Ortschaftsrat ist gegen Baugebiet an der Kellersteige

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Agnes Mayerle (links) und Christa Klink von den Bürgerinitiativen "Bündnis pro Wandertrasse" und "Hände weg von der Schätteretrasse" demonstrieren vor der Festhalle in Unterkochen, wo der Ortschaftsrat tagt. Sie sind gegen Radfahren auf der Schätteretras
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Das Unterkochener Gremium stimmt gegen die Pläne des Investors. Welche Gründe die Rätinnen und Räte vorbringen und wie es nun weitergeht.

 Aalen-Unterkochen

Kontrovers hat der Ortschaftsrat Unterkochen die Pläne diskutiert, an der Kellersteige, südlich des Wanderparkplatzes ein neues Baugebiet aufzustellen. Vor der Festhalle, in der das Gremium tagte, demonstrierten Christa Klink und Agnes Mayerle gegen Radfahren auf der Schätteretrasse und gegen neue Bebauung an der Trasse. Rund 20 Zuhörer waren zur Sitzung gekommen. Guido Jost vom Büro PCU aus Saarbrücken stellte vor, was der Investor dort vorhat. Er sprach von drei Mehrfamilienhäusern an der Kellersteige und niedrigerer Bebauung Richtung Osten. Zwei Doppelhäuser und mehrere Einzelhäuser könnten dort entstehen. Insgesamt 27 Wohneinheiten standen unter dem Strich in der Präsentation, die Jost mit nach Unterkochen gebracht hatte. Eine Ausgleichsfläche für das Industriegebiet Breitwiesen, die sich dort befinde, müsse woandershin verlegt werden. Eine Ausgleichsfläche für das neue Baugebiet käme noch hinzu.

Außerdem sprach er die nötige Umweltprüfung an, die im Bebauungsplanverfahren notwendig sei und ging speziell auf die Landschaft ein. Man wolle "besondere Rücksicht ist auf die Blickbeziehungen nehmen", sagte er. Es seien Fotomontagen geplant, in denen aus verschiedenen Richtungen zu sehen sein soll, wie die Bebauung an dieser Stelle wirkt. Sabine Rieger vom Stadtplanungsamt betonte, dass es nun zunächst um den sogenannten Aufstellungsbeschluss für das neue Baugebiet gehe. Das ist der erste Schritt hin zu einem rechtsgültigen Bebauungsplan. Im Verfahren könnten Bürgerinnen und Bürger Stellung nehmen, Pläne können geändert oder ganz zu den Akten gelegt werden. Die Entscheidung liege jeweils bei den Gremien.

Alexander Asbrock (Grüne) sagte, er könne sich nur schlecht vorstellen, wie die Bebauung an dieser Stelle aussieht und fragte, warum die angekündigten Fotomontagen nicht schon jetzt vorlägen. Rieger antwortete später, dass es vermessen gewesen sei, jetzt schon mit Fotomontagen ins Gremium zu kommen, da man noch ganz am Anfang des Verfahrens stünde. Asbrock fuhr fort: "In Unterkochen gibt es nicht allzu viele Möglichkeiten zu bauen, aber nicht keine." Weiter erwähnte er, dass der InvestorDr. Palm von der gleichnamigen Papierfabrik sei, damit verrate er kein Geheimnis. "Wir unterstützen den Invesotor in seinem Ansinnen, Wohnraum zu schaffen", sagteAsbrock. Das vorgeschlagene Gebiet sei aber für viele in Unterkochen wichtig. Sie möchten von dort aus die unverbaute Aussicht genießen. Asbrock schlug vor, stattdessen weiteren Wohnraum in den Gebieten Langäcker oder Pfromäcker zu schaffen.

