Kochemer haben den Schatz gehoben

+
Die lange Zeit verschütteten Ruinen der Kocherburg haben Mitglieder der Initiative Kocherburg restauriert und wieder aufgebaut. Am Wochenende wurde das neu modellierte Gelände offiziell für Besucherinnen und Besucher freigegeben. Fotos: Oliver Giers
  • schließen

Was wenige Mitglieder der Initiative Kocherburg in über 10 000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden geleistet haben. Und was sie mit Dr. Wolfgang Palm verbindet.

Aalen-Unterkochen

Die Gesamtstadt Aalen ist jetzt ganz offiziell um ein bedeutendes Kulturdenkmal reicher: Die lange Zeit im Waldboden schlummernde Kocherburg ist innerhalb der vergangenen 15 Jahre in mehr als 10 000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit über die Grasnarbe ans Licht geschafft worden. Schutt und Erdreich wurden abgetragen, das Mauerwerk freigelegt. In liebevoll-sorgfältiger Detailarbeit wurde unter Einhaltung der strikten Auflagen des Landesamtes für Denkmalpflege gesichert, was von der alten Befestigung übrig ist, die 1645 von schwedischen Truppen zerstört worden war.

Die eigentliche Sensation aber ist: Dass die Hauptarbeit ausschließlich im Ehrenamt von weniger als zehn hoch motivierten Unterkochenern gestemmt wurde - allesamt im weit fortgeschrittenen Rentenalter.

Einen Tag nach dem großen Eröffungswochenende, an dem die etwa 80 Meter oberhalb des Häselbach-Stadions gelegene restaurierte Ruine Kocherburg symbolisch in die Hände aller Bürgerinnen und Bürger übergeben wurde, ziehen Artur Grimm (84), Dieter Matzik (69) und Erich Holzwarth (82) Bilanz. Sie sind der harte Kern der Initiative Kocherburg (Inko), zu dem auch Hans-Joachim Ortwein, Winfried Kayser, Brigitte Scheffler, Philipp Zoller, Marcel Friedel, Gerd Baldschun und Franz Schaupp zählen. Ein kleines Team leidenschaftlicher Hobby-Restauratoren, die hier oben über rund 15 Jahre hinweg im Sinne einer denkmalgerechten Sicherung der Ruine unter fachlicher Begleitung der Firma Ostalb-Archäologie gerodet, gegraben, schaufelt, gemauert und organisiert haben.

„Erich Holzwarth und der verstorbene Albert Grimm waren diejenigen, die 2007 den Stein buchstäblich ins Rollen gebracht haben mit dem Ziel, die Kocherburg wieder erlebbar zu machen“, blickt Dieter Matzik auf die Anfänge.

Dank der einstigen Forschungsarbeiten von Gustav Adolf Palm, Gründer der Papierfabrik und Urgroßvater des jetzigen Firmenchefs Dr. Wolfgang Palm, musste die Initiative Kocherburg nicht bei null anfangen. „Adolf Palm hatte in den Jahren 1913 und 1914 bereits umfangreiche Grabungen unter der Leitung des Burgenmalers und -forschers Konrad Albert Koch vorgenommen“, weiß Artur Grimm. Und so diente der Initiative Kocherburg anfangs ein von Koch gezeichneter erster Grundriss der Burg als Orientierung- und Leitfaden. Inzwischen wird er vom Team der in Neresheim ansässigen Ostalb-Archäologie fortgeschrieben.

Ein ganz besonderer Dank der Kocherburg-Restauratoren gilt Dr. Wolfgang Palm. „Aus Verbundenheit zu seinem Urgroßvater und auch zu Unterkochen war ihm die Restaurierung der Ruine von Anfang an eine Herzensangelegenheit“, berichtet Erich Holzwarth. Etwa zwei Drittel der durch die Vergabe von fachlichen Planungs- und archäologischen Grabungsarbeiten entstandenen Kosten von rund 650 000 Euro habe Wolfgang Palm finanziert. „Er ist unsere tragende Säule des Projekts“, betont Dieter Matzik.

Neben Sponsoren wie die VR-Bank, die Firmen Zeiss, Grünlandservice Stütz, Ahlström-Munksjö und die Hans und Marie-Luise-Richter-Stiftung haben sich auch die Feuerwehrabteilung Unterkochen und die Stadtwerke Aalen für den Erhalt des Kulturdenkmals eingesetzt. „Die Feuerwehrkameraden haben uns das von den Stadtwerken kostenlos zur Verfügung gestellte Bauwasser geliefert. Immerhin 2000 bis 3000 Liter pro Woche“, erläutert Grimm.

Arbeit gibt's noch genug

Auch wenn die Hauptarbeiten erledigt sind: Von der Kocherburg wollen die schaffigen Mitglieder der Initiative noch lange nicht lassen. Arbeit gibt's noch genug. Zäune und Geländer, Treppen und Handläufe müssen für die Besucher noch montiert werden. Und zudem will das geschichtsträchtige Wissen um die Kocherburg auf großen Infotafeln an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden. „Und pünktlich zur Feier des 150-jährigen Bestehens der Firma Palm im September wollen wir am höchsten Punkt der Ruine ein Aussichtspodest über die Anlage fertiggestellt haben“, kündigt Artur Grimm an.

Dr. Wolfgang Palm ist die tragende Säule unseres Projekts.“

Dieter Matzik, Initiative Kocherburg

Eingebunden in denAalener Panoramaweg

Als Wanderziel soll die Kocherburg künftig eingebunden werden in die Wegeführung des Aalener Panoramawegs.

Die Kocherburg wurde im 11. Jahrhundert als mittelalterliche Höhenburg erbaut und mit einer hohen Schildmauer versehen. Wegen zunehmender Baufälligkeit wurde sie nach 450 Jahren zurückgebaut und von 1627 bis 1632 als Renaissance-Schloss neu errichtet und im Dreißigjährigen Krieg wieder zerstört.

Beim Familientag führte auch Artur Grimm durch die Anlage.
Familientag, anlässlich der umfangreichen Sanierungsarbeiten der Kocherburg in Unterkochen.
Familientag, anlässlich der umfangreichen Sanierungsarbeiten der Kocherburg in Unterkochen.
Familientag, anlässlich der umfangreichen Sanierungsarbeiten der Kocherburg in Unterkochen.
Familientag, anlässlich der umfangreichen Sanierungsarbeiten der Kocherburg in Unterkochen.
Familientag, anlässlich der umfangreichen Sanierungsarbeiten der Kocherburg in Unterkochen.
Familientag, anlässlich der umfangreichen Sanierungsarbeiten der Kocherburg in Unterkochen.
Festakt anlässlich der Fertigstellung der Hauptsanierungsarbeiten an der Kocherburg-Ruine. Foto: Artur Grimm

Zurück zur Übersicht: Unterkochen

Mehr zum Thema

Kommentare