Tunnel soll Fledermausdomizil bleiben

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So könnte der umgebaute Tunnel für Fußgänger und Radfahrer aussehen. Visualisierungen: StadtAalen

Naturschützer halten eine Öffnung des Härtsfeldbahntunnels für Wanderer und Radfahrer mit Fledermaus- und Umweltschutz für unvereinbar – und sie kritisieren das Vorgehen der Stadt Aalen.

Aalen-Unterkochen

Soll der alte Tunnel der Härtsfeldschättere für Radfahrer geöffnet werden oder nicht? Darüber wird seit Jahren gestritten. Nein, sagen die Naturschutzverbände NABU-Kreisverband, LNV-Arbeitskreis Aalen, BUND Ostwürttemberg und die AG Fledermausschutz Baden-Württemberg und kritisieren das Vorhaben der Stadt.

Aus Sicht des Fledermausschutzes wird das Vorhaben strikt abgelehnt. Dies gilt auch für die Eingriffe ins FFH-Gebiet die auch weitere seltene Tier- und Pflanzenarten gefährdeten. Zudem gebe es genügend Alternativen für andere Radwegführungen. Damit sei die Öffnung des Tunnels naturschutzrechtlich nicht zulässig, meinen die Umweltverbände.

Die AG Fledermausschutz habe seit Jahren auf die Bedeutung des Tunnels, der Felsspalten und Höhlensysteme an der Trasse als Fledermausquartier hingewiesen. Mit bis zu 52 überwinternden Fledermäusen in neun verschiedenen Arten gehöre der Tunnel zu den bedeutenden Winterquartieren der Region, schreiben sie der Presse.

Die AGF nehme seit über 40 Jahren jährliche Winterkontrollen vor. Unter den Winterschläfern befänden sich Bechsteinfledermaus, Mopsfledermaus und das Große Mausohr – alles durch EU-Recht geschützte Arten. Für die Mausohren gehöre der Tunnel zu den Top 5 der Winterquartiere in der Region. Die Tiere hielten, je nach Art, von Oktober bis April im Tunnel Winterschlaf. Von Ende Juli bis September seien der Tunnel und die Felsspalten auch ein "Schwärmquartier. Hier seien je Nacht zum Teil bis zu 100 Fledermäuse aktiv. Über mehrere Wochen kämen jede Nacht andere Tiere zum Schwärmen.

Ingrid Kaipf, Landesvorsitzende der AGF Baden-Württemberg: "Wie die Netzfänge vor einigen Jahren zeigen, muss man davon ausgehen, dass der Tunnel konservativ geschätzt mindestens 1000 Fledermäusen bekannt ist."

Vor dem Tunnelportal liegen zudem Hohlräume, die Zugang zu weiteren Winterquartieren sind. Experten der AGF schließen auf Basis der Ergebnisse des Netzfangs nicht aus, dass die Felsspalte vor dem Tunnelportal, die einen großen Luftzug aufweist, den Zugang zu einem Höhlensystem und damit einem noch bedeutenderen Winterquartier der Fledermäuse darstellen könnte.

Probleme aus Fledermaussicht

Fledermäuse sind sehr störungsempfindlich. Neben Lärm und Licht führten schon kleinste Änderungen des Mikroklimas zur Zerstörung des Quartiers. Im Tunnel herrsche auch im Winter ein stabiles Klima und hohe Luftfeuchtigkeit. Eine Öffnung des Tunnels lasse das Mikroklima komplett kippen. Zudem wäre aufgrund der Länge von nur 90 Metern Frostsicherheit nicht mehr gesichert. Daher ist die AGF gegen die Tunnelöffnung.

Die Idee, mit einer Zwischendecke einen Bereich für die Fledermäuse abzutrennen, sieht die AGF kritisch. Gezogene Vergleiche mit anderen Tunneln hinkten. Dort würden die Zwischendecken auch Jahre nach deren Installation nicht angenommen. Zudem seien die verglichenen Tunnel fünf- bis zehnmal so lang, wie der Härtsfeldbahntunnel, hätten viele Spalten und Hohlräume dahinter mit Verstecken. Diese Rückzugsräume gebe es im verputzten Härtsfeldbahntunnel nicht. Eine Zwischendecke ließe den Tieren weniger als die Hälfte des bisherigen Quartierraums.

Ähnlich kritisch sieht die AGF Baden-Württemberg die notwendigen Verkehrssicherungen an den Tunnelportalen. Hier sollen Stahlgeflechte Radfahrer und Wanderer vor herabfallenden Steinen schützen. Robert Pfeifle und Markus Schmid, Regionalbetreuer der AGF: "Hier liegen Zugänge zu größeren Höhlensystemen, die eventuell noch wichtigere Winterquartiere sind. Hier fliegen in der Schwärmzeit sehr viele Fledermäuse."

Alternativen sind vorhanden

Die Naturschutzverbände weisen auf die geltende Rechtslage hin. Laut Bundesnaturschutzgesetz seien Ausnahmegenehmigung nur möglich, wenn ein überwiegend öffentliches Interesse bestehe und es keine zumutbaren Alternativen gibt und geschützte Tier- und Pflanzenarten nicht gefährdet würden. Die Stadt Aalen habe selbst mehrfach aufgezeigt, dass es mehrere alternative Radwegeführungen gibt – ohne eine Öffnung des Tunnels. Diese seien zumutbar, verhältnismäßig und billiger in Umsetzung und Unterhalt.

Kritik haben die Naturschutzverbände auch am Vorgehen der Stadt Aalen. Diese treibe die Planungen bezüglich geologischer Untersuchungen oder Radwege voran, ein Artenschutzgutachten sei bis heute aber nicht in Auftrag gegeben worden, behaupten die Naturschützer. Den Verantwortlichen bei der Stadt sei wohl nicht bewusst, dass im Falle der Öffnung, neben Maßnahmen im Tunnel auch umfassende Ausgleichsmaßnahmen notwendig werden. Dies würde, nach vorsichtiger Schätzung der AGF Kosten im hohen sechsstelligen Bereich nach sich ziehen.

Der Tunnel befinde sich zudem in einem FFH-Gebiet. Dort kämen seltene Pflanzen und Vogelarten vor. Steige der Besucherdruck, käme es zu erheblichen Beeinträchtigungen der Arten und Lebensräume. Armin Dammenmiller, NABU Kreisvorsitzender, und Hanspeter Pfeiffer, Sprecher des LNV-Arbeitskreises, Andreas Mooslehner, BUND-Regionalgeschäftsführer und Markus Schmid von der AGF Baden-Württemberg fassen zusammen: "Die Tunnelöffnung gefährdet ein regional bedeutendes Fledermausquartier und im FFH-Gebiet seltene Tier- und Pflanzenarten. Es gibt zudem mehrere attraktive alternative Radwegführungen."

Die Naturschutzverbände schließen im Falle eines Verstoßes rechtliche Schritte nicht aus.

Stahlgeflechte an den Tunnelportalen sollen vor herabfallenden Steinen schützen. Auch das gefällt Naturschützern nicht.
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