Anwohner lehnen Moschee-Bau in Unterkochen ab

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Groß war das Interessen an der Inforveranstaltung zum geplanten Moschee-Neubau in Unterkochen.
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Die muslimische „Ahmadiyya“-Gemeinde will im Unterkochener Gewerbegebiet Pfromäcker eine Moschee bauen. Anwohner dort äußern aber Vorbehalte.

Aalen. Der „Ahmadiyya Muslim Jamaat Kdör“ ist ihr Gebetshaus in der Oesterleinstraße zu klein geworden. Die Gemeinde will daher im Unterkochener Gewerbegebiet Pfromäckerstraße eine Moschee bauen. Das wird ein schwerer Weg, wie die Infoveranstaltung am Montagabend gezeigt hat. „Wir wollen keine Moschee hier im Gewerbegebiet, wir wollen nicht die Probleme, die das bringt“, sagte einer der Besucher unverblümt - und fand breite Zustimmung.

Doch der Reihe nach. OB Frederick Brütting war extra aus dem Urlaub gekommen, um die Bürger zu informieren. Eingeladen hatten er und Unterkochens Ortsvorsteher Florian Stütz die Vertreter der Ahmadiyya-Gemeinde sowie als Anwohner betroffene Gewerbetreibende, den Unterkochener Ortschaftsrat und die Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen.

Das ist nun geplant

Bauingenieur Saed Gessler, der das Projekt für die islamische Gemeinde betreut, erläuterte die inzwischen abgespeckten Pläne. Demnach sollen auf dem 1470 Quadratmeter großen Grundstück zwei Bauten entstehen. Ein Gebetshaus mit Nebenräumen und eine Verwalterwohnung. Gerechnet wird mit einer Bruttogeschossfläche von 493 Quadratmetern. Ein neun Meter hohes Minarett ist vorgesehen. Auf einen Multifunktionsraum wird nun verzichtet. Die Gemeinde rechnet ihr Gebetshaus nun für 120 Besucherinnen und Besucher.

In den alten Plänen war noch von 170 Menschen die Rede. 23 Kfz-Stellplätze sind geplant. Stellplätze für Fahrräder fehlen noch. Finanziert werden soll das Projekt über die Gemeindemitglieder.

Rechtlich wasserdicht

Die Leiterin des Bauordnungsamtes Susanne Ritz erläuterte das Ergebnis der Prüfung der Bauvoranfrage. In der veränderten, nun vorgelegten Planung seien aus baurechtlicher Sicht keine Verstöße zu entdecken, sagte sie. Die geforderten Vorgaben der Stadt, insbesondere was die Zahl der Stellplätze und das Volumen der Baukörper angehe, seien berücksichtigt worden.

Einen Gebetsruf des Muezzins dürfe es nicht geben. Größere Feiern müssten anderswo abgehalten werden. Es dürfe keine Großküche eingebaut werden. Damit sei die Gemeinde einverstanden und das Bauvorhaben damit grundsätzlich „angemessen und nicht unzumutbar“, sagte sie.

Ein Gebetshaus in einem Gewerbegebiet, das sei eine zulässige Ausnahme. Kriterien seien hier, dass die Einrichtung „gebietsverträglich“ sein müsse und das Gewerbe „nicht erheblich gestört“ werde. Das sehen viele der anwesenden Bürgerinnen und Bürger aber anders.

Viele Bedenken der Anwohner

Hier wurden Bedenken geäußert, dass die „Stellplätze nur auf dem Papier ausreichten“. Dass die islamische Gemeinde, wie versprochen, den Parkverkehr regle, wollen viele nicht glauben. Die Moschee sei 24 Stunden geöffnet, Ruhe gebe es damit keine mehr, fürchten manche. Zusammengefasst werden Lärm, Verkehrschaos und Behinderungen der Betriebe befürchtet. Zudem wolle man nicht als menschliches Schutzschild herhalten, denn es habe bereits Anschläge auf Ahmadiyya-Moscheen gegeben, behauptete einer.

Bevor dem allem der Vorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinde, Zeeshan Aziz widersprach, warnte OB Brütting davor, Opfer von Anschlägen zu bestrafen. Anschläge, das sei ein Missverständnis, sagte dann Aziz, es habe auf einer Moschee-Baustelle eine Sachbeschädigung gegeben, mehr nicht. Er versprach, dass man sich an alle Regeln halten werde. Eine Moschee in Unterkochen könne eine kulturell Bereicherung werden, ergänzte Bauingenieur Gessler. Aziz lud alle ein, sich in Waiblingen oder Augsburg, wo Ahmadiyya-Moscheen reibungslos liefen, zu informieren.

Ein zweiter Interessent

Die Unterkochener blieben skeptisch. Sie sähen es lieber, würde die Stadt das betreffende Grundstück an Miroslav Zivicnjak verkaufen. Der unmittelbare Anwohner ist in der High-Tech-Litografie mit seiner miro-concept GmbH erfolgreich und will am Standort wachsen. Als er sein Unternehmen aufbaute, war ihm die gesamte Fläche zu groß, inzwischen aber benötige er Fläche zur Expansion. Die könne aber nur hier geschehen. Arbeitsplätze bringe das auch, sagte er. Und: „Seit 2018 zahle ich jährlich 30.000 Euro Gewerbesteuer und das würde nach einer Expansion sicher nicht weniger.“

OB Brütting, der die Veranstaltung sehr sachlich und souverän moderierte machte klar, dass die Stadt ohne Ansehen von Person oder Religionszugehörigkeit entsprechende Anträge prüfe. Die Kaufanfrage für das Grundstück der Ahmadiyya-Gemeinde datiere vom Juni 2021, Zivicnjaks Anfrage vom September 2021. Dennoch sei noch nichts entschieden. Der Ortschaftsrat Unterkochen werde sich am 20. Juni mit dem Thema befassen und dem zuständigen Ausschuss des Gemeinderates eine Empfehlung abgeben. Dieser wiederum tagt am 7. Juli. Das letzte Wort hat dann der Gemeinderat.

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