bei der Versammlung beide ihr Amt niederlegen werden.

Willier: „Mit 65 darf man schon langsam mal ans Aufhören denken. Aber einfach zuschließen - das will ich nicht.“

Einfach zuschließen, das will ich nicht.“

Brigitte Willier, HGV-Vorsitzende
Uhrmachermeister alter Schule: Thomas Gentner
Rathausplatz in Unterkochen.
Permanentes Ärgernis für Brigitte Willier: Unkraut, das zwischen den Pflastersteinen am Unterkochener Rathausplatz sprießt.
Viel Verkehr fließt in Unterkochen durch die Heidenheimer Straße und Waldhäuser Straße.

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