Hans-Peter Stütz (CDU) sagte: "Für mich ist das ein sehr, sehr sensibler Ort." Fotomontagen bringen ihm zufolge nicht viel. "Es reicht schon, wenn einer der Grundstücksbesitzer entscheidet, eine zwei Meter hohe Mauer zu bauen, dann ist der Ausblick weg." Er fragte, ob Dr. Palm die 25-Prozent-Quote für geförderten Wohnraum, also Sozialwohnungen, einhalten müsse. Rieger antwortete: "Die Quote wird in jedem Fall eingehalten werden müssen." Dazu werde es einen städtebaulichen Vertrag geben. "Das wird auch bei jedem anderen Investor so sein", sagte Rieger.

Johannes Thalheimer (Freie Wähler) stehe "verdichtetem Bauen grundsätzlich positiv" gegenüber. An der Stelle jedoch müsse auf die Blickbeziehung hin zur Kirche und in die andere Richtung gedacht werden. Nicht umsonst hätte der Bebauungsplan aus den 70ern dort für die bestehenden Gebäude in der Umgebung eine Beschränkung der Firsthöhe vorgesehen. "Es wäre ein gutes Signal an den Investor, rechtskräftige Bebauungspläne zuerst zu entwickeln", so Thalheimer weiter. Zum jetzigen Zeitpunkt könne er den Plänen daher so nicht zustimmen. Er gab aber das Signal, dass er sich langfristig vorstellen könne, zuzustimmen.

Brigitte Willier (SPD) sagte: "Wir können nicht zustimmen." Das sei etwas ganz Neues. Von den Plänen hätte man nichts gewusst. "Bauplätze werden schon lange gesucht, aber über die Lage müssen wir noch mal reden."

Ortsvorsteher Florian Stütz ging ebenfalls auf die besondere Lage des geplantes Baugebiets ein und auf die Landwirtschaft, die bei der Außenentwicklung immer doppelt betroffen sei. "Die Flächen fallen weg und den Ausgleich müssen die Landwirte auch noch schlucken", sagte Florian Stütz. Am Ende der Diskussion fragte er, ob ein Kompromiss denkbar sei.

Thalheimer schlug vor, man solle "zurück zum Start" gehen, darüber nachdenken, andere Gebiete zu verdichten und ein Gesamtkonzept für Unterkochen entwickeln. Hans-Peter Stütz forderte den Investor auf, niedrigere Häuser zu planen und weniger Fläche zu bebauen und mit einem neuen Vorschlag zurückzukommen. Anton Funk (CDU) fügte in Richtung Jost an: "Sie dürfen gerne wieder kommen."

Florian Stütz schlug vor, nicht abzustimmen und stattdessen auf geänderte Pläne zu warten. Funk hingegen sprach sich dafür aus, abzustimmen mit dem Hinweis, dass das Thema am 14. Oktober im Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik (AUST) und am 28. Oktober im Gemeinderat auf der Tagesordnung steht. "Es geht jetzt darum, ein klares Signal zu senden", sagte er. Asbrock stimmte zu: "Die Aalener brauchen eine klare Abstimmung und eine klarer Meinungsbild, dem sie folgen können."

Stütz sprach kurz leise mit Rieger und sagte dann: "In Abstimmung mit Frau Rieger werden wir jetzt nicht abstimmen." Der Tagesordnungspunkt solle stattdessen im AUST von der Tagesordnung genommen werden. Aus den Zuhörerreihen rief jemand dazwischen: "Die Frau Rieger bestimmt doch nicht, worüber hier abgestimmt wird!" Funk drängte abermals auf eine Abstimmung: "Wir sind da, um hier eine Entscheidung zu treffen." Darauf vertrauen, dass das Thema im AUST tatsächlich abgesetzt wird, wollte er nicht. Asbrock hatte zu Beginn den Antrag gestellt, nicht öffentlich abzustimmen, zog den Antrag am Ende aber wieder zurück.

Einstimmig sprach sich Ortschaftsrat schließlich in offener Abstimmung gegen das neue Baugebiet aus. "Das hat es noch nie gegeben", kommentierte Florian Stütz. Eine weitere Vorberatung im AUST wird nun folgen. Das letzte Wort hat der Gemeinderat.

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