Eine Tankstelle für Milchtrinker

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Bei der Landwirtsfamilie Stütz in Neu-Ziegelhütte können Kunden per Knopfdruck rund um die Uhr Rohmilch zapfen.

Aalen-Unterkochen

Ganz im Verborgenen, von der Aalener Straße nicht einsehbar, hat sich in Unterkochen eine neue Tankstelle angesiedelt. 24 Stunden rund um die Uhr kann man sich hier per Knopfdruck weißen "Bio-Kraftstoff" in Glasflaschen abfüllen. Am 10. Juli hat der Milchviehbetrieb Stütz in Neu-Ziegelhütte seine Milchtankstelle eröffnet.

Beim Gladiolenfeld, wo die Alte Heidenheimer Straße von der Aalener Straße abbiegt, weist seit Neuestem ein blaues Schild mit weißer Schrift den Weg hoch zur Milchtankstelle, die ihren Platz hat in einer großen nigelnagelneuen Scheune der Landwirtsfamilie Doris und Hans-Peter Stütz.

In einem abgetrennten Vorraum ist eine Selbstbedienungsmilchbar eingerichtet: An zwei Automaten können die Besucher zu jeder Tages- und Nachtzeit frische Rohmilch zapfen, und sich an weiteren zwei Automaten am Softeis der Geschmacksrichtungen Vanille/Schoko und Vanille/Erdbeere bedienen. Die Corona-Hygiene ist erfüllt: Dafür sorgen ein Desinfektionsspender und ein Waschbecken mit Handseife.

Inmitten der Natur: "Die Tür steht rund um die Uhr offen, also auch nachts", erzählt Doris Stütz, die sich jetzt in der Haupterntezeit extra eine Stunde freigeschaufelt hat. Sie nimmt Platz auf einer der beiden Holzbänke im Schatten des großen Trompetenbaums, der zusammen mit einer Kiefer, einer seltenen Eibe, einem Perückenstrauch und einem Baby-Apfelbaum die Ranke um das kleine Naturparadies am Eingang der Milchtankstelle bildet. Die Blätter wispern im warmen Sommerwind und zwischen den Zweigen kann man einen weiten Blick hinüber auf Aalen erhaschen.

Leute an die Landwirtschaft heranführen: "Hier sehe ich oft einzelne Frauen sitzen, mit einem Buch in der einen Hand und in der anderen ein Softeis", erzählt Doris Stütz, die sich freut, diesen Ort der Begegnung geschaffen zu haben. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden schon erwachsenen Kindern. "Wie viele Kinder mir gerade winken, wenn ich durch den Ort fahre – alles meine Eiskunden", sagt sie und um ihre Augen tanzen viele Lachfältchen. "Wir wollen das Image der Landwirtschaft stärken, wollen die Leute an die Landwirtschaft heranführen. Sie sollen ein Gefühl dafür bekommen, wo die Produkte herkommen und wie sie hergestellt werden", plaudert die 47-Jährige.

Woher die Milch für die Tankstelle kommt: Zwischen 100 und 120 Milchkühe zählt der landwirtschaftliche Betrieb Stütz. Von der hier gemolkenen Milch füllt Doris Stütz für die Ausgabe an der Milchtankstelle täglich bis zu 100 Liter in einen insgesamt 180 Liter fassenden Container, in dem die Rohmilch permanent auf 4 bis 6 Grad gekühlt bleibt.

Die Tür steht rund um die Uhr offen.

Doris Stütz Landwirtin

Wer keine Flasche mit Schraubdeckel mitbringt, kann in der Milchtankstelle für einen Euro eine leere Halbliterglasflasche erstehen, 1,50 Euro kostet die leere Literflasche. Während die Literflasche ebenfalls aus einem Automaten kommt, funktioniert der Kauf der Halbliterflasche auf Vertrauensbasis. Doris Stütz schüttelt den Kopf. "Die Kasse stimmt nicht. Aber was soll ich machen?"

So funktioniert die Milchtankstelle: Für einen Euro, den der Kunde in den Milchautomat steckt, kann er sich bis zu einem Liter Milch herauslassen. Dazu muss man die Flasche hinter eine Klappe stellen. Sie füllt sich so lange mit Milch, wie man mit dem Finger ein Display am Automaten gedrückt hält. Füllt man keinen ganzen Liter ab, spuckt der Automat am Ende das Wechselgeld aus. Täglich reinigt Doris Stütz den Milchcontainer und füllt ihn mit frischer Milch auf. "Über die übrig gebliebene Milch freuen sich dann unsere Kälber."

Achtung, Rohmilch: Aus dem Automaten kommt Rohmilch, die im Unterschied zu pasteurisierter oder wärmebehandelter Milch weder erhitzt noch anderweitig bearbeitet wurde. Rohmilch darf nur ab Hof verkauft werden und sollte vor dem Verzehr stets abgekocht werden. So lautet eine Empfehlung des Landeszentrums für Ernährung Baden-Württemberg.

Die beiden Softeis-Automaten werden ebenfalls "super" angenommen, freuen sich Doris und Hans-Peter Stütz. Allerdings ist die Eiscreme zugekauft, wird also nicht aus eigener Milch hergestellt. Wie der Eisautomat angenommen wird? Doris Stütz rollt mit den Augen. "Am Sonntagnachmittag hatten wir hier Besucherschlangen."

Vielleicht können die Besucher in der Milchtankstelle bald weitere Produkte aus der Region ziehen. Doris Stütz jedenfalls denkt schon über Automaten für Kartoffeln und Eier nach.

Gerlinde Luber ist eine von den treuesten Kunden der neuen Milchtankstelle in der Scheune des Milchviehbetriebs Stütz in Neu-Ziegelhütte.
Landwirt Hans-Peter Stütz öffnet die Tür des Automaten.
Vor der Milchtankstelle lädt ein lauschiger Platz unter Schatten spendenden Bäumen zum Verweilen ein.

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