Führung durch den durstigen Wald

+
Forstwirtschaftsmeister Rainer Hauswurz führt die Gruppe durch den Wald
  • schließen

Forstwirtschaftsmeister Rainer Hauswurz erläutert die Auswirkungen, die der Wassermangel auf die Bäume hat und warum Starkregen dabei nicht hilft.

Aalen-Unterkochen

Im ersten Moment klingt es im bisherigen Sommer grotesk – Der Wald hat Durst. Doch die Exkursion in den Wald am Langert bei Unterkochen führte es den Teilnehmern deutlich vor Augen. Auf Einladung der Initiative Klimaentscheid Aalen zeigte der Forstwirtschaftsmeister Rainer Hauswurz die Auswirkungen der heißen Sommer der vergangenen Jahre. Mit dabei auch der Botaniker Jürgen Weller, der die verschiedenen Pflanzen am Wegesrand erklärte.

„Wir sind auf der Insel der Glücklichen“, sagte Rainer Hauswurz. Durch die Karstböden der Schwäbischen Alb sind unserer Bäume wenig Wasser gewohnt. Schlimmer sieht es beispielsweise im Harz aus, wo die Bäume Stress haben, weil die Böden ausgetrocknet sind.

Anschaulich zeigte er die grau-braunen Flecken in den Buchenwäldern, die auf kahle Bäume hinweisen. Hauswurz erklärte aber auch, dass die Buchen dieses am besten ausgleichen können. Er geht davon aus, dass sich Buchen durchsetzen werden.

Im Gegensatz dazu sei die Fichte ein Baum, der mit der Trockenheit nicht zurechtkommt. „Fichten mögen es feucht. Nicht trocken oder nass“, erklärte der Forstmeister. Zwar wurde die Fichte nach Deutschland eingeführt, ist also kein heimischer Baum, doch ist in der Zwischenzeit die dritte Generation an Fichten bei uns heimisch.

Die Klimaerwärmung hat auch zu einem erhöhten Pilzbefall geführt. Gerade die Eschen und Ulmen sind davon betroffen. Die Schätzungen sagen voraus, dass in zehn Jahren nur noch ein Prozent der Ulmen und Eschen erhalten sind. Der Pilz greift die Wurzeln an, diese sterben ab und der Baum fällt um. „Die Bäume verhungern“, sagt Rainer Hauswurz. Das Wasser würde zwar bis in die Spitzen transportiert, jedoch kommt der dort produzierte Zucker nicht mehr zurück in die Wurzeln.

Auch erleiden besonders hochstehende oder alleinstehende Bäume bei der starken Hitze der vergangenen Jahre regelrecht einen Sonnenbrand. „Schädlinge gab es schon immer“, weiß Hauswurz. Durch den Klimawandel werden es mehr. Jetzt kommen die Käfer durch das immer wärmer werdende Klima. So wachsen bei uns neuerdings auch wärmeliebende Arten, wie beispielsweise die Haselnuss.

Viele Schädlinge kommen auch aus anderen Ländern zu uns, nicht nur auf natürlichem Wege, sondern auch durch den zunehmenden Grenzverkehr und Warentransporte. Nicht nur an den Baumspitzen sind die warmen Sommer zu erkennen, sondern auch im Boden reißen die Kapillare, die für den Feuchtigkeitstransport in tiefere Regionen sorgen. Dadurch sterben auch viele Mikroorganismen im Boden ab. „Es müsste ein Jahr kontinuierlich nieseln“, schätzt Rainer Hauswurz, damit das Defizit ausgeglichen wäre. Die Starkregenfälle der letzten Tage nützen nichts, im Gegenteil, sie schwemmen den Boden weg..

„Es müsste ein Jahr kontinuierlich nieseln.“

Rainer Hauswurz, Forstwirtschaftsmeister

Zurück zur Übersicht: Unterkochen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare