Ehemalige Skispringer erinnern sich an die großen Zeiten der Ostalbschanze

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Dieter Erben (li.) und Peter Knoedel. Das ist eine Freundschaft fürs Leben. Zusammengeschweißt durch ihre gemeinsamen Jahre als landesweit erfolgreiche Skispringer. Bereits mit 15 und Zwölf sprangen sie auf ihrer Heimatschanze, der Ostalbschanze, in Ober
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Tolle Erfolge, wunderbar lustige Erlebnisse und Geschichten: Davon erzählen die ehemaligen Skispringer Dieter Erben und Peter Knoedel.

Aalen-Unterkochen

Der Kampfrichterturm ist noch da. Und ein Schild. Ansonsten: Wald. Doch in den beiden Unterkochenern Dieter Erben (78) und Peter Knoedel (75), da sind die Erinnerungen absolut lebendig. Die an die großen Zeiten der Ostalbschanze. Und ihre eigenen. Wenn die beiden ehemaligen Skispringer erzählen, dann sprudeln die Weißt-Du-noch-Geschichten nur so aus ihnen heraus.

„Der Sepp Weiler ist vor mir gesprungen. Dann kam ich. Und nach mir Max Bolkart.“ Bolkart ist eine regelrechte Skisprunglegende der 50er und ersten 60er-Jahre, vierfacher deutscher Meister, Gewinner der internationalen Vierschanzentournee, vier Mal Olympiateilnehmer. Er also stand hinter Dieter Erben in der Startluke. Dieter springt. Elegant wie immer. Dafür war er bekannt, wie er „in der Luft liegt“. Weit nach vorne gelehnt. Die Arme gestreckt. Doch diesmal missrät die Landung. Er stürzt. Schmerzen. „Mit dem Bulldog haben sie mich nach Aalen ins Krankenhaus gefahren.“ Diagnose: Schlüsselbeinbruch. An eine OP dachte keiner. Rucksackverband und fertig. „So bin ich wieder zurück zur Schanze und hab weiter zugeguckt.“

Zum Bahnhof auf der Pritsche des Milchwagens

Gab's denn damals immer genug Schnee in Unterkochen? Nein. „Jeder, der einen Lkw hatte, hat Urlaub genommen, ist aufs Härtsfeld und es wurde von Hand geschaufelt.“ Die Lastwagen haben ihre Ladung von oben in die Tiefe gekippt. Und dort? Hatten die Unterkochener Schulklassen ein paar Tage Sondereinsatz. Eine Pistenraupe gab's noch nicht. Deswegen „henn' mr emmr treppla gmisst.“ Die Skispringer landeten also auf von vielen Unterkochener Kinderfüßen festgetrampeltem Schnee.

Und wie war das mit der Kleidung und Ausrüstung? Schwere Holzskier statt leichtem Carbon. Normale Skistiefel, Keilhosen („die haben geflattert wie der Teufel“), Mamas Strickpullover. Und ein gehäkeltes Käpple. Die Schuhe nur halb geschlossen, hinten einen Keil reingelegt. „So konnte man mit den Zehen den Ski hochholen.“  Angefangen haben beide mit Zehn, Zwölf auf der Jugendschanze. Wer's drauf hatte, dem erlaubte Trainer Rolf Niemand den Wechsel rüber auf die Große. Peter sprang sie bereits mit Zwölf. Zu Wettkämpfen ging es nach Freudenstadt, Baiersbronn, Ruhestein oder Calw. Oft mit dem Zug. Und zum Bahnhof nach Aalen auf der Pritsche des Milchwagens. Untergebracht waren sie meist privat. Es war eine Ehre für die Familien, einen Skispringer bei sich zu beherbergen. Besonders beliebt bei den jungen Männern: ein Quartier bei einem Metzger oder Gipser. Da gab's zwar die Ansage, die Finger vom Töchterchen zu lassen. Aber zum Nachtisch Orangen und Ananas. Ein Highlight.

Hauptpreis: Bügeleisen und Waschlappen

Dieter hat auf den Schwäbischen Meisterschaften „den Vierten gemacht“, in Metzingen den Ersten beim B-Jugend-Springen. Der Hauptpreis: ein Bügeleisen. Bei einem Jugendspringen. Für Jungs. Dazu gab's einen roten Waschlappen. Der in der Wanne so dermaßen abfärbte, dass sich die Mutter über sein rotes Gesicht wunderte. „Ohne Urkunde sind wir nie heimgekommen“, erinnern sich die Beiden. Und finden immer neue Erinnerungen. Wie die in Rottenburg den Pokal nicht rausrückten, wie knifflig der Auslauf in Degenfeld war. Und ein Unwissender direkt bis ins Dorf durchrauschte. Und erst wieder zurück gestapft war, als das Springen bereits vorbei war. Oder einer nach einem Sturz sagte: „Hätte ich mir lieber den Fuß gebrochen statt den neuen Ski.“

„Beim Einweihungsspringen der Herwartschanze in Königsbronn war die österreichische Nationalmannschaft mit da. Ich war mit Toni Innauer in der Spur“, sagt Peter. Der holte zwei Weltcupsiege und kommentiert noch heute fürs ZDF. Als der junge Familienvater Dieter die Springerei an den Nagel gehängt hatte, war Peter Mitglied der schwäbischen Kernmannschaft, mehrmaliger Bezirksmeister und auf der Deutschen Meisterschaft in der Nordischen Kombination Zehnter.

So toll die Erfolge waren. Das Wichtigste, das spürt man, wenn die Beiden kaum aus dem Lachen rauskommen: „Mir henn' emmr a mords Gaudi zamma ghett.“ Und der Zusammenhalt, der war 1 A. Nach der Siegerehrung gab's immer ein Fest im „Stern“. Peter spielte Akkordeon, die anderen behalfen sich mit Pfanne, Rührlöffel oder Waschbrett. „Da ist es abgegangen. Die Leute sind auf den Tischen gestanden.“ Beim Skiball ist Max Borkart auf den Händen durch den ganzen Saal gelaufen. Im Sommer will Peter ein Festle für die ehemaligen Springer-Freunde von früher in seinem Garten ausrichten.

Der Zusammenhalt in der Gruppe, der war 1 A. Und ist es noch heute.

Aalens Geschichte erleben

  • Wer selbst eintauchen will in das Aalen der 50er Jahre, der hat am 23, 27. und 30. März im Kino am Kocher die Gelegenheit. Karten gibt's dort, In den Aalener Wochenschauen bringt das Stadtarchiv Aalen teils noch nie gezeigte Filme auf die Leinwand. Dort auch zu sehen: die Ostalbschanze.
Dieter Erben (li.) und Peter Knoedel. Das ist eine Freundschaft fürs Leben. Zusammengeschweißt durch ihre gemeinsamen Jahre als landesweit erfolgreiche Skispringer. Bereits mit 15 und Zwölf sprangen sie auf ihrer Heimatschanze, der Ostalbschanze, in Ober

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