Moschee beschäftigt Unterkochener

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In der rechten Bildhälfte sieht man das Grundstück, auf dem die Ahmadiyya-Gemeinde eine Moschee bauen will. Das städtische Grundstück befindet sich am Ende der Pfromäckerstraße.
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Die Ahmadiyya Gemeinde hat am 14. Juni eine Bauvoranfrage für ein Gebetshaus in der Pfromäckerstraße gestellt. Die Stadt Aalen hat jetzt die Anwohner nicht öffentlich informiert.

Aalen-Unterkochen

Vermutlich gleich nach den Sommerferien“, so Ortsvorsteher Florian Stütz auf Nachfrage, wolle er eine Sondersitzung des Unterkochener Ortschaftsrates einberufen. Thema ist dann die Bauvoranfrage der Ahmadiyya Gemeinde, die beabsichtigt, auf einem Grundstück im Gewerbegebiet Pfromäcker eine Moschee zu bauen. Das Grundstück liegt in einer Sackgasse am Ende der Pfromäckerstraße. Eine entsprechende Bauvoranfrage ging am 14. Juni bei der Aalener Stadtverwaltung ein. Bauherr ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat, eine kleine religiöse Gemeinschaft, die es in Deutschland seit über 100 Jahren gibt.

„Es ist noch alles ganz am Anfang, das Grundstück ist nicht reserviert, es gibt auch noch keinen Bauvorbescheid“, wirkt der Ortsvorsteher kursierenden Gerüchten entgegen. Die künftigen Bauherren wollen mit der Bauvoranfrage lediglich in Erfahrung bringen, ob Aspekte ihres Bauvorhabens mit dem öffentlichen Baurecht vereinbar sind. Sprich: Derzeit geht es darum, abzuklären, ob die Art der gewünschten baulichen Nutzung grundsätzlich im Gewerbegebiet Pfromäcker erlaubt ist.

Das Bauvorhaben: Laut Bauvoranfrage, die der SchwäPo zugespielt wurde, geht es um einen zweigeschossigen Neubau: eine Moschee mit Minarett und Kuppel, ausgestattet mit einer Verwalterwohnung für den Imam. Vorgesehen sind zehn Stellplätze am Gebäude. Die Höhe des Minaretts wird mit 11,80 Metern angegeben, der Durchmesser der Kuppel mit sechs Metern. Die Gebetsfläche von 142 Quadratmetern soll Platz für 175 Personen bieten.

Die Moschee, so heißt es in der Bauvoranfrage weiter, soll nicht als zentrale Einrichtung für einen größeren Einzugsbereich dienen. „Lediglich die lokalen Mitglieder der Gemeinde aus Aalen werden die Moschee besuchen.“ Es werde kein Gebetsruf von der Moschee ausgerufen und auch kein Lautsprecher angebracht. Mit einer Lärmbelästigung sei nicht zu rechnen, da sämtliche liturgische und nicht-liturgische Veranstaltungen innerhalb des Gebäudes stattfinden würden.

Die Sorgen der Anwohner: Anwohner und Unternehmer des Gewerbegebiets Pfromäcker wurden von der Aalener Stadtverwaltung bereits informiert. In einem von 13 Anliegerfamilien unterzeichneten und an die Aalener Gemeinderatsfraktionsvorsitzenden, Ersten Bürgermeister Wolfgang Steidle und OB Thilo Rentschler adressierten Schreiben haben die Anwohner am 22. Juli ihre Bedenken formuliert. Zu viel Publikumsverkehr, die Gefahr von zugeparkten Straßen und Grundstücksflächen sind ihre Hauptsorgen. Damit einhergehend befürchten sie, dass ihr „Recht auf Erholung am Feierabend und an den Wochenenden gestört wird“. Und sie fragen, ob in einem Gewerbegebiet, in dem auch Wohnen erlaubt ist, der Bau einer Moschee überhaupt zulässig ist.

