Vilankulos und der Weg aus der Krise

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Weil der Handel am Boden liegt, können viele Menschen sich nicht einmal Lebensmittel kaufen und müssen hungern.

In der afrikanischen Stadt herrscht wegen der Corona-Pandemie Ausnahmezustand. Warum deshalb viele Menschen Hunger leiden und was die Deutsch-Mosambikanische Gesellschaft dagegen tun will.

Vilankulo

Mit der Corona-Pandemie ist die Stadt Vilankulo in Mosambik in eine schwere wirtschaftliche Krise gestürzt. Davon besonders hart betroffen ist die Tourismusbranche in der mit Aalen freundschaftlich verbundenen Stadt im Südosten Afrikas. Doch die Hände jetzt in den Schoß legen und auf bessere Zeiten hoffen, ist nicht Sache des dortigen Oberbürgermeisters William Simao Tunzine. Zusammen mit dem Aalener Siegfried Lingel, Honorargeneralkonsul von Mosambik und Präsident der Deutsch-Mosambikanischen Gesellschaft (DMG), hat er ein Projekt entwickelt, das sowohl Arbeitsplätze schafft als auch die Menschen mit ausreichend Grundnahrungsmitteln versorgen kann.

Knackpunkt: Um das Vorhaben zum Laufen zu bringen, benötigt Vilankulo ein Startkapital in Höhe von 25 000 Euro. Siegfried Lingel bittet daher um Spenden auf das Konto der DMG, denn er ist sich sicher, dass dieses Geld gut angelegt ist und dazu beiträgt, die Stadt aus der Krise zu führen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Wie ist die aktuelle Situation? In Vilankulo herrscht aufgrund der Covid-19-Pandemie ein von der mosambikanischen Regierung angeordneter Ausnahmezustand. Die Hotels und Lodges sind geschlossen. Die Arbeitslosigkeit steigt. Jüngere Menschen betrifft diese Entwicklung besonders stark. Ebenfalls am Boden liegt der Handel. Weil die Menschen keine Arbeit haben, können sie keine Lebensmittel kaufen. Viele leiden Hunger. Die Stadtverwaltung, deren Einnahmen aufgrund der Krise radikal eingebrochen sind, sieht sich selbst nicht in der Lage, den Betroffenen auf Dauer mit Lebensmittelspenden zu helfen.

Bei dem Projekt, das Oberbürgermeister Tunzine zusammen mit DMG-Präsident Lingel umsetzen möchte, geht es im Kern um Hilfe zur Selbsthilfe. Vor allem die Landwirtschaft soll angekurbelt werden. Land, Saatgut und Produktionsmittel sollen verteilt werden. Geht alles gut, hoffen Lingel und Tunzine, könnten so in der Landwirtschaft 1000 Arbeitsplätze entstehen. Bei der Vergabe dieser Arbeitsplätze ist laut OB Tunzine vorgesehen, in erster Linie diejenigen zu berücksichtigen, die mit dem Zusammenbruch der Tourismusbranche in Vilankulo arbeitslos geworden sind. Bisher produzieren Kleinbauern an den Ufern von Flüssen und Lagunen rund um die am Indischen Ozean gelegene Stadt Nahrungsmittel. Das geschieht von Januar bis Juni. Danach liegen die Felder brach. Um die Nachfrage zu decken, müssen dann Lebensmittel aus anderen Provinzen nach Vilankulo transportiert werden. Damit steigen die Preise.

Plan Bau eines Gewächshauses

Einkommensschwache Familien, deren Zahl in den vergangenen Monaten infolge der Corona-Pandemie erheblich gestiegen ist, und auch ältere Menschen und Waisen können sich diese Nahrungsmittel nicht leisten. Ziel des von Lingel und Tunzine angestoßenen Projekts ist daher, die Landwirtschaft in und um Aalens Freundschaftsstadt zu intensivieren. Die Anbauflächen sollen vergrößert und die Produktionstechniken verbessert werden. Geplant ist unter anderem der Bau eines Gewächshauses samt eines Bewässerungssystems. Mit der unter den verbesserten Anbaubedingungen erzielten Ernte können, so die Idee, die Menschen ihre Familien ernähren und den Überschuss zu erschwinglichen Preisen an die Stadtbevölkerung verkaufen.

Bei der Vermarktung soll den Kleinbauern ein Experte beratend zur Seite stehen. Wie bei allen Projekten der Deutsch-Mosambikanischen Gesellschaft setzen die Initiatoren auch hier auf eine gute Ausbildung und auf den nachhaltigen Erfolg dieses Vorhabens. Die Stadt Vilankulo plant daher, acht Techniker auf Honorarbasis zu beschäftigen. Sie sollen den Kleinbauern die richtigen Anbautechniken zeigen und ihnen vermitteln, wie sie erfolgreich Gemüse, Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Karotten auf den Böden in dieser Gegend Mosambiks ernten können.

Start für Kleinbauern

Auf dem Stundenplan stehen neben bäuerlichen Produktionstechniken auch ein Grundkurs in Buchhaltung und Management. Für einen erfolgversprechenden Start benötigen die Kleinbauern Qualitätssaatgut. Das zu beschaffen, gehört zu den Aufgaben der Stadt Vilankulo. Sie wird in den ersten sechs Monaten des landwirtschaftlichen Ernährungsprojekts auch die Ausgabe des Saatguts übernehmen. Aus den 25 000 Euro Projektkosten werden übrigens laut einer umfassenden Aufstellung des Stadtoberhaupts von Vilankulo die Techniker finanziert, Saatgut gekauft, das Gewächshaus und weitere landwirtschaftliche Geräte bezahlt.

Spendenkonto der Deutsch-Mosambikanische Gesellschaft bei der Merkur Privatbank in München. IBAN: DE 28 7013 0800 0000 0257 55 SWIFT: GENODEF1M06

Einkommensschwache leiden besonders.
Die Corona-Pandemie hat auch die Bevölkerung von Vilankulo fest im Griff.

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