Die Muslime und das Moscheeprojekt in Unterkochen

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Von links: Zeeshan Ahmad Aziz (Präsident Ahmadiyya-Gemeinde Aalen), Ingenieur Saeed Gessler, Bundesvorsitzender Uwe Wagishauser, Pfarrer Manfred Metzger, Luqman Ahmad Shahid (Imam u. Theologe AA)
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Wie die Ahmadiyya-Gemeinde die Sorgen der Anwohner zerstreuen will.

Aalen-Unterkochen. "Das gegenseitige Kennenlernen ist ganz wichtig", sagt Manfred Metzger. Als evangelischer Pfarrer in Unterkochen, engagiert im christlich-islamischen Dialogkreis Aalen, sieht er sich jetzt in besonderer Pflicht.

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat-Religionsgemeinschaft will an der Pfromäckerstraße eine Moschee errichten. Eine Bauvoranfrage bei der Stadt wurde gestellt. Das stößt in Unterkochen nicht überall auf Zustimmung. Einerseits gehe es um "technische Fragen" wie die Dimension des Bauvorhabens, die verkehrliche Anbindung oder Anzahl der Parkplätze, sagt Metzger. Es gehe aber auch um das soziale Miteinander von Christen und Muslimen. Damit das gelingt, brauche es "Information und Begegnung". Diese zu organisieren und mit Leben zu füllen, sieht er als wichtige Aufgabe an.

Nachbarschaft: Interreligiöser Dialog, gutes Einvernehmen mit Nachbarn, Verständnis und Hilfe füreinander in Notlagen hätten im Islam, wie ihn seine Gemeinde auslege, einen hohen Stellenwert, betont der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Abdullah Uwe Wagishäuser in einem Pressegespräch in Unterkochen. Muslime hätten Verantwortung fürs soziale Miteinander, und Nachbarn hätten einen hohen Stellenwert, kämen als nächste nach den Verwandten.

In der Aalener Gemeinde seien die Mitglieder mehrheitlich deutsche Staatsbürger, erläutert deren Vorsitzender Zeeshan Ahmad Aziz. Er selbst hat seine familiären Wurzeln in Pakistan, kam mit sechs Jahren nach Deutschland, wuchs hier auf, absolvierte seine Ausbildung. "Uns ist wichtig, dass man loyal zu diesem Staat steht." In Pakistan, so Aziz, würden seine Glaubensbrüder und -schwestern verfolgt wegen ihrer vergleichsweise liberalen Lebensweise.

Verkehr: Dass künftige Nachbarn in Unterkochen Sorge vor Großveranstaltungen mit viel Verkehr und Lärm in der neuen Moschee hätten, dafür habe man Verständnis, betont Zeeshan Ahmad Aziz. Er legt dar, dass das wöchentliche Freitagsgebet von bisher höchstens 35 Menschen besucht worden sei. Man achte darauf, dass Fahrgemeinschaften gebildet werden und Ordner den Verkehr regeln. Mit den Nachbarn am jetzigen Domizil in der Oesterleinstraße in Aalen habe es "nie" Auseinandersetzungen wegen parkender Autos gegeben. Die zehn Stellplätze, die an der neuen Moschee vorgesehen sind, stünden an den übrigen sechs Tagen den Nachbarn zur Verfügung, kündigt der Imam Luqman Ahmad Shahid an. Und sollten größere Veranstaltungen wie das Zuckerfest - das Fastenbrechen - anstehen, werde man nicht in der Moschee feiern, sondern eine Halle anmieten.

Finanzierung: Die Ahmadiyya Muslim Jamaat-Religionsgemeinschaft will den Moscheebau nach eigenen Angaben aus Spenden ihrer Mitglieder finanzieren. Jeder, der ein eigenes Einkommen habe, müsse ein Sechzehntel davon an "seine" Kirche zahlen. 50.000 Mitglieder habe man in Deutschland, Imame und Bildungsinstitute würden nicht aus dem Ausland, sondern von den hier lebenden Muslimen bezahlt, sagt der Bundesvorsitzende Wagishauser. Bea Wiese

Mehr zum Thema: Moschee-Projekt in Unterkochen wirft Fragen auf

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