Von der Freiheit, wenn kein Chef mehr ruft

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Dr. Jürgen Brater stellt in der Stadtbibliothek sein neues Buch vor. Der Titel ist für ihn Programm: „Ich bin alt, ich darf das.“ Foto: Oliver Giers
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Dr. Jürgen Brater stellt mit viel Humor sein Buch vor über Freuden des Alters.

Aalen. Was ist das Beste am Älterwerden? Die Freiheit, alles zu dürfen und nichts zu müssen. Findet Dr. Jürgen Brater, Aalener Zahnarzt und Autor zahlreicher humorvoller Ratgeber. Sein neues Werk „Ich bin alt, ich darf das“ ist im Juli erschienen. Über Freiheit und Freuden, aber auch über Marotten der Generation 60 plus plauderte der 74-Jährige am Dienstag in der Stadtbibliothek.

Andrea Effinger und ihr Bibliotheks-Team müssen noch Stühle und ein Mikrofon herbeischaffen. Etwa 80 Männer und Frauen sind gekommen, im Altersdurchschnitt augenscheinlich der Gruppe zugehörig, derer sich Braters neues Buch annimmt. Es geht um die sogenannte dritte Lebensphase, die statistisch gesehen immer länger wird, die aber gleichzeitig „ein Abbauprozess ist, der mit dem Tod endet“, dämpft der Mediziner die Euphorie. Dennoch kein Grund, Trübsal zu blasen, findet er. Im Gegenteil: Spontan verreisen, lange frühstücken, nächtelang auf die Jagd gehen und überhaupt das tun zu können, was man will, weil kein Chef mehr ruft – das seien unschlagbare Vorteile des Alters. In einer repräsentativen Umfrage sagten vier von fünf Befragten über 80, sie wollten nicht mehr jung sein.

Brater liest Abschnitte aus seinem Buch und würzt mit Anekdoten aus dem Rentnerdasein. Wie er mit seinem Freund Wolfgang beim Stammtisch über den Unruhestand sinniert. Wie sie beschließen, mal eine Woche lang „total cool zu bleiben, sich über nichts aufzuregen“. Schon gar nicht über alte Leute, die nur über Krankheiten reden und über die Jungen schimpfen. Oder wie sie verabreden, ihre Zeit nicht mehr mit nervigen Zeitgenossen zu vergeuden. Stattdessen lieber alte Zerwürfnisse aus der Welt schaffen und frühere Freundschaften wiederbeleben.

Im Publikum öfters zustimmendes Nicken oder verstohlenes Lächeln, man fühlt sich ertappt. Lacht aber auch über sich selbst, so wie Brater, der herrlich selbstironisch, aber auch meinungsstark sein kann, zum Beispiel wenn er sich übers Gendern ärgert. Eines seiner Rezepte für die Graukopf-Phase: Auf keinen Fall Pläne aufgeben, nur weil man meint, man sei zu alt dafür. Er selber hält sich dran: Nach 36 Büchern ist sein 37. gerade in Planung: „Mathe Magic – Spannendes und Kurioses aus der Welt der Zahlen“. ⋌Bea Wiese

Dr. Jürgen Brater war lange als Zahnarzt tätig, bevor er an Berufsschulen und am Abendgymnasium unterrichtete. Er hat inzwischen 36 Bücher verfasst. Sein jüngstes Werk „Ich bin alt, ich darf das“, ist im Riva Verlag erschienen (13 Euro).

Dr. Jürgen Brater liest aus seinem Buch "Ich bin alt, ich darf das."
Die Lesung im Rahmen des Literaturtreffs war mit rund 80 Zuhörenden gut besucht.

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