Moscheeprojekt: die Sorgen der Anwohner

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Das Baugebiet Pfromäcker am Rande von Unterkochen
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Warum die Pläne der Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde Kopfschütteln, Zweifel und konkrete Ängste auslösen.

Aalen-Unterkochen Die Pfromäckerstraße in Unterkochen: Wohnhäuser, einige kleine und mittlere Gewerbebetriebe. 13 Familien arbeiten und leben hier. Nun sorgen Pläne für einen Neubau für Unruhe: Die Aalener Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde will auf einem 1400 Quadratmeter großen Grundstück eine Moschee errichten. Die direkten Nachbarn und weitere Anlieger äußern erstmals öffentlich ihre Einwände und konkreten Sorgen, die das Projekt auslöst.

Das Bauvorhaben: Die Bauvoranfrage, die die Ahmadiyya-Gemeinde am 14. Juni bei der Stadt eingereicht hat, bezieht sich auf eine zweigeschossige Moschee, die Platz bieten soll für 175 Personen. Die Kuppel soll sechs Meter Durchmesser haben, das Minarett eine Höhe von 11,80 Meter. Gemäß islamischem Ritus wird der Bau nach Mekka ausgerichtet; anders als die Nachbargebäude würde die Moschee nicht parallel zur Straßenflucht stehen. Für Familie Zivicnjak, direkte Nachbarn zur einen Seite, würde das bedeuten: nur sechs Meter Abstand von ihrem Wohnzimmerfenster bis zur Moschee.

Verkehr: Das künftige Moscheegrundstück, zurzeit im Besitz der Stadt, liegt kurz vor dem Ende der Sackgasse. Die Zufahrt ist ausschließlich über eine schmale Einfahrt möglich. Walter Kopp, der ein Stück weiter hangabwärts wohnt, beschreibt die Verkehrssituation in der dort sechs Meter breiten Pfromäckerstraße schon unter bestehenden Verhältnissen als kritisch: "Wenn Lastwagen was anliefern, ist es schon jetzt manchmal zu eng. Der Schneepflug kommt im Winter oft nicht durch."

Parken: Größere Sorgen bereitet den Anwohnern die Parkplatzsituation. Zehn Stellplätze sind auf dem Moscheegrundstück geplant. Laut Bauvoranfrage soll die Moschee ausgelegt sein für 175 Personen. Öffentliche Parkplätze gibt es an der Pfromäckerstraße nicht. "Wie soll das funktionieren?", fragt Miro Zivicnjak kopfschüttelnd, andere pflichten ihm bei. Er versteht die Welt nicht mehr: Für sein Wohn- und Geschäftshaus, das direkt an das betroffene Grundstück angrenzt, musste er laut Auflage der städtischen Baubehörde allein elf Parkplätze vorhalten. Sein Entwicklungs- und Konstruktionsbüro beschäftigt acht Mitarbeiter.

Die Betriebsbeschreibung der Ahmadiyya-Gemeinde für die Moschee, die "stets geöffnet" sein soll, benennt täglich fünf Gebete, Treffen der Gemeindeglieder am Wochenende sowie nichtliturgische Veranstaltungen wie Vermählungszeremonien. Zita Zivicnjak fürchtet: "Die Leute werden mit ihren Autos kommen, es wird immer was los sein, werktags, aber auch an Samstagen und Sonntagen. Wir werden definitiv keine Ruhezeiten mehr haben." Nachbar Thomas Mann spricht massive Zweifel an, die alle rundherum haben: "Die Gemeinde sagt immer, es kämen höchstens mal 30 bis 35 Gläubige. Ich frage mich: Warum wird dann eine Moschee für 175 Menschen gebaut?" Eine Antwort der künftigen Bauherren habe er trotz mehrfacher Nachfragen, zum Beispiel bei der jüngsten nicht-öffentlichen Gemeinderatssitzung, nicht bekommen.

Sicherheit: In jüngster Zeit habe es "diverse Anschläge" auf ihre Moscheen in verschiedenen Städten gegeben, legt die Ahmadiyya-Gemeinde dar. Aus Sicherheitsgründen sei es deshalb unverzichtbar, dass der Imam auf dem Moscheegrundstück wohnt. Sandra Kukic: "Dass es dann heißt, die Liegenschaft sei abgelegen, das beruhigt uns Anwohner nicht. Im Gegenteil." Dabei mag sie sich nicht in eine islamfeindliche Ecke stellen lassen: Ihre Familie habe selbst Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien, Begegnungen mit Andersgläubigen seien für sie weder fremd noch befremdlich. Eine andere Nachbarin ergänzt: "Es geht uns um Lärm und Verkehr. Ich würde zum Beispiel auch nicht neben einer katholischen Kirche, einem Fitnessstudio oder Albvereinshaus wohnen wollen."

Das Verfahren: Die direkten Nachbarn haben zu der Bauvoranfrage bei der Stadtverwaltung ihre Einwände geltend gemacht. Eine Antwort gab es bisher nicht, die dreimonatige Frist läuft noch. Ihre Sorgen in puncto Moschee in der Pfromäckerstraße haben sie auch die Fraktionen im Aalener Gemeinderat per E-Mail wissen lassen. Miro Zivicnak: "Von niemandem kam eine Reaktion, außer von Herrn Rehm und Herrn Gläser." Norbert Rehm (FDI) erhielt dann bei beiden Informationsveranstaltungen keinen Zutritt. Als Familie Zivicnjak vor ein paar Wochen selbst Interesse am Kauf des Nachbargrundstücks bekundete, um sich langfristig Erweiterungsareal für ihre Firma zu sichern, hieß es aus dem Rathaus, das Grundstück sei "reserviert". Miro Zivicnjak: "Es drängt sich der Eindruck auf, dass das Verfahren schon viel weiter ist als im Stadium der Bauvoranfrage."

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