Stadt sagt „nein danke“ zu Filtergeschenk

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Ein Luftfilter steht in den Gastronomieräumen des Hotels „Goldenes Lamm“ in Unterkochen. Das Gerät, das Sandra Asbrock für die Schule gekauft hat, steht ungenutzt in der Garage.
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Mutter kauft Luftfilter für Klassenzimmer der Tochter und darf ihn nicht aufstellen.

Aalen-Unterkochen. Sandra Asbrock aus Unterkochen versteht die Welt nicht mehr. Ihre Tochter Anna besucht die Grundschule in Unterkochen, die Kocherburgschule und geht dort in die zweite Klasse. Nachdem sie sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat, habe ihre Familie sich gewünscht, dass im Klassenzimmer der Tochter ein Luftfiltergerät im Einsatz ist - und zwar ein solches, wie es das Kultusministerium empfiehlt - und dessen Anschaffung das Ministerium auch finanziell unterstützt. „Ergänzt werden können Schutzmaßnahmen an Schulen und Kindertageseinrichtungen mit Blick auf die Raumlufthygiene durch wirksame mobile Raumluftfiltergeräte und durch CO-2-Sensoren“, heißt es in der Tat in einer Verlautbarung des Ministeriums in Verbindung mit einem Foto, das ein mobiles Raumluftfiltergerät zeigt. Genau so eines hat Sandra Asbrock gekauft, damit es im Klassenzimmer ihrer Tochter zum Einsatz kommt. Dieselben Geräte hat die Familie Asbrock in ihrem Hotel „Goldenes Lamm“ zur Luftreinigung.

Mit Händen und Füßen

Sandra Asbrock ist davon ausgegangen, dass dieses Gerät im Klassenraum aufgestellt werden kann. Dem sei aber nicht so gewesen, weil die Frage der Wartungs- und Unterhaltskosten nicht geklärt gewesen sei. Weshalb sie sich entschlossen habe, auch diese Kosten zu übernehmen. Bei der Stadt sei dies alles auf Ablehnung gestoßen. Die Stadt habe ihr mitgeteilt, dass man das Projekt als „problematisch“ ansehe. Sandra Asbrock hat den Eindruck, „dass man sich mit Händen und Füßen“ gegen das Geschenk wehrt. „Was ist denn an der Aktion so schlimm, dass man sich so weigert?“, fragt sie sich. Es gehe um einen zusätzlichen Schutz - übrigens für alle Kinder in der Klasse. Man hätte schon zum ersten Schultag nach den Ferien loslegen können - stattdessen habe man ihr ein Gesprächsangebot unterbreitet für den 27. Oktober.

Stadt: Lüften genügt

Was sagt die Stadt dazu? Vonseiten des Presseamtes heißt es dazu, dass „alle Klassenzimmer im neuen Schulgebäude sehr gut belüftbar“ seien, so dass kein Bedarf „für ein zusätzliches Luftfiltergerät“ bestehe. Durch regelmäßiges Lüften sei die erforderliche Luftqualität „jederzeit gewährleistet“. In der aktuellen Corona-Verordnung sei zum Thema Schule festgelegt, dass alle Räume, die dem Aufenthalt von mehr als einer Personen dienen, mindestens alle 20 Minuten zu lüften sind. Die Verpflichtung zum Lüften bleibe im Übrigen auch beim Einsatz von mobilen Luftfiltergeräten bestehen. Außerdem seien alle Klassenzimmer im neuen Schulgebäude bereits mit CO2-Messgeräten ausgestattet. Damit sei eine gute Kontrolle der Belüftung möglich.

Zudem habe Sandra Asbrock das Gerät beschafft, ohne das vorher abzusprechen. „Wir sind der Auffassung, dass vor dem Beschreiten dieses Einzelwegs grundsätzlich über die Vorgehensweise und die Notwendigkeit mit Schulträger und Schulleitung gesprochen werden sollte“, erklärt Stadtsprecherin Karin Haisch und weiter: „Die Ausstattung an unseren Schulen ist nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand für den Unterrichtsbetrieb unter Corona-Bedingungen absolut ausreichend.“ Darüber hinausgehende Standards an einzelnen Schulen und für einzelne Klassen einzuführen, „könnte schnell zu Missverständnissen führen und als eine 2-Klassen-Gesellschaft interpretiert werden“, so Haisch weiter.

Alternativer Standort?

Man habe aber Sandra Asbrock übrigens das Aufstellen nicht untersagt, sondern einen alternativen Standort für das Luftfiltergerät vorgeschlagen. Nämlich einen im offenen Lernbereich der Schule. Davon könnten alle Schülerinnen und Schüler der Klasse 1 und 2 profitieren, argumentiert die Stadt. Dieses Angebot habe aber Sandra Asbrock nicht angenommen. Die Mutter möchte das von ihr bezahlte Gerät halt im Klassenraum ihrer Tochter aufgestellt haben.

Aktuell: in der Garage

Wie es jetzt weitergeht? Die Stadt hält an ihrem Gesprächsvorschlag zum 27. Oktober fest. Bis dahin steht das Luftfiltergerät bei den Asbrocks in Unterkochen in der Garage.

Sandra Asbrock und der mobile Luftfilter. Das verpackte Gerät steht in Ihrer Garage und könnte jederzeit zur Schule gebracht werden.

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