Das antwortet der OB: Der Standort sei als eingeschränktes Gewerbegebiet ausgewiesen. „Darin können unter anderem Ausnahmen für kirchliche, soziale, gesundheitliche und kulturelle Zwecke zugelassen werden.“ Allerdings gelte auch, dass die unterschiedlichen Nutzungen sich gegenseitig nicht erheblich stören dürften. Daher würden im Rahmen des Genehmigungsverfahrens die Auswirkungen des Gebetshauses im Gebiet und die Stellplatzsituation genau geprüft.

Mit einer nicht öffentlichen Infoveranstaltung am 10. August im evangelischen Gemeindehaus Unterkochen hat die Aalener Stadtverwaltung den Sorgen und Fragestellungen der Anwohner ein erstes Forum geboten. Die Einladung war adressiert ausschließlich an die Anwohner und Anlieger. Manfred Metzger, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Unterkochen, der zwischen den Anwohnern und der Ahmadiyya Muslim Jamaat vermittelt, hat dieses Informationsveranstaltung vermittelnd begleitet. Moderiert wurde sie von Uta-Maria Steybe von der städtischen Stabsstelle für Chancengleichheit, demografischer Wandel und Integration. „Die städtischen Ämter sowie Vertreter der Religionsgemeinschaft haben die ausschließlich geladenen Anrainer über baurechtliche Fragen sowie Fragen zur Religionsgemeinschaft informiert“, teilt Stadtsprecher Sascha Kurz mit.

„Etwa 30 Personen haben die Einladung angenommen“, berichtet Ortsvorsteher Florian Stütz. Ihm zufolge war der Informationsaustausch sehr sachlich. „Auch die Anwohner blieben mit ihren Entgegnungen auf der sachlichen Ebene.“

Die Ahmadiyya-Bewegung wurde 1889 gegründet und versteht sich als sunnitische Ausrichtung des Islams. Anfang des 20. Jahrhunderts spaltete sich die Gemeinschaft in zwei Gruppen; heute gehören fast alle der Ahmadiyya Muslim Jamaat an. Sie ist weltweit in rund 200 Ländern vertreten. Wie viele Mitglieder die Ahmadiyya genau hat, ist nicht bekannt. An ihrer Spitze steht ein Kalif.

  • Zutritt verweigert: Er ist zwar kein Anrainer der Pfromäckerstraße, aber er ist Stadtrat. Und als solcher Mitglied des Gremiums, das über Bauvorhaben in der Gesamtstadt entscheidet. Der Aalener Stadtrat Norbert Rehm von der Fraktion zur Durchsetzung des Informationsrechts (FDI) wurde, wie er berichtet, von den Anrainern der Pfromäckerstraße im Vorfeld darüber informiert, dass die Stadt Aalen am 10. August eine nichtöffentliche Informationsveranstaltung für die Anrainer anberaumt. Wissend, dass er kein Anrainer ist, jedoch als Stadtrat „Mitglied des obersten Entscheidungsorgans der Stadt“, hat sich Rehm per Mail bei der Stadt zur Teilnahme angemeldet. Jedoch: Just als er die Schwelle des evangelischen Gemeindehauses überschreiten wollte, habe sich ihm Pfarrer Manfred Metzger in den Weg gestellt, erzählt Rehm. Er mache von seinem Hausrecht Gebrauch, habe Metzger gesagt, und Rehm den Zutritt verweigert. Manfred Metzger war für eine Stellungnahme am Donnerstag nicht zu erreichen, da er sich derzeit in Urlaub befindet. Rehm moniert nun die „Verweigerung der Information einer städtischen Veranstaltung“ und will sich an die Kommunalaufsicht im Regierungspräsidium Stuttgart wenden.
  • Dazu die Stadt: Stadtsprecher Sascha Kurz weist darauf hin, dass die Gemeinderäte zu allen Grundstücksangelegenheiten rechtzeitig in nichtöffentlicher Sitzung informiert werden. „Also auch Stadtrat Norbert Rehm.“ Und dass es durchaus üblich sei, dass die Stadt bei entsprechenden Bauvoranfragen zunächst in einer nichtöffentlichen Veranstaltung den Kontakt mit den Anwohnern suche.